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Medizin

Herzinfarkt: Studie ermittelt Prädiktoren für Blutungen im oberen Magen-Darm-Trakt

Dienstag, 24. August 2021

/peterschreiber.media, stock.adobe.com

Stockholm – Im 1. Jahr nach einem Herzinfarkt kommt es bei jedem 7. Patienten therapiebedingt zu einer oberen gastrointestinalen Blutung, die in einer Analyse eines schwedischen Patientenregisters auf ein erhöhtes Sterberisiko verbunden war.

Die im European Heart Journal (2021; DOI: 10.1093/ehjcvp/pvab05) publizierte Studie ermittelt mehrere Risikofaktoren für eine Blutung.

Die meisten Patienten erhalten nach einem Herzinfarkt antithrombozytäre Medikamente, die ein erneu­tes thrombotisches Ereignis in den Koronarien vorbeugen sollen. Nach einer perkutanen koronaren Inter­vention (PCI) soll die Behandlung insbesondere verhindern, dass sich auf dem Stent Thromben bilden, die das Gefäß rasch verschließen können. Die Behandlung ist evidenzbasiert, ihr Nutzen ist größer als die Risiken.

Jede antithrombozytäre Behandlung birgt jedoch die Gefahr von Blutungen, zu denen es am häufigsten im oberen Gastrointestinaltrakt kommt. Die Kenntnis der Risikofaktoren könnte helfen, die Blutungen zu verhindern, etwa durch Verordnung von Magensäurehemmern, eine Eradikation von Helicobacter pylori oder eine Aspirin-freie Antikoagulation.

Ein Team um Moa Simonsson vom Karolinska Institut in Stockholm hat hierzu die Daten des SWEDEHEART-Registers mit dem Nationalen Patientenregister abgeglichen. Das SWEDEHEART-Register enthält Daten zu allen 149.447 Patienten, die von Januar 2007 bis Ende Juni 2016 an 72 Herzkatheter­laboren des Landes behandelt wurden. Wegen der identischen Personalnummer konnten die Forscher leicht ermitteln, dass 2.230 Patienten im darauffolgenden Jahr an schwedischen Kliniken wegen einer oberen gastrointestinalen Blutung behandelt wurden. Dies ergibt eine Inzidenzrate von 1.492 Fällen pro 100.000 Personenjahre oder 1,5 %.

Die Studie bestätigte einige bekannte Risikofaktoren wie einen niedrigen Hämoglobinwert (der auf mög­li­che subklinische gastrointestinale Blutungen in der Vorgeschichte hinweist), das Alter (das mit einer Alterung des Gefäßsystems verbunden ist) sowie einige intensive antithrombozytäre Behandlungen.

Gegenüber Patienten, die nur eine antithrombozytäre Behandlung erhalten hatten, erhöhte eine duale Antiplättchentherapie mit Ticagrelor/Prasugrel das Risiko um 41 %, bei einer oralen Antikoagulation stieg das Risiko um 52 % und bei einer Kombination aus Antiplättchentherapie und oraler Antikoagula­tion um 56 %.

Das wichtigste Warnsignal war eine gastrointestinale Blutung in der Vorgeschichte. Bei diesen Patienten kam es 2,58-fach häufiger im 1. Jahr nach dem Herzinfarkt zu einer erneuten Blutung. Auch die Verord­nung von Protonenpumpen-Inhibitoren (PPI) sollte die Kardiologen stutzig machen. Ihre Verordnung zeigt an, dass die Patienten eine erhöhte Gefährdung auf eine obere Magen-Darm-Blutung haben.

Neu ist die Erkenntnis, dass auch Raucher, Patienten mit erhöhtem Blutdruck oder erhöhtem Blutzucker im 1. Jahr nach einem Herzinfarkt häufiger eine Blutung in Magen oder Duodenum erleiden.

Eine obere gastrointestinale Blutung war mit einem erhöhten Sterberisiko (Hazard Ratio 2,86; 2,58 bis 3,16) und vermehrten Schlaganfällen (Hazard Ratio 1,80; 1,32 bis 2,45) verbunden, nicht aber mit erneu­ten Herzinfarkten (Hazard Ratio 1,17; 0,97 bis 1,42).

Das erhöhte Blutungsrisiko von Patienten mit Magenerkrankungen in der Vorgeschichte hat die schwedi­schen Forscher zu einer randomisierten klinischen Studie veranlasst. Dort sollten Patienten nach einem Herzinfarkt auf eine Infektion mit Helicobacter pylori gescreent werden. Bei einem positiven Testergeb­nis ist eine Eradikationsbehandlung vorgesehen.

© rme/aerzteblatt.de

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