NewsVermischtesStudie offenbart hohe Prävalenz sexuellen Fehlverhaltens durch Gesundheits­fachkräfte
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Vermischtes

Studie offenbart hohe Prävalenz sexuellen Fehlverhaltens durch Gesundheits­fachkräfte

Dienstag, 31. August 2021

/dpa, Jens Wolf

Ulm/Mainz/Leipzig – Grenzüberschreitungen und sexuelle Übergriffe durch Angehörige der Heilberufe sind auch in Deutschland ein Problem. In einer ersten repräsentativen Beobachtungsstudie berichteten bis zu 4,5 Prozent der 2.503 Befragten über professionelles sexuelles Fehlverhalten (PSM), Täter waren meist Ärzte. Die Ergebnisse sind in Epidemiology and Psychiatric Sciences erschienen (2021; DOI: 10.1017/S2045796021000378).

56 (4,5 Prozent) der Teilnehmerinnen und 17 (1,4 Prozent) der Teilnehmer haben eigenen Angaben zu­folge bereits Erfahrungen mit PSM durch medizinische Fachkräfte gemacht. Über sexuelle Kontakte be­richteten 28 weibliche und zehn männliche Teilnehmer. Ein Drittel der sexuellen Kontakte betraf Ju­gendli­che vor ihrem 18. Lebensjahr. Ebenfalls ein Drittel gab an, dass die sexuellen Übergriffe gegen ihren Willen stattfanden.

Anzeige

40 (3,2 Prozent) weibliche und acht (0,6 Prozent) männliche Teilnehmer berichteten über unnötige kör­per­liche Untersuchungen, 31 weibliche und sieben männliche Teilnehmer fühlten sich sexuell belästigt. Die Mehrzahl der sexuellen Übergriffe fand im ambulanten Bereich statt. Die meisten Täter waren männlich.

Als Täter von PSM nannten die Befragten meist Ärzte: 13 (36 Prozent) berichteten über sexuelle Kontakte mit Ärzten, 14 über sexuelle Belästigung, 27 (60 Prozent) über unnötige körperliche Untersuchungen. Krankenpflegekräfte nannten acht (22 Prozent) der Betroffenen als Täter und sieben (19 Prozent) Psycho­therapeu­ten. Die Rücklaufquote der 5.668 angefragten Haushalte lag unter 50 Prozent.

Die Studienautoren weisen auf eine Studie aus dem Jahr 2010 hin, die zeigen konnte, dass Menschen, die sexuelles Fehlverhalten erfahren, dies häufig aufgrund von Schuldgefühlen, Scham, Angst und Ohnmacht nicht offenbaren können.

Machtgefälle begünstigt sexuelle Übergriffe

Starke Hierarchien und von Intimität geprägte Beziehungen, wie in der Arzt-Patienten-Beziehung be­güns­tigen sexuelle Grenzverletzungen (National Academies of Sciences and Medicine 2018). Die Ausnut­zung von Machtgefällen wird jedoch oft nicht als solche verstanden - vor allem von der Person, die die Machtposition innehat. Gleichzeitig würde die Verletzlichkeit des anderen oft als freiwilliges Handeln missverstanden, erläutern Autoren aus Canada in einer Studie aus dem Jahr 2020.

Seit der Gründung von #MeToo (2017) und der größeren MeToo-Bewegung, die 2006 von der amerikani­schen Aktivistin Tarana Burke ins Leben gerufen wurde, berichten Millionen von Menschen online von sexuellen Übergriffen und sexuellem Missbrauch.

Als Folge haben auch Studien zur sexuellen Belästigung von Fachkräften im Gesundheitswesen, etwa durch Vorgesetzte, Kollegen oder Patienten, zugenommen. Eine systematische Untersuchung von PSM gegenüber Patienten fehlte bisher jedoch.

Die Autoren der aktuellen Studie sprechen sich für mehr Präventionsmaßnahmen zur Sensibilisierung für PSM aus. Konzepte zum Schutz von Patienten seien erforderlich. © gie/aerzteblatt.de

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.
LNS
VG WortLNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER