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Medizin

USA: Typ-2-Diabetes auch bei jüngeren Erwachsenen häufiger, USPSTF senkt Alter für Screening

Mittwoch, 25. August 2021

/Sabrina, stock.adobe.com

Washington – Jeder 7. erwachsene US-Amerikaner leidet mittlerweile unter einem Diabetes, ein weiteres Drittel hat einen Prädiabetes. Die meisten Diabetiker haben zusätzlich einen erhöhten Blutdruck und erhöhte Cholesterinwerte, die nur bei jedem 5. Patienten ausreichend kontrolliert sind.

Da zunehmend junge Menschen erkranken, rät die „U.S. Preventive Services Task Force“ (USPSTF) des Gesundheitsministeriums dazu, Erwachsene bereits ab einem Alter von 35 Jahren auf einen erhöhten Blutzucker hin zu untersuchen. Studien zeigen jedoch, dass zunehmend auch junge Erwachsene und sogar Jugendliche einen gestörten Glukosestoffwechsel haben.

Die Zunahme des Typ-2-Diabetes unter Erwachsenen lässt sich aus den NHANES-Studien („National Health and Nutrition Examination Survey“) ablesen, die die Statistikbehörde regelmäßig an einer Stichprobe der Bevölkerung durchführen lässt.

In den Jahren 1999/2000 hatte die Prävalenz noch bei 9,8 % gelegen. Seither ist sie mehr oder weniger kontinuierlich auf 14,6 % gestiegen. Damit leidet jeder 7. erwachsene US-Amerikaner unter einem Typ-2-Diabetes, von denen 78,8 % adipös und 10,9 % übergewichtig sind, wie die jetzt von einem Team um Victor Zhong von der Universität Shanghai vorgestellten Ergebnisse zeigen (JAMA 2021; DOI: 10.1001/jama.2021.9883).

Der 2. wesentliche Risikofaktor, der Bewegungsmangel, wurde in den NHANES-Studien nicht ermittelt. Bei den meisten Patienten wurde der Diabetes diagnostiziert, der Anteil der nicht erkannten Fälle ist zurückgegangen. 2/3 der diagnostizierten Diabetiker erreichten auch ihre individuellen HbA1c-Ziele.

Die meisten Betroffenen haben jedoch neben dem erhöhten Blutzucker einen erhöhten Blutdruck und einen erhöhten Cholesterinwert. Alle 3 Werte mit Medikamenten zu normalisieren, gelingt bei Diabe­tikern häufig nicht. Unter den US-Diabetikern war dies nur bei 21,2 % der Fall. Bei den jüngsten Typ-2-Diabetikern im Alter von 18 bis 44 Jahren erreichten nur 7,4 % die Zielwerte in allen 3 Bereichen.

Selbst unter Kindern und Jugendlichen ist ein Typ-2-Diabetes nicht mehr ungewöhnlich. Der „Alters­diabetes“ ist zwar bei den Jüngsten insgesamt noch selten. Jean Lawrence vom US-National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases in Bethesda/Maryland kommt in einer Beobachtungsstudie aus 6 Regionen in JAMA (2021; DOI: 10.1001/jama.2021.11165) für das Jahr 2017 auf eine Prävalenz von 0,67 auf 1.000 Personen im Alter von 10 bis 19 Jahren.

Der Typ-1-Diabetes ist mit einer Prävalenz von 2,15/1.000 noch häufiger. Doch die Zahl der jungend­lichen Diabetiker hat sich seit 2001 fast verdoppelt. Die Ursachen sind wie im Erwachsenenalter dieselben: Übergewicht und Bewegungsmangel und als 3. Komponente wohl die Zugehörigkeit zu Minderheiten wie Afroamerikanern und Hispanics, wo der ungesunde Lebensstil aus sozioökonomischen Gründen besonders weit verbreitet ist.

Ein Diabetes lässt sich durch einen gesunden Lebensstil vermeiden, und auch im Stadium des Prädia­betes kann der Prozess aufgehalten werden, auch wenn dies den meisten Betroffenen schwerfällt. Daniel Jonas von der Ohio State University in Columbus kommt im Evidenz-Report der USPSTF auf der Basis von mittlerweile 23 randomisierten Studien zu dem Ergebnis, dass Lebensstilinterventionen das Risiko eines Diabetes bei adipösen oder übergewichtigen Personen mit Prädiabetes um 22 % senken können (gepooltes relative Risiko 0,78; 0,69 bis 0,88).

Auch eine Prävention durch Metformin ist nach Einschätzung des USPSTF mittlerweile evidenzbasiert (gepooltes relatives Risiko 0,73; 0,64 bis 0,83). Das Ziel muss jedoch die Normalisierung des Körperge­wichts und ein aktiver Lebensstil sein, der jedoch selten zu erreichen ist.

Die Zunahme der Prävalenz hat die USPSTF veranlasst, die Altersgrenze für ein Diabetesscreening von 40 auf 35 Jahre zu senken für Personen, die beim Arzt durch ihr Übergewicht oder ihre Fettleibigkeit auffallen. Die Empfehlungen wurden ebenfalls in JAMA (2021; DOI: 10.1001/jama.2021.12531) veröffentlicht.

Ob diese Altersgrenze niedrig genug ist, dürfte von vielen Diabetologen bezweifelt werden. Eine kürzlich in JAMA Pediatrics (2020; DOI: 10.1001/jama.2021.10403) publizierte Analyse der NHANES-Studien aus den Jahren 2005 bis 2016 ergab nämlich, dass inzwischen jeder 4. junge Erwachsene im Alter von 19 bis 34 Jahren einen abnormalen Glukosestoffwechsel hat. © rme/aerzteblatt.de

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