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Ausland

Medizinische Hilfsgüter der WHO in Afghanistan gehen zur Neige

Mittwoch, 25. August 2021

/picture alliance/dpa/PPI via ZUMA Press Wire

Kabul/Kairo – Rund zehn Tage nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan gehen die Reserven an medizinischen Hilfsgütern der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in dem Land zur Neige.

„Die WHO verfügt im Land nur noch über ausreichend Vorräte für eine Woche“, warnte der Leiter des Re­gionalbüros der WHO für den östlichen Mittelmeerraum, Ahmed al-Mandhari, gestern. 70 Prozent der ver­bliebenen medizinischen Produkte seien vorgestern an die örtlichen Gesundheitseinrichtungen verteilt worden.

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500 Tonnen an Medikamenten und Hilfsgüter, die in Dubai gelagert seien, könnten aufgrund der chaoti­schen Situation am Flughafen Kabul nicht nach Afghanistan geliefert werden, teilte al-Mandhari mit. „Die Länder, die leere Flugzeuge schicken, um die Schutzbedürftigen abzuholen, sehen sich nicht in der Lage, zu helfen“, sagte er.

Am vergangenen Sonntag hatten die WHO und das Kinderhilfswerk Unicef die „sofortige Einrichtung einer zuverlässigen und stabilen humanitären Luftbrücke für den Transport von Hilfsgütern“ nach Afgha­nistan gefordert. Bereits vor den Ereignissen der vergangenen Wochen habe es in dem Land 18 Millionen Menschen gegeben, die auf humanitäre Hilfe angewiesen seien, erklärten die Organisationen.

Das für Afghanistan zuständige WHO-Regionalbüro in Kairo hatte gemahnt, das ohnehin schwache Ge­sundheitssystem sei durch die jüngsten Kämpfe schwer in Mitleidenschaft gezogen worden. Laut WHO sind 95 Prozent der medizinischen Gesundheitseinrichtungen geöffnet und arbeiten weiter. Einige weib­liche Angstellte hätten ihre Jobs aber aufgegeben.

Die Evakuierungen von tausenden Menschen am Flughafen von Kabul laufen derzeit weiterhin unter Hochdruck. Die radikalislamischen Taliban hatten vor „Konsequenzen“ gewarnt, sollte der Evakuierungs­einsatz über den 31. August hinaus verlängert werden. Die Mitarbeiter der Vereinten Nationen sowie von UN-Hilfsorganisationen wollen die Taliban aber offenbar im Land dulden.

„Sie haben klar gemacht, dass die UN bleiben sollen“, sagte Richard Brennan, Regionaldirektor für Not­hilfe bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO), in Kairo. „Es gab einige ermutigende Zeichen und Ge­spräche.“ Über den Verbleib der UN-Mitarbeiter liefen derzeit „auf hoher politischer Ebene“ Verhandlun­gen zwischen Taliban-Vertretern und ranghohen Vertretern der Vereinten Nationen.

Kurz vor dem Krisentreffen der G7-Staaten zur Lage in Afghanistan gibt es unterdessen Berichte über schwere Menschenrechtsverletzungen der Taliban. Darunter seien Massenhinrichtungen von Zivilisten und Angehörigen regierungstreuer Sicherheitskräfte, sagte die UN-Hochkommissarin für Menschenrech­te, Michelle Bachelet, gestern in Genf.

Bachelet sprach bei einer Sondersitzung des UN-Menschenrechtsrats in Genf zur Lage in Afghanistan von „gravierenden Risiken für Frauen, Journalisten und die neue Generation von Leitfiguren der Zivilgesell­schaft“.

Der Bewegungsspielraum von Frauen sei in manchen Regionen nach Machtübernahme der militant-isla­mistischen Aufständischen eingeschränkt worden, Mädchen dürften teils nicht mehr zur Schule gehen. Friedliche Proteste würden unterdrückt und Minderjährige zum Waffendienst geholt. Die Berichte seien glaubhaft, betonte Bachelet.

Die Staats- und Regierungschefs der G7-Staaten berieten gestern bei einer Videokonferenz über das weitere Vorgehen und Hilfen für die Bevölkerung. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte vorab eine deutliche Erhöhung der humanitären Hilfe angekündigt. In diesem Jahr sollen aus dem EU-Haushalt mehr als 200 Millionen Euro zur Verfügung gestellt werden. Das ist rund vier Mal so viel Geld wie ursprünglich geplant. © dpa/afp/aerzteblatt.de

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