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Immer mehr Pflegebedürftige rutschen in Sozialhilfe

Montag, 23. August 2021

/bilderstoeckchen, stock.adobe.com

Berlin – Immer mehr Pflegebedürftige in Heimen rutschen in die Sozialhilfe. Ihr Anteil werde in diesem Jahr das Rekordniveau von rund 35 Prozent erreichen, heißt es in einer heute in Berlin veröffentlichten Analyse des Bremer Pflegeökonomen Heinz Rothgang im Auftrag der DAK-Gesundheit. Das wäre der höchste Wert seit Einführung der Pflegeversicherung Mitte der 1990er-Jahre.

An dieser Entwicklung werde sich auch durch die im Frühsommer beschlossene Pflegereform mittel­fris­tig nichts ändern, so die Untersuchung. Nach einem Rückgang 2022 sei bereits 2023 mit einem erneuten Anstieg zu rechnen. Zudem drohe in der Pflegeversicherung eine reformbedingte Deckungslücke von 1,1 Milliarden Euro, die 2025 auf 3,5 Milliarden Euro steigt.

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Der Bundestag hatte im Juni eine Pflegereform beschlossen, die unter anderem vorsieht, dass Pflegebe­dürftige von steigenden Zuzahlungen im Heim entlastet werden. Dafür sollen sie ab Januar gestufte Zu­schläge bekommen, die den Eigenanteil für die reine Pflege abbremsen.

Derzeit müssen Heimbewohner zusätzlich zu den Zahlungen der Pflegeversicherung durchschnittlich 2.125 Euro pro Monat aus eigener Tasche finanzieren. Die Pflegeversicherung war vor 26 Jahren nicht zuletzt deshalb eingeführt worden, um pflegebedingte Sozialhilfeabhängigkeit zu verringern.

„Die Entwicklungen sind alarmierend“, warnte DAK-Vorstandschef Andreas Storm. Die Pflegeversicherung könne trotz der jüngsten Reform ihren eigenen Anspruch, pflegebedingte Sozialhilfeabhängigkeit zu ver­hindern, zunehmend weniger erfüllen.

Die in der Reform beschlossenen Zuschläge seien so niedrig, dass sie die steigenden Kosten durch Tarif­erhöhungen und eine bessere Personalausstattung bei den Heimen nicht ausgleichen könnten, sagte Storm.

Der Krankenkassenchef sprach sich für eine echte Begrenzung der Eigenanteile der Heimbewohner aus. Da die Versicherung auch gesamtgesellschaftliche Aufgaben übernehme, müsse es einen angemessenen Steuerzuschuss geben.

„Pflege darf kein Armutsrisiko sein. Deshalb gehört bereits in der ersten Hälfte der kommenden Wahlpe­rio­de eine grundlegende Reform der Pflegeversicherung auf die politische Agenda“, forderte Storm. Ziel müsse eine faire Lastenverteilung zwischen Beitragszahlern, Steuerzahlern und Pflegebedürftigen sein.

4,1 Millionen Menschen in Deutschland sind pflegebedürftig, von ihnen werden rund 819.000 in Heimen vollstationär versorgt. Die Ausgaben der Pflegeversicherung sind zwischen 2015 und 2020 von 29 auf 49 Milliarden Euro gestiegen. © kna/aerzteblatt.de

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