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Medizin

Hypertonie: Prävalenz sinkt in reicheren Ländern und steigt in ärmeren Ländern

Mittwoch, 25. August 2021

/Ralf Geithe, stock.adobe.com

London – Weltweit hat 1/3 aller erwachsenen Männer und Frauen einen zu hohen Blutdruck. Die Präva­lenz ist in den vergangenen Jahrzehnten gleich geblieben, die Zahl der Hypertoniker hat sich jedoch we­gen der Zunahme der Bevölkerung und eines Anstiegs der Lebenserwartung seit 1990 auf 1,2 Milliarden Menschen verdoppelt. Einem deutlichen Rückgang in vielen reicheren Ländern steht eine Zunahme in ärmeren Ländern gegenüber, wie eine weltweite Analyse im Lancet (2021; DOI: 10.1016/S0140-6736(21)01330-1) zeigt.

Ein erhöhter Blutdruck gehört zu den wichtigsten Risikofaktoren für Schlaganfälle, Herzinfarkte und andere atherosklerotische Erkrankungen. An den Folgen einer unkontrollierten Hypertonie sterben weltweit jedes Jahr vermutlich mehr als 8,5 Millionen Menschen. Viele Todesfälle wären vermeidbar, da die Diagnose einer Hypertonie einfach und eine Behandlung mit kostengünstigen Medikamenten möglich ist (auch wenn es nicht immer gelingt, die gewünschten Zielwerte zu erreichen).

Dennoch wussten 2019 weltweit fast die Hälfte der Menschen (41 % der Frauen und 51 % der Männer) nicht, dass sie einen zu hohen Blutdruck haben. Und von den Betroffenen, die von ihrer Erkrankung wussten, wurden nur 47 % der Frauen und 38 % der Männer behandelt. Weniger als die Hälfte erreichte unter der Behandlung einen normalen Blutdruck, so dass insgesamt nur 23 % der weiblichen und 18 % der männlichen Hypertoniker eine ausreichende Blutdruckkontrolle hatten.

Die Zahlen hat die „NCD Risk Factor Collaboration" ermittelt, die in Zusammenarbeit mit der Weltge­sund­heitsorganisation (WHO) die Ursachen von nichtübertragbaren Erkrankungen (NCD) ermittelt, die heute weit vor den Infektionskrankheiten die häufigste Todesursache sind. Die Bedeutung der NCD hat in den letzten Jahrzehnten auch in den ärmeren Ländern stark zugenommen, was sich an der Hypertonie zeigt. Während in reicheren Ländern das Bewusstsein zu den Risiken eines erhöhten Blutdrucks gestiegen ist und mehr Menschen ihren Blutdruck kontrollieren, ist dies in ärmeren Ländern häufig nicht der Fall.

Nach den von einem Team um Majid Ezzati vom Imperial College London vorgestellten Zahlen, die auf der Auswertung von 1.201 Studien aus den Jahren 1990 bis 2019 mit Daten zu 104 Millionen Teilneh­mern im Alter von 30 bis 79 Jahren basieren, gibt es einen zunehmenden Unterschied zwischen reiche­ren und ärmeren Ländern.

In vielen einkommensstarken Ländern ist die Zahl der Hypertoniker gesunken, so in Europa neben Spanien, der Schweiz und Großbritannien auch in Deutschland. Laut der Publikation haben in Deutsch­land 34,4 % der Männer und 25,0 % der Frauen eine arterielle Hypertonie. Das ist die 9. schlechteste Position in Europa bei den Männern und die 10. schlechteste Position bei den Frauen. Bei 72,2 % der Männer und 70,8 % der Frauen ist die Hypertonie diagnostiziert, bei 61,1 % und 65,0 % wird der zu hohe Blutdruck behandelt und bei 43,2 % und 48,0 % ausreichend gesenkt. Im Anteil der behandelten Hypertoniker liegt Deutschland in Europa bei den Männern auf Position 3, bei den Frauen aber nur an Position 10.

Weltweit gesehen gibt es die wenigsten Hypertoniker in Kanada und Peru. Dort hatten 2019 weniger als 1/4 der Bevölkerung ein einen zu hohen Blutdruck. Bei den Frauen ist die Hypertonie in Taiwan, Südkorea, Japan und einigen Ländern in Westeuropa, darunter der Schweiz, Spanien und Großbritannien am niedrigsten (jeweils weniger als 24 %), bei den Männer liegt die Prävalenz in Eritrea, Bangladesch, Äthiopien und auf den Salomonen unter 25 %.­

Das andere Extrem bilden Paraguay und Tuvalu. Dort litten 2019 mehr als die Hälfte der Frauen an Bluthochdruck. Bei den Männern haben in Argentinien, Paraguay, Tadschikistan und mehreren Ländern in Mittel- und Osteuropa (Ungarn, Polen, Litauen, Rumänien, Weißrussland und Kroatien) mehr als die Hälfte der Männer eine Hypertonie.

Die größten Fortschritte in der Behandlung der Hypertonie wurden seit 1990 in einkommensstarken Ländern wie Kanada, Island und Südkorea gemacht. Dort stiegen die Behandlungsraten um mehr als 30 %-Punkte auf über 70 %, und bei mehr als 50 % wurde eine ausreichende Kontrolle des Blutdrucks erzielt. Auch in einigen Ländern mit mittlerem Einkommen hat sich die Situation gebessert. In Costa Rica werden mehr als 65 % der Erwachsenen mit Bluthochdruck behandelt und bei fast der Hälfte werden die Blutdruckwerte ausreichend gesenkt.

In ärmeren Ländern, etwa in Afrika südlich der Sahara und Ozeanien, Nepal und Indonesien hat sich jedoch kaum etwas verändert. Dort wurden 2019 weniger als ein Viertel der Frauen und weniger als ein Fünftel der Männer mit Bluthochdruck behandelt und bei weniger als 10 % wurde eine ausreichende Kontrolle des Blutdrucks erreicht.

Global hat sich in den letzten 30 Jahren die Zahl der Erwachsenen mit einem zu hohen Blutdruck verdoppelt – von geschätzten 331 Millionen Frauen und 317 Millionen Männern im Jahr 1990 auf 626 Millionen Frauen und 652 Millionen Männer im Jahr 2019. © rme/aerzteblatt.de

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