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Medizin

Antibiotikaeinsatz: Studie untersucht Ausmaß von Zoonosen

Freitag, 3. September 2021

/JackF, stock.adobe.com

Berlin – Der Einsatz von Antibiotika bei Menschen sowie bei Nutz- und Haustieren führt zur Verbreitung multiresistenter Erreger (MRE). Ein Beitrag in der aktuellen Ausgabe des Deutschen Ärzteblattes (DOI: 10.3238/arztebl.m2021.0184) untersucht das Ausmaß der MRE-Verbreitung und geht der Frage nach, in welchem Umfang Zoonosen, also Übertragungen von Tieren auf Menschen, daran beteiligt sind.

Im Fokus der Untersuchung stehen die drei gramnegativen multiresistenten Erreger, Extended-Spek­trum-β-Laktamase- (ESBL-E) und Carbapenemase-produzierende (CPE) Enterobakterien sowie Colistin-resistente Enterobakterien (Col-E), die zunehmend in der Human- und Veterinärmedizin beschrieben werden.

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ESBL-E sind in Deutschland sowohl beim Menschen als auch bei Tieren häufig vorzufinden; die Besied­lungsrate in der Allgemeinbevölkerung beträgt 6-10 Prozent. Metaanalysen zeigen eine Übersterblichkeit von Patienten mit ESBL-E-Infektionen (1,85-fach) im Vergleich zu Patienten, die mit nichtmultiresisten­ten Varianten desselben Erregers infiziert sind. Insofern kommt der Klärung möglicher zoonotischer Übertragungswege große Bedeutung zu.

Daten aus den Niederlanden zeigen, dass die meisten ESBL-E-Besiedlungen beim Menschen (67 %) in der Allgemeinbevölkerung auf Mensch-zu-Mensch-Übertragungen zurückzuführen sind. Einen Anteil von 19 Prozent der Besiedlungen führt man dort allerdings bereits auf Lebensmittel tierischen Ursprungs zu­rück, während 12 Prozent durch direkten Kontakt zu Haus- und Nutztieren verursacht werden. Auch wenn diese Daten nicht einfach auf Deutschland übertragen werden können, zeigen sie doch die Bedeutung der Kontrolle zoonotischer Quellen.

Für CPE liegen in Deutschland keine Hinweise dafür vor, dass zoonotische Quellen für einen relevanten Anteil in der Bevölkerung respektive bei Patienten verantwortlich sind. Colistin wird hierzulande insbe­sondere in der Tierzucht eingesetzt. Eine zoonotische Übertragung resistenter Erreger auf den Menschen scheint eher selten.

Allerdings unterscheiden sich die Prävalenzen multiresistenter Erreger und die Antibiotikaverbräuche insbesondere in der Lebensmittelproduktion weltweit von Land zu Land teilweise beträchtlich. Und so weisen die Autoren auf Fernreisen als Risikofaktor für den Erwerb von multiresistenten gramnegativen Erregern hin. © tg/aerzteblatt.de

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