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Foodwatch: Kaum Veränderung bei Werbung für ungesunde Kinderlebensmittel

Mittwoch, 25. August 2021

Laut der Verbraucherorganisation Foodwatch erfüllen 242 von 283 untersuchten Kinderlebensmitteln nicht die Nährwert-Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) / Foodwatch

Berlin – Für Kinder beworbenen Lebensmittel sind in den vergangenen sechs Jahren kaum gesünder ge­worden. Trotz freiwilliger Selbstverpflichtungen der Industrie und einer Reduktionsstrategie des Ernäh­rungsministeriums enthalte ein Großteil der an Kinder vermarkteten Produkte zu viel Zucker, Salz und Fett, erklärte die Verbraucherorganisation Foodwatch nach einer Marktanalyse.

Gemeinsam mit der Deutschen Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) fordert die Organisation von der kommenden Bundesregierung gesetzliche Beschränkungen von Werbung für ungesunde Lebens­mittel, die sich speziell an Kinder richtet.

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Für die Studien hat Foodwatch das Sortiment von 16 großen Lebensmittelkonzernen untersucht, die be­reits 2007 den EU-Pledge, eine freiwillige Selbstverpflichtung zu verantwortungsvollerem Kindermarke­ting in Europa, unterzeichnet hatten. Der Untersuchung zufolge entsprachen mehr als 85 Prozent der 283 geprüften Produkte nicht den Nährwertangaben, die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für an Kinder vermarktete Lebensmittel festgelegt hat.

Bei einer vorangegangenen Analyse im Jahr 2015 entsprachen knapp 90 Prozent der untersuchten Le­bens­mittel nicht diesen Kriterien. „Produkte, die mit Comicfiguren, Online-Gewinnspielen und Spielzeug­beigaben an Kinder beworben werden, sind in erster Linie Zuckerbomben und fettige Snacks“, erklärte Oliver Huizinga, Kampagnendirektor bei Foodwatch, bei der Vorstellung der Untersuchung. Daran hätten weder die freiwillige Selbstverpflichtung für ein verantwortungsvolleres Kindermarketing noch das Zuckerreduktionsprogramm der Bundesregierung etwas geändert.

„Die Bundesregierung muss sich von der Strategie der Freiwilligkeit verabschieden und in der kommen­den Legislaturperiode Werbung für ungesunde Produkte an Kinder gesetzlich verbieten“, sagte Barbara Bitzer, DANK-Sprecherin und Geschäftsführerin der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), die die Un­tersuchung gemeinsam mit Foodwatch vorstellte. „An Kinder gerichtete Werbung für Dickmacher ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine Gefährdung der kindlichen Gesundheit.“

In Deutschland gelten nach Angaben des Robert-Koch-Instituts derzeit 15 Prozent der Kinder und Ju­gend­lichen als übergewichtig, sechs Prozent als adipös. Zwar seien diese Werte in den vergangenen zehn Jahren nicht mehr gestiegen, jedoch habe sich der Unterschied zwischen sozial besser und schlechter gestellten Kinder und Jugendlichen verschärft, erklärte Berthold Koletzko, Vorsitzender der Stiftung Kin­dergesundheit an der Kinderklinik der Universität München.

„Die Strategie der Bundesregierung erreicht die schwächer gestellten Familien offenbar nicht. Sie lässt den Großteil der Kinder in sozial schwächer gestellten Bereichen zurück. Das ist ethisch nicht vertretbar“, so Koletzko. Auch er plädiert für verpflichtende Beschränkungen der Werbung, die sich an Kinder richtet. Im Ausland habe sich deren Wirksamkeit bereits gezeigt.

Die Reduktionsstrategie der Bundesregierung habe indes dabei versagt, Lebensmittel generell und Pro­dukte, die speziell für Kinder vermarktet werden, gesünder zu machen, erklärte Bitzer. Zwar sei der Anteil von Zucker, Salz und Fett tatsächlich in einzelnen Produkten prozentual deutlich reduziert worden, so Huiziger. In absoluten Zahlen enthielten diese aber immer noch deutlich mehr ungesunde Bestandteile als von der WHO empfohlen.

Im Rahmen der Analyse untersuchte Frühstückscerealien, deren Zuckergehalt nach Angaben des Her­stellers um 20 Prozent reduziert worden sei, enthielte weiterhin 34 Gramm Zucker. Dieser mache dem­nach fast ein Drittel des Gesamtprodukts aus. Zudem umfasse die Strategie nur einen sehr kleinen Teil der relevanten Produktpalette, so Huiziger.

Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) verteidigte die 2019 gestartete nationale Innovations- und Reduktionsstrategie. Seitdem sei etwa der Zuckergehalt in Kinderjoghurts um 20 Prozent gesunken und Erfrischungsgetränke für Kinder enthielten rund 35 Prozent weniger Zucker, zitierte der Tagesspiegel Klöckners Ministerium.

Bei Wurst- und Fleischwaren sowie bei Brot und Kleingebäck sei der Salzgehalt reduziert worden.
Klöck­ner setzt demnach weiterhin auf Selbstverpflichtungen der Wirtschaft. Eine Limo-Steuer wie etwa in Großbritannien lehne sie ab: Dabei bestehe die Gefahr, dass Zucker durch Fett oder durch andere Süßungen ersetzt werde, „dann haben wir nichts gewonnen“. © alir mit afp/aerzteblatt.de

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