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Medizin

COVID-19: Pandemie hat Zahl der Organtransplan­tationen weltweit gesenkt

Dienstag, 31. August 2021

/gpointstudio, stock.adobe.com

Paris – Die Zahl der Organtransplantationen ist im vergangenen Jahr vor allem während der ersten Welle der Pandemie deutlich zurückgegangen. Eine Studie in Lancet Public Health (2021; DOI: 10.1016/S2468-2667) ermittelt erhebliche Unterschiede zwischen den untersuchten 22 Ländern. Deutschland scheint dabei mehr unter dem anhaltenden Rückgang der Spenderorgane zu leiden, in anderen Ländern ist es trotz geringer Zahlen von Infizierten zu einem schweren Einbruch gekommen.

Eine Organtransplantation stellt hohe medizinische und organisatorische Anforderungen an das Ge­sundheitswesen. Bei postmortalen Organspenden muss ein enges Zeitfenster zwischen der Entnahme und der Transplantation eingehalten werden, was nur bei einer engen Kooperation der Kliniken möglich ist. Bei Lebendspenden hat die Gesundheit des Spenders oberste Priorität, was bei hohen COVID-19-Fallzahlen in einer Klinik schwerfallen kann.

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Vor diesem Hintergrund musste während der Pandemie mit einem Rückgang der Organtransplantationen gerechnet werden. Ein Team um Alexandre Loupy vom „Paris Translational Research Center for Organ Transplantation“ hat jetzt die Erfahrungen aus 22 Ländern im ersten Jahr der Pandemie zusammenge­fasst. Berücksichtigt wurden alle Transplantationen ab dem 100. bestätigten COVID-19-Fall in dem jeweiligen Land bis zum 31. Dezember.

Insgesamt kam es in den 22 Ländern zu einem Rückgang der Organtransplantationen um 15,9 %, wobei Nierentransplantationen (minus 19,1 %) am stärksten betroffen waren vor Lebertransplantationen (minus 10,6 %), Lungentransplantationen (minus 15,5 %) und Herztransplantationen (minus 5,4 %).

Die Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern waren beträchtlich. In Japan (minus 66,7 %), Argen­tinien (minus 60,9 %) und Chile (minus 54,0 %) brach das Transplantationsprogramm weitgehehend zu­sammen, obwohl die COVID-19-Zahlen in diesen Ländern relativ gering waren. In Argentinien und Chile setzte der Rückgang sogar bereits vor dem 100. bestätigten COVID-19-Fall ein.

Andere Länder konnten ihr Transplantationsvolumen trotz einer hohen Zahl von COVID-19-Todesfällen relativ gut halten. In Belgien gingen die Transplantationen nur um 22,5 % und in Italien nur um 16,2 % zurück. In den USA hat die COVID-19-Pandemie kaum Auswirkungen auf die Transplantationszahlen gehabt (minus 4,1 %). Auch die Schweiz (minus 1,3 %) blieb weitgehend unbehelligt. Slowenien konnte sein Transplantationsprogramm sogar noch ausweiten (plus 8,4 %).

In Deutschland ging die Zahl der Transplantationen um 10,5 % zurück. Am stärksten betroffen waren hierzulande die Nierentransplantationen (minus 13,2 %) und die Lungentransplantationen (minus 11,3 %), während die Zahlen bei den Lebertransplantationen (minus 6,5 %) und den Herztransplantationen (minus 3,4 %) weniger stark sanken. Der Rückgang in Deutschland dürfte zudem nicht allein auf die Pandemie zurückzuführen sein. Der seit einem Jahrzehnt zunehmende Mangel an Spenderorganen könnte ebenfalls eine Rolle spielen.

Dass der Rückgang bei den Nierentransplantationen am größten war, dürfte darauf zurückzuführen sein, dass die Transplantation nicht unmittelbar lebensnotwendig ist. Die Dialyse macht eine Verschiebung auf einen späteren Zeitpunkt möglich. Zudem scheint der Schutz der Lebendspender eine Rolle gespielt zu haben. Der Rückgang der Lebendspenden betrug bei den Nieren 40,2 % und bei den Lebertransplantatio­nen 32,5 %. Er war höher als bei der Transplantation von postmortalen Organspenden. Dort gingen die Nierentransplantationen um 11,9 %, die Lebertransplantationen um 9,3 %, die Lungentransplantationen um 16,6 % und die Herztransplantationen um 5,5 % zurück.

Die größten Einbrüche bei den Transplantationen gab es im Frühjahr während der ersten Welle. Loupy gibt den Rückgang mit 31 % an. Im Sommer stiegen in den meisten Ländern die Transplantationszahlen, im Winter kam es zu einem erneuten Einbruch, dessen Ausmaß die Studie wegen der zeitlichen Begrenzung auf das Jahr 2020 noch nicht beziffern kann.

Nach den Berechnungen von Loupy haben alle Patienten, die aufgrund der Pandemie keine Niere er­hal­ten haben und deshalb zusätzlich auf der Warteliste standen, zusammen 37.664 Lebensjahre verloren. Durch den Rückgang der Lebertransplantationen gingen 7.370 Lebensjahre verloren, bei den Lungen­transplantationen waren es 1.799 Jahre und bei den Herztransplantationen 48.239 verlorene Lebens­jahre. © rme/aerzteblatt.de

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