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Uniklinik Rostock: Ruf nach Änderungen der Finanzierung

Montag, 30. August 2021

/dpa, Bernd Wüstneck

Rostock – Angesichts von Finanzproblemen der Universitätsmedizin Rostock (UMR) und insbesondere der dortigen Kinderklinik gibt es jetzt Forderungen nach Änderungen bei der Finanzierung.

Das Grundproblem der Kinder- und Jugendmedizin sei, dass es über Fallpauschalen nicht auskömmlich finanziert sei, sagte Landesbildungsministerin Bettina Martin (SPD) heute bei einem Pressegespräch in der UMR in Rostock.

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Das sei aber nicht nur in Mecklenburg-Vorpommern, sondern deutschlandweit der Fall. Die Landesregie­rung habe sich im Bundesrat dafür stark gemacht, dass die Kinder- und Jugendmedizin aus dem System der diagnosebezogenen Fallpauschalen (DRG) herausgenommen wird.

UMR-Aufsichtsratschef Mathias Brodkorb sprach sich zudem für einen Zuschlag für Universitätsmedizi­nen als finanziellen Puffer aus. Die Coronapandemie habe gezeigt, dass man starke Krankenhäuser benö­tige, die in einer zugespitzten Lage für das restliche Gesundheitssystem so etwas wie die letzte Halteli­nie darstellten, sagte er bei dem Pressegespräch.

Zudem würden dort die Ärzte der Zukunft ausgebildet. „Deswegen muss eine Uniklinik immer so einen Sicherheitspuffer haben. Aber der wird im Moment in den Finanzierungsstrukturen nicht abgebildet.“ Er hoffe auf entsprechende Entscheidungen nach der Bundestagswahl.

Zahlreiche Ärztinnen und Ärzte der UMR hatten sich Anfang August mit einem Brief an die Schweriner Landesregierung gewandt und unter anderem auf Versorgungsprobleme in der Kinderklinik hingewiesen und Sparmaßnahmen kritisiert. Zuletzt war bekannt geworden, dass der ärztliche Vorstand der UMR, Christian Schmidt, vorübergehend von seiner Tätigkeit freigestellt wurde.

Das Land hatte als Reaktion auf den Brief zusätzliche zwei Millionen Euro für das laufende und fünf Millio­nen Euro für das kommende Jahr freigegeben. Außerdem werde das Land in den kommenden drei Jahren drei zusätzliche Stellen in der Kinder- und Jugendmedizin anteilig finanzieren, sagte Martin. Zudem soll ein Gutachten klären, inwiefern die Aufteilung in verschiedene Standort die UMR finanziell belastet.

„Die stationäre Versorgung von Kindern ist in Rostock zu keinem Zeitpunkt gefährdet gewesen oder ist gefährdet“, unterstrich Christian Junghanß, stellvertretender Ärztlicher Vorstand der UMR. Es sei aber ein Nachteil, dass sich die Versorgung auf das Klinikum Südstadt und den Campus der Uniklinik verteilt. Martin zeigte sich offen für das Konzept eines zentralen Eltern-Kind-Zentrums.

Grundsätzlich bemüht sich die UMR um eine Zentralisierung der Versorgung, wie die Leitung erklärte. 2019 war die UMR tief in rote Zahlen geraten. Für das vergangene Jahr rechne man zwar mit einem niedrigeren Defizit, wie Brodkorb erklärte. Man bewege sich aber im Bereich der Krankenversorgung immer noch im zweistelligen Millionenbereich.

Kinderärzte in Mecklenburg-Vorpommern warfen der Landesregierung unterdessen die Verantwortung für Probleme an der Kinderklinik der Universitätsmedizin Rostock (UMR) vor. „Der Niedergang der Uni­versi­tätskinderklinik hat ja schon vor vielen Jahren begonnen“, sagte Andreas Michel, Landesverbands­vorsitzender des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). Die Universitätskinderklinik sei nicht mehr arbeitsfähig.

Statt sich nachhaltig um die medizinische Versorgung von Kindern und Jugendlichen im Land zu kümmern, habe man sich publikumswirksam einzelnen Brandherden gewidmet – etwa der Geburten­station in Crivitz. In Rostock habe man Ärzte durch schlechte Arbeitsbedingungen vergrault, was auch mit den Sparmaßnahmen zu tun habe, so Michel. Es gebe etwa niemanden mehr, der einen Herzultra­schall machen könne bei einem Kind. „Das ist für eine Universitätsklinik unzumutbar.“

Pädiatrie habe es ohnehin schwer, sich zu refinanzieren. Etwa weil Kapazitäten vorgehalten werden müssten, die nur zur bestimmten Jahreszeiten ausgelastet werden, wenn Kinder krank sind. In MV komme erschwerend hinzu, dass es auf die Fläche gesehen hier vergleichsweise weniger Kinder gebe. In Rostock habe man die Geburtsstation und die Neonatologie an der UMR geschlossen. Diese Einrich­tungen tragen in anderen Kinderkliniken zur Querfinanzierung bei.

Die Pädiatrie im Land könne sich allein über die Fallpauschale nicht refinanzieren, betonte Michel. Es handele sich aber um Daseinsvorsorge, die gewährleistet werden müsse. „Dafür hat das Land keine Lösung gefunden.“ © dpa/aerzteblatt.de

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