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Politik

Zweithöchstes Staatsdefizit im ersten Halbjahr seit Wiedervereinigung

Dienstag, 24. August 2021

/Zerbor, stock.adobe.com

Wiesbaden – Milliardenschwere staatliche Ausgaben in der Coronapandemie haben den deutschen Staatshaushalt im ersten Halbjahr tief ins Minus gerissen. Bund, Länder, Gemeinden und Sozialver­si­cherungen gaben 80,9 Milliarden Euro mehr aus als sie einnahmen, wie das Statistische Bundesamt heute anhand vorläufiger Daten mitteilte.

Bezogen auf die gesamte Wirtschaftsleistung lag das Defizit bei 4,7 Prozent. Es war das zweithöchste Minus in einer ersten Jahreshälfte seit der Wiedervereinigung. Im ersten Halbjahr 2020 hatte das Defizit noch 47,8 Milliarden Euro betragen.

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Die deutsche Wirtschaft gewann unterdessen nach dem Einbruch im Coronalockdown zu Jahresbeginn im zweiten Quartal wieder an Tempo. Das Bruttoinlandsprodukt stieg im Zeitraum April bis Juni um 1,6 Prozent im Vergleich zum Vorquartal.

In einer ersten Schätzung war die Wiesbadener Behörde von einem Wachstum von 1,5 Prozent ausge­gan­gen. Verglichen mit dem vierten Quartal 2019, dem Vierteljahr vor Beginn der Coronakrise, war die Wirtschaftsleistung aber noch 3,3 Prozent geringer.

Vor allem die Konsumlust der Verbraucher nach dem Ende des Coronalockdowns und staatliche Konsum­ausgaben schoben die Konjunktur an. Die Einschränkungen zur Bekämpfung des Coronavirus waren ab Mai schrittweise gelockert worden.

Im Coronakrisenjahr 2020 hatte der deutsche Staat erstmals seit 2011 wieder ein Defizit ausgewiesen, sowohl in den ersten sechs Monaten als auch im Gesamtjahr. Nach Beginn der Pandemie im März 2020 stützte der Staat die Wirtschaft mit milliardenschwere Konjunkturhilfen.

Bund und Länder haben erst jüngst beschlossen, die bisher bis Ende September laufenden Wirtschafts­hilfen (Überbrückungshilfe III Plus) und die Erleichterungen zum Zugang für das Kurzarbeitergeld zu verlängern.

Im ersten Halbjahr 2021 wiesen alle staatlichen Ebenen ein Finanzierungsdefizit auf. Zum Anstieg der Staatsausgaben trugen den Angaben zufolge maßgeblich die Ausgaben für Coronaüberbrückungshilfen, für Ausgleichszahlungen an Krankenhäuser, für Impfstoffe und Schutzausrüstung sowie für Kurzarbeiter­geld und Kinderbonus bei.

Nach Einschätzung der Deutschen Bundesbank könnte sich das Defizit trotz des erwarteten kräftigen Wirtschaftswachstum im Gesamtjahr vergrößern. Es dürfte über fünf Prozent des BIP hinausgehen (Vorjahr: 4,5 Prozent), schrieb die Notenbank in ihrem jüngsten Monatsbericht. „Ausschlaggebend für den Anstieg sind jedoch vor allem Maßnahmen, die nicht durch die Coronakrise begründet sind – wie etwa die Teilabschaffung des Solidaritätszuschlags“, hieß es.

Ärger aus Brüssel droht Deutschland wegen des Defizits nicht. Die EU-Staaten hatten wegen der Corona­krise erstmals die Regeln des Stabilitäts- und Wachstumspakts vorerst ausgesetzt, wonach das Haus­halts­defizit nicht über drei Prozent und die Gesamtverschuldung nicht über 60 Prozent des Bruttoin­lands­produkts steigen darf. © dpa/aerzteblatt.de

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