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Klimawandel macht Hochwasser­katastrophen wahrscheinlicher

Dienstag, 24. August 2021

/2mmedia, stock.adobe.com

Offenbach – Der Klimawandel erhöht laut einer Studie die Wahrscheinlichkeit extremer Regenfälle und damit von Hochwasserkatastrophen, wie sie im Juli in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen mindes­tens 180 Menschen das Leben gekostet haben. Zu diesem Ergebnis kommt ein internationales Forscher­team unter anderem des Deutschen Wetterdiensts (DWD) in einer heute veröffentlichten Untersuchung.

Unter den derzeitigen Klimabedingungen sei zu erwarten, dass eine bestimmte Region in Westeuropa etwa einmal in 400 Jahren von einem solch verheerenden Ereignis heimgesucht werde. Innerhalb des gesamten Gebiets, das die Wissenschaftler betrachteten, seien in dem Zeitraum mehrere solche Ereig­nisse zu erwarten.

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Mit weiter steigenden Temperaturen werde derart extremer Starkregen häufiger. Eine wärmere Atmos­phäre könne auch mehr Wasser speichern. Werde es nochmals 0,8 Grad wärmer, erhöhe sich die Häufig­keit auf alle 300 Jahre, auch die Intensität des Starkregens steige weiter.

Umweltverbände forderten in Reaktion auf die Veröffentlichung der Studie die Bundesregierung unter anderem zu verschärften Klimaschutzmaßnahmen auf.

„Dies ist ein letzter Weckruf an die Politik, Treib­haus­gasemissionen endlich durch wirksame Maßnahmen zu mindern, anstatt Klimaschutz durch bloße Zieldefinitionen zu betreiben“, sagte etwa NABU-Bundes­geschäftsführer Leif Miller. „Wenn die Treibhaus­gase bis zum Jahr 2030 wirklich um 65 Prozent gemindert werden sollen, ist der Kohleausstieg bis 2030 alternativlos.“

Mit Blick auf die für morgen geplante Sondersitzung des Bundestages, bei der Wiederaufbau­hilfen für die von der Hochwasserkatastrophe betroffenen Regionen beraten werden sollen, mahnen die Umwelt­schützer auch eine ökologischen Umgestaltung des Hochwasserschutzes an.

„Alles am selben Ort wiederaufzubauen hieße, Menschen und Gebäude erneut dem Risiko der Zerstörung auszusetzen“, sagte Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe. Ein gu­tes Wiederaufbauprogramm schaffe natürliche Überflutungsflächen, renaturiere Gewässer oder stelle durch angepasste Bewirtschaftung die Speicherfähigkeit Landschaft wieder her. „Nur so lassen sich die verheerenden Folgen zukünftiger Starkregenereignisse abmildern.“

Das internationale Forscherteam hatte für seine Analyse Frankreich, Westdeutschland, den östlichen Teil von Belgien, die Niederlande, Luxemburg und den Norden der Schweiz als Region betrachtet und gefragt, wie wahrscheinlich ähnlich extremer Starkregen ist und und inwiefern dies durch weltweit steigen­de Temperaturen beeinflusst wird.

Die Eintrittswahrscheinlichkeit solcher Katastrophen hat sich dem­nach in dieser Region bereits um einen Faktor zwischen 1,2 und 9 erhöht, die maximale Regenmenge ist zwischen 3 und 19 Prozent größer als früher. Ein Beispiel der Wissenschaftler: Wenn die Wahrscheinlichkeit um den Faktor 5 erhöht sei, be­deute dies, dass ein Ereignis im Mittel anstelle alle 2.000 alle 400 Jahre auftrete.

Dass der Faktor nicht genauer angegeben werden könne, liege unter anderem daran, dass verschiedene Klimamodelle zugrundegelegt worden seien, deren Vorhersagen sich unterschieden, erklärte Frank Kreienkamp vom Deutschen Wetterdienst. Die Zahlen zeigten eine sehr klare Tendenz in Richtung häufi­geren Extremwetters durch den Klimawandel.

Die Auswirkungen könnten die früherer Unwetter weit übersteigen, sagte Kreienkamp. „Die lokalen und nationalen westeuropäischen Behörden müssen sich dieser wachsenden Risiken durch Starkregen be­wusst sein, um besser auf mögliche künftige Extremwetterereignisse vorbereitet zu sein“, erklärte der Leiter des Regionalen Klimabüros Potsdam des DWD. Enno Nilson von der Bundesanstalt für Gewässer­kunde (BfG) erklärte, die Erkenntnisse würden in Analysen zur Verbesserung des Hochwasserschutzes einbezogen.

In der Region um die Flüsse Ahr und Erft waren den Angaben zufolge pro Tag durchschnittlich 93 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen – ein Höchststand seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Bei den Überschwemmungen auch um den Fluss Maas in Belgien starben den Angaben zufolge insgesamt min­des­tens 220 Menschen.

Die 39 Wissenschaftler verglichen die Auswirkungen des heutigen Klimas mit dem Ende des 19. Jahr­hunderts, als die globale Durchschnittstemperatur 1,2 Grad weniger betrug. Die Arbeit, für die Wetter­aufzeichnungen und Computersimulationen analysiert wurden, entstand im Rahmen der World Weather Attribution Initiative, die mögliche Auswirkungen des Klimawandels auf extreme Wetterereignisse unter­sucht. © dpa/aerzteblatt.de

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