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Medizin

Delta-Variante: Ungeimpfter Lehrer nimmt Mundschutz ab und infiziert die Hälfte der Schulklasse

Montag, 30. August 2021

/picture alliance, PAP, Tytus Zmijewski

San Rafael/Kalifornien – Ein Ausbruch an einer kleineren Schule in einer ländlichen Gegend in Kalifor­nien illustriert, wie rasch sich die Delta-Variante auch vor dem Hintergrund einer hohen Impfquote und trotz Maske und Luftfiltern in den Klassenräumen ausbreiten kann. Laut dem Bericht im Morbidity and Mortality Weekly Report (MMWR 2021; DOI: 10.15585/mmwr.mm7035e2) hat ein ungeimpfter Lehrer dort 26 Schüler und Kollegen infiziert.

Der Marin County im Speckgürtel von San Francisco (mit einem Pro-Kopf-Einkommen von mehr als 91.000 US-Dollar der fünftreichste County in den USA) hat eine hohe Impfquote. In der nicht näher identifizier­ten Ortschaft waren zur Zeit des Ausbruchs 72 % der Impfberechtigten vollständig geimpft.

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Der Lehrer (oder die Lehrerin) einer Grundschulklasse gehörte wie seine Schüler nicht dazu. Der Lehrer hatte am 19. Mai erste Symptome gehabt, aber dennoch 2 weitere Tage unterrichtet, bevor er sich am 21. Mai testen ließ.

Während dieser Zeit hatte er wenigstens einmal im Unterricht seinen Mundschutz abgenommen, um den Kindern laut vorzulesen. Am 23. Mai kam es zu weiteren Erkrankungen unter Schülern, Lehrern, Eltern und Geschwistern. Die Gesundheitsbehörde des Countys leitete am 26. Mai eine Untersuchung ein, bei der auch die Genome von SARS-CoV-2 einzelner positiver Abstriche sequenziert wurden.

In der Klasse des Lehrers befanden sich 24 Schüler, von denen 22 getestet wurden. Alle waren unge­impft, weil sie unter der Altersgrenze lagen. Insgesamt 12 Kinder waren positiv. Von den 10 Kindern der vorderen beiden Tischreihen waren 8 infiziert (80 %).

Nur 1 Kind wurde negativ getestet (das 10. Kind war nicht getestet worden). In den 3 hinteren Reihen hatten sich 4 von 14 Kindern (28 %) infiziert. Insgesamt hatte der Lehrer, möglicherweise weil er beim Vorlesen die Maske abgenommen hatte, 22 Kinder (55 %), also mehr als jedes zweite Kind in der Klasse infiziert.

Zwischen dem 24. Mai und dem 1. Juni wurden in einer anderen Klasse 6 von 18 Schülern, die ebenfalls noch zu jung für eine Impfung waren, positiv getestet. Hinzu kamen noch einmal 8 Infektionen bei Eltern und Geschwistern der Schüler aus den beiden Klassen. Unter diesen zusätzlichen Fällen waren 3 Perso­nen, die vollständig geimpft waren, also eine Durchbruchinfektion erlitten hatten. Der Lehrer, der den Ausbruch verursacht hatte, begab sich am 23. Mai nach Eintreffen des PCR-Testergebnisses in Quaran­täne.

Zur Epidemie kam es, obwohl an der Schule für Schüler und Lehrer eine Maskenpflicht bestand (an die sich die Kinder nach Aussagen der Eltern auch hielten). Die Kinder hatten in den Klassenräumen an Einzeltischen gesessen, die vorschriftsmäßig in einem Abstand von 6 Fuß (1,82 m) standen. Alle Klassenräume der Schule verfügten über mobile Luftfilter und die Fenster wurden offen gelassen.

Tracy Lam-Hine vom Marin County Department of Public Health in San Rafael/Kalifornien und Mitarbei­ter veranlassten, dass alle Kinder und das gesamte Personal getestet wurden sowie die Eltern und Ge­schwister der infizierten Kinder. Alle Infizierten wurden für 10 Tage isoliert, alle Kontaktpersonen aus der Schule oder dem persönlichen Umfeld wurden in häusliche Quarantäne geschickt. Die beiden Klassen­räume wurden desinfiziert und für eine Woche geschlossen.

Von den insgesamt 27 Infizierten berichteten 22 (81 %) über Symptome. Am häufigsten waren Fieber (41 %), Husten (33 %), Kopfschmerzen (26 %) und Halsschmerzen (26 %). Die Behörden ließen in 18 Isolaten das Genom von SARS-CoV-2 komplett sequenzieren.

In allen Isolaten wurde die Variante B.1.617.2 (Delta) gefunden: 11 Isolate hatten die identische Gense­quenz, bei den 7 anderen wurde eine einzelne Mutation gefunden. Die Genomsequenzierung war des­halb nur eine geringe Hilfe bei der phylogenetischen Analyse. Daran, dass der Lehrer die Hälfte der Klasse mit der Delta-Variante infizierte, dürfte jedoch kein Zweifel bestehen. © rme/aerzteblatt.de

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