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Medizin

Long COVID: Viele Teenager haben nach 3 Monaten noch Symptome

Freitag, 3. September 2021

/Dzmitry, stock.adobe.com

London – In einer landesweiten Befragung der Gesundheitsbehörde Public Health London gaben Jugend­liche 3 Monate nach einem positiven PCR-Test auf SARS-CoV-2 zu 14 % häufiger 3 oder mehr gesund­heitliche Beschwerden an als eine Kontrollgruppe, bei denen der Test negativ ausgefallen war. Die häu­figsten möglichen Post-COVID-Symptome waren laut dem Preprint Müdigkeit, Kurzatmigkeit und Kopf­schmerzen.

Infektionen mit SARS-CoV-2 verlaufen bei Kindern und Jugendlichen meistens milde. Das bedeutet allerdings nicht, dass es niemals Symptome gibt. Von den 3.065 positiv getesteten Jugendlichen im Alter von 11 bis 17 Jahren, die einen Fragebogen von Public Health London zurückschickten, erinnerten sich 35,4 % daran, zum Zeitpunkt der Infektion mindestens 1 Symptom gehabt zu haben, insgesamt 30,6 % gaben 3 oder mehr Symptome an. In einer Kontrollgruppe von 3.739 negativ getesteten Kindern waren es 8,3 % und 6,2 % (die Ursache dürften andere Erkrankungen oder eine in diesem Alter nicht unge­wöhnliche Empfindsamkeit sein).

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Die Jugendlichen hatten den Fragebogen im Rahmen der „CLoCk“-Studie („Children and young people with Long COVID“) 3 Monate nach dem Test zugeschickt bekommen. Public Health London hatte ihn an alle 234.803 11- bis 17-Jährigen verschickt, bei denen zwischen September 2020 und März 2021 ein Test auf SARS-CoV-2 durchgeführt worden war. Die Rücklaufquote betrug damit 13,4 %.

Insgesamt 66,5 % der Test-Positiven und 53,4 % der Test-Negativen klagten über mindestens 1 Symptom, und 30,3 % der Test-Positiven und 16,2 % der Test-Negativen gaben mindestens 3 Symptome an.

Die Differenz könnte der Anteil der Kinder sein, die nach einer Infektion an Long COVID erkranken. Teren­ce Stephenson vom Great Ormond Street Institute und Mitarbeiter legen ihrer Definition mindestens 3 Symptome zugrunde und kommen auf 14 % der Teenager, die nach SARS-CoV-2 an Long-Covid erkrankt wären.

Die häufigsten Symptome waren Müdigkeit, Kurzatmigkeit und Kopfschmerzen und, über die nach 3 Mo­naten 36,6 %, 21,6 % und 21,5 % der Test-Positiven klagten gegenüber 22,9 %, 9,9 % und 13,4 % der Test-Negativen. Bei den Zahlen ist zu bedenken, dass es sich um subjektive Angaben der Befragten han­delt. Der Kurzatmigkeit muss (vor allem bei den Test-Negativen) nicht unbedingt eine objektive Störung der Lungenfunktion zugrunde liegen.

Die Auswirkungen auf das psychische Wohlbefinden waren offenbar gering. In 2 Standardfragebögen („Strengths and Diffulties Questionnaire“ und „Warwick Edinburgh Mental Wellbeing Scale“) erzielten die Test-Positiven nach 3 Monaten keine schlechteren Ergebnisse als die Test-Negativen.

Auch im „Chalder Fatigue Questionnaire“, der die Abgeschlagenheit misst, gab es keine größeren Unter­schiede. Auffallend ist, dass in einem Fragebogen auch 40 % der Test-Negativen angaben, sich besorgt, traurig oder unglücklich zu fühlen. Auch wenn die Pubertät und Jugend häufig eine psychisch belastende Lebensphase ist, ist dies ein hoher Anteil, der darauf hindeutet, dass die Pandemie die Lebensqualität aller Jugendlichen stark beeinträchtigt.

Ein wichtiger Einwand gegen die Zahlen ergibt sich aus der niedrigen Rücklaufquote von 13,4 %. Es ist möglich, dass bevorzugt Teenager geantwortet haben, die unter Residualsymptomen von SARS-CoV-2 leiden. Im Extremfall – wenn nur symptomatische Teenager geantwortet hätten – würden nur etwa 1,2 % (13,4 % von 14 %) unter einem Long COVID leiden. Die echte Prävalenz dürfte zwischen den beiden Zahlen liegen. © rme/aerzteblatt.de

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