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Politik

Neues Pandemie­frühwarnzentrum der WHO in Berlin eröffnet

Mittwoch, 1. September 2021

Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und Bundeskanzlerin Angela Merkel /picture alliance, ASSOCIATED PRESS, Michael Sohn

Berlin – Potenziell tödliche neue Erreger sollen künftig viel früher als bei der Coronapandemie entdeckt werden. Dafür ist heute in Berlin ein neues Pandemiefrühwarnzentrum der Weltgesundheits­organisation (WHO) eingeweiht worden. Es soll künftig schon vor dem Beginn einer Pandemie Alarm schlagen. Regierungen wären dann in der Lage, Maßnahmen zu ergreifen, bevor ein Virus sich in der ganzen Welt ausbreitet.

„Wir wollen besser gewappnet sein bei künftigen Epidemien und Pandemien“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die gemeinsam mit WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus ein zeremonielles Band zum Start des sogenannten „WHO Hub for Pandemic and Epidemic Intelligence“ durchschnitt. Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) nahmen an der Eröffnung teil.

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In dem neuen Zentrum sollen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter anderem mithilfe von künstlicher Intelligenz Daten von Regierungen und wissenschaftlichen Instituten aus aller Welt auswerten. Dabei soll der Fokus nicht mehr nur auf Gesundheitsinformationen liegen sondern disziplinübergreifend auch analysiert werden, welchen Einfluss Tiergesundheit, Klimawandelfolgen oder Bevölkerungsverschiebungen auf die mögliche Entstehung einer Pandemie haben könnten. Die Forschenden sollen basieren darauf Modelle entwickeln, damit Risiken frühzeitig erkannt und besser eingeschätzt werden können.

Das Zentrum ist zunächst bei einem seiner Kooperationspartner, der Universitätsklinik Charité, angesiedelt, soll aber noch in diesem Jahr auf einen eigenen Campus in Kreuzberg ziehen. Direktor wird der in Deutschland geborene nigerianische Epidemiologe Chikwe Ihekweazu, der bislang die nigerianische Gesundheitsbehörde leitete. Die Vision für das Zentrum sei kühn, sagte Ihekweazu, und zitierte ein Sprichwort: „Dinge scheinen unmöglich, bis man sie tut.“

Die deutsche Hauptstadt sei der ideale Standort für das neue Zentrum, wie alle Teilnehmer betonten. So sei in Berlin und Umgebung bereits viel Expertise vorhanden, etwa mit der Charité, dem Robert-Koch-Institut sowie dem Hasso-Plattner-Institut für Digital Engineering in Potsdam und dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, wie die Kanzlerin erklärte.

Zum anderen sei Deutschland mittlerweile der größte Beitragszahler der WHO, so Tedros. Die Bundes­republik trägt nach aktuellen Zahlen gut ein Viertel zum laufenden Zweijahresbudget bei. Berlin hat nach Angaben von Bundesgesundheitsminister Spahn 30 Millionen Euro pro Jahr für das Zentrum zugesagt.

Der Erfolg des Zentrums hänge aber nicht nur von den finanziellen Beiträgen sondern auch von der Kooperationsbereitschaft der WHO-Mitglieder ab, erklärte Spahn. Ohne verlässliche Daten aus aller Welt, könne auch das neue Zentrum keine umfassenden Ergebnisse liefern. Er rief vor allem China dazu auf, sich kooperationsbereit zu zeigen und internationalen Experten vollen Zugang zu allen Informationen rund um die Entstehung von SARS-CoV-2 zu ermöglichen.

Bislang hält die chinesische Regierung wichtige Daten über die ersten bekannten Coronapatienten unter Verschluss. Als Grund gibt Peking den Persönlichkeitsschutz der Patienten an, wie internationale Mitglieder der WHO-Delegation berichteten. Dabei könnten die Daten nach den Angaben zufolge auch anonymisiert aufbereitet werden. Spahn erklärte, dass es bei der geplanten Neustrukturierung der WHO auch die Möglichkeit geben solle, mangelnde Kooperationsbereitschaft nötigenfalls zu sanktionieren.

Bislang unterhalten neben der WHO auch die UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) und die Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) Datenbanken, in die Regierungen auf freiwilliger Basis Informationen einspeisen. Hinweise auf die Corona-Pandemie wurden damit aber nicht früh genug entdeckt.

Die weltweite Allianz „Koalition für Innovationen in der Epidemievorbeugung“ (CEPI) lobte den deutschen Beitrag zur globalen Gesundheit. Berlin ist auch größter Geber bei CEPI. Merkel habe Deutschland zu einer treibenden Kraft im Bereich der globalen Gesundheit und der internationalen Zusammenarbeit gemacht, „wofür die Welt sehr dankbar sein kann“, sagte CEPI-Chef Richard Hatchett.

Auch WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus nutzte am Mittwoch die Gelegenheit, Merkel zum Ende ihrer Kanzlerschaft für ihren und Deutschlands Beitrag zur Förderung der globalen Gesundheit zu danken. „Eine Frau, die sagt, was sie meint, und meint, was sie sagt“, lobte Tedros.

In Videobotschaften dankten mehrere Persönlichkeiten Merkel für ihre Führungsstärke im Bereich Global Health, darunter António Guterres, Generalsekretär der Vereinten Nationen sowie Melinda Gates, deren mit ihrem Ex-Mann Bill gegründete Stiftung zu den größten Förderern der WHO zählt. Im Anschluss verlieh Tedros Merkel den WHO Global Leadership Award, eine goldene Medaille, die die Kanzlerin aber nach wenigen Sekunden wieder abnahm, um selbst ans Rednerpult zu treten. © dpa/alir/aerzteblatt.de

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