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Medizin

SARS-CoV-2: Durchbruch­infektionen verlaufen meistens milde und seltener mit Long COVID

Donnerstag, 2. September 2021

/science photo, stockadobecom

London – Unter den seltenen Durchbruchinfektionen, die britische Nutzer einer Corona-App angaben, überwogen milde und asymptomatische Verläufe. Der Anteil der Patienten, bei denen es zum Long COVID kam, war laut der Publikation in Lancet Infectious Diseases (2021; DOI: 10.1016/S1473-3099) nur halb so hoch wie bei einer Erkrankung von Nichtgeimpften.

Keiner der zugelassenen Impfstoffe erzielte in den klinischen Studien eine hundertprozentige Schutz­wirkung. Es musste deshalb mit Durchbruchinfektionen gerechnet werden.

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Von den 1,24 Mio. Nutzern der Corona-App, die das King’s College London zusammen mit der Firma Zoe entwickelt hat, gaben 6.030 (0,5 %) an, sich trotz einer ersten Dosis der in Großbritannien zugelassenen Impfstoffe (BNT162b2 von Biontech/Pfizer, mRNA-1273 von Moderna und ChAdOx1 von AstraZeneca/Ox­ford) mit SARS-CoV-2 infiziert zu haben.

Unter den 0,98 Mio. Usern, die auch die 2. Dosis erhalten hatten, gab es 2.370 Durchbruchinfektionen (0,2 %). Die tatsächliche Zahl dürfte höher liegen, da BNT162b2 und mRNA-1273 eine Impfstoffwirksam­keit von 95 % erreichen, bei ChAdOx1 betrug sie nur etwa 70 %.

Die User waren gebeten worden, im Fall einer Erkrankung möglichst täglich ihre Symptome in die App einzugeben. Ein Team um Claire Steves vom King’s College London konnte deshalb den Schweregrad der Erkrankung bei Durchbruchinfektionen und bei ungeimpften Personen vergleichen.

Die Analyse ergab, dass Durchbruchinfektionen deutlich häufiger asymptomatisch verlaufen (Odds Ratio 1,63 nach der ersten und 1,94 nach der zweiten Dosis), wobei Senioren (über 60 Jahre) häufiger von Symptomen frei blieben (Odds Ratio 2,06 nach der ersten und 2,34 nach der zweiten Dosis) als jüngere Erwachsene (Odds Ratio 1,36 nach der ersten und 1,49 nach der zweiten Dosis).

Auch die Zahl der schweren Verläufe, die zu einer Hospitalisierung führten, waren seltener. Die Odds Ratios für die 1. und 2. Impfung betrugen 0,31 und 0,27, also ein um 69 % beziehungsweise 73 % vermindertes Risiko gegenüber einer Infektion bei Ungeimpften. Auch hier fiel die Schutzwirkung bei Senioren (Odds Ratios 0,24 und 0,15) deutlicher aus als bei den Jüngeren (Odds Ratios 0,43 und 0,57).

Die Forscher haben auch den Einfluss auf Post-Covid-Symptome untersucht. Der Anteil der Personen, die auch 28 Tage nach dem positiven PCR-Test noch über Symptome klagten, war nach der 2. Dosis um etwa die Hälfte niedriger (Odds Ratio insgesamt 0,51, bei den Senioren 0,56 und bei den Jüngeren 0,37).

Die User hatten bei der Anmeldung einige Informationen zur Person (Alter, Geschlecht, ethnische Zuge­hörigkeit, Gewicht, Größe und Beschäftigung im Gesundheitswesen), zum Wohnort und zu gesundheitli­chen Risikofaktoren einschließlich Komorbiditäten, Lebensstil, Gebrechlichkeit, Krankenhausbesuche und Einhaltung des Maskentragens eingegeben. Die Forscher haben untersucht, welcher dieser Faktoren das Risiko auf eine Durchbruchinfektion erhöht.

Für die Senioren bestand ein erhöhtes Risiko auf eine Infektion, wenn sie nur 1 Dosis erhalten hatten und unter Nierenerkrankungen (Odds Ratio 1,95), Herzerkrankungen (Odds Ratio 1,30) oder Lungener­kran­kungen (Odds Ratio 1,27) litten. Die Ergebnisse sollten nach Ansicht von Steves mit Vorsicht inter­pretiert werden, weil relativ wenige Menschen mit chronischen Erkrankungen die Zoe-App benutzten.

Bei einer Gebrechlichkeit war das Risiko ebenfalls erhöht, allerdings ebenfalls nur nach der 1. Dosis (Odds Ratio 1,93). Das erhöhte Risiko könnte laut Steves auf den vermehrten Kontakt mit Betreuern oder auf eine Immunseneszenz zurückzuführen sein.

Ein Body-Mass-Index von unter 30 kg/m2 hatte eine gewisse Schutzwirkung (Odds Ratio 0,84; 0,75 bis 0,94): Die Abwesenheit einer Adipositas senkt das Risiko auf eine Durchbruchinfektion um 16 %. Ein erhöhtes Risiko bestand auch in ärmeren Wohngegenden (Odds Ratio 1,11). Hier könnte eine höhere Wohndichte und eine höherer Anteil ethnischen Minderheiten eine Rolle gespielt haben, vermutet Steves.

Insgesamt sind die Ergebnisse der Studie ermutigend. Sie bestätigt den Eindruck aus den klinischen Studien, nach denen Erkrankungen bei Geimpften in den meisten Fällen relativ milde verlaufen, auch wenn es keine Garantie vor schweren Komplikationen gibt. © rme/aerzteblatt.de

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