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Ärzteschaft

Coronapandemie: Kinder sollten stärker in den Fokus genommen werden

Dienstag, 31. August 2021

/Halfpoint, stock.adobe.com

Münster – Im Zusammenhang mit der Coronapandemie sollte der Umgang mit Kindern verstärkt in den Fokus genommen werden. Dafür hat sich Hans-Albert Gehle, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, gestern im Rahmen eines Pressegespräches ausgesprochen.

Kindern und Jugendlichen habe man „viel abverlangt“, so Gehle. Nun gelte es, Konzepte umzusetzen, die „mehr möglich machen“. Insbesondere dürfe es keine Schulschließungen mehr geben. Bei Infektions­fällen innerhalb einzelner Klassen sei ein kommunal einheitlicheres Vorgehen sinnvoll.

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Zudem sei es gut anderthalb Jahre nach dem Beginn der Pandemie an der Zeit „zu sortieren und Fakten zu sammeln“. Gehle verwies in diesem Zusammenhang auf eine Zusammenarbeit der Ärztekammer mit dem Universitätsklinikum Münster. In diesem Rahmen sollen unter anderem gesicherte Kenntnisse zur Viruslast und Infektiosität von Kindern gewonnen werden.

Der Vizepräsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Klaus Reinhardt, sprach in Bezug auf die Corona­eindämmungsmaßnahmen von einer nach wie vor „schwierigen Balance“ – allerdings hätten sich die Verhältnisse im Vergleich zu den ersten Coronawellen geändert. Man verfüge über mehr Wissen und vor allem wirksame Impfstoffe. Um einen Beitrag zu mehr Normalität für Kinder zu leisten, seien Erwachsene aufgerufen, sich impfen zu lassen.

Auch Gehle thematisierte die „hoffentlich noch steigende“ Impfquote. Zum Thema Impfen, aber auch zum allgemeinen Umgang mit Infektionsschutzmaßnahmen, sei die Aufklärungs- und Informationspolitik kri­tikwürdig. Insbesondere in Bevölkerungsgruppen mit Migrationshintergrund müssten die entsprechen­den settingspezifischen Ansätze gestärkt werden.

Sowohl Reinhardt als auch Gehle begrüßten Initiativen, Coronageimpften bestimmte soziale Aktivitäten zu erleichtern. Dies könne, so Reinhardt, ein „Anschubsen“ der Impfmotivation bewirken.

Nachhaltige Krankenhausplanung gefordert

Bereits auf dem 14. Westfälischen Ärztetag in Münster am 27. August hatte Gehle darauf hingewiesen, dass eine moderne und erfolgreiche Krankenhausplanung zweierlei voraussetze: Eine nachhaltige Kran­kenhausinvestitionsfinanzierung und eine „längst überfällige Reform“ des Systems der diagnosebe­zoge­­nen Fallpauschalen (DRG).

Er hoffe, so Gehle im Rahmen des Pressegespräches, dass der von der nordrhein-westfälischen Regierung gewählte Ansatz zur künftigen Gestaltung der Krankenhauslandschaft greife. Die Richtung stimme – nun dürfe die Initiative nicht „politisch zerstört“ werden.

Ein „großes Loch“ drohe absehbar beim ärztlichen Personal, warnte Gehle. Dies resultiere aus demograf­ischen Effekten, einer sinkender ärztlichen Arbeitszeit pro Kopf sowie zu wenig Studienplätzen. An die Politik gehe deshalb der eindringliche Appell, endlich mehr Medizinstudienplätze zu schaffen.

Es könne auf Dauer keine Lösung sein, Kolleginnen und Kollegen aus anderen Ländern zu holen, die dann in ihrem Heimatland in der Patientenversorgung fehlen, während hierzulande Abiturienten selbst mit sehr guten Abschlüssen jahrelang auf einen Studienplatz warten müssen.

Reinhardt, der auch Präsident der Bundesärztekammer (BÄK) ist, forderte ebenfalls nachdrücklich ent­sprechendes politisches Engagement. Von den zu erwartenden Folgen des „erheblichen Abflusses“ an ärztlichen Kräften in den kommenden Jahren machten sich Gesellschaft und Politik noch keine ausrei­chende Vorstellung – hierzu müssten aber viele Fragen beantwortet werden.

Dies betreffe, neben einem Ausbau der Medizinstudienplätze, Aspekte eines verbesserten Zusammenwir­kens der im Gesundheitsbereich tätigen Berufsgruppen, eines sinnvollen Strukturwandels im Kranken­haus­bereich sowie der Stärkung sektorenübergreifender Versorgungsmodelle.

Für Gehle stellt sich dabei die Frage nach Substitution nicht, da der Kern ärztlicher Tätigkeit nicht substi­tuierbar sei. Allerdings habe man bislang die Möglichkeiten der Delegation nicht ausgereizt. Um dies zu fördern, solle die Qualifikation beziehungsweise Zusatzqualifikation bestimmter Berufsgruppen klarer geregelt werden.

Von einem „intelligenten System der Verantwortungsteilung“ sprach Reinhardt – dies erfordere eine klar erkennbare Systematik sowie „verlässliche Strukturen“ zur Zertifizierung der jeweiligen (Zusatz-)Qualifika­tionen.

Im Rahmen des Westfälischen Ärztetages hatten sich die Kassenärztliche Vereinigung und die Ärzte­kammer Westfalen-Lippe für eine intensivere Zusammenarbeit aller medizinischen Berufe ausgespro­chen. Hierzu richten KVWL und ÄKWL Forderungen an die Entscheidungsträger auf Bundesebene.

Grundlage einer professionsübergreifenden Zusammenarbeit in Behandlungsteams müsse eine klare De­finition der allein den Ärztinnen und Ärzten vorbehaltenen Tätigkeiten sein. Dazu fordere man die BÄK und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) auf.

Die Möglichkeiten zur Delegation und zur selbständigen Mitbehandlung durch Gesundheitsberufe müssten erweitert und fortgeschrieben werden – hier sei der GKV-Spitzenverband und die KBV gefragt.

Der Gesetzgeber solle gesetzliche Regelungen zur Verantwortung und Haftung für die eigenverant­wort­lichen Tätigkeiten der Gesundheitsberufe geben. Die ÄKWL und die KVWL selbst würden an Modellpro­jekten für mehr Delegation und professionsübergreifende Zusammenarbeit arbeiten. © aha/aerzteblatt.de

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