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Fachverlage zur Klimakrise: Eindringlicher Appell in 220 Magazinen

Montag, 6. September 2021

/parabolstudio, stock.adobe.com

London – Mehr als 220 Fachmagazine zu Medizin und Gesundheit haben die Staats- und Regierungschefs der Welt in einem gemeinsamen Leitartikel auf, den Klimanotstand ernstzunehmen und entsprechend zu handeln. Sofortmaßnahmen seien nötig, um die Gesellschaft umzugestalten, den Klimawandel einzu­grenzen, die Biodiversität wiederherzustellen und die öffentliche Gesundheit zu schützen.

„Wir, die Herausgeber von Gesundheitsjournalen, fordern die Regierungen und andere Verantwortliche zum Handeln auf und dazu, das Jahr 2021 als dasjenige zu markieren, in dem die Welt endlich ihren Kurs ändert“, heißt es in dem Leitartikel.

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Der Aufruf erscheint im Vorfeld der UN-Generalversammlung, einer der letzten internationalen Tagungen vor der Weltklimakonferenz (COP26), die im November in Glasgow stattfindet.

„Im Vorfeld dieser entscheidenden Treffen rufen wir – die Herausgeber von Gesundheitszeitschriften weltweit – zu Sofortmaßnahmen auf, um den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur unter 1,5 Grad zu halten, die Zerstörung der Natur zu stoppen und die Gesundheit zu schützen“, heißt es in dem Leitartikel.

Der Appell wird unter anderem in renommierten Journalen wie The Lancet (DOI: 10.1016/ S0140-6736(21)01915-2), The British Medical Journal und The New England Journal of Medicine sowie dem Chinese Science Bulletin und International Nursing Review veröffentlicht.

Schon lange machen Mediziner und Wissenschaftler darauf aufmerksam, dass Umweltzerstörung und globaler Temperaturanstieg gesundheitlichen Tribut fordern. Einer Studie zufolge, deren Ergebnisse im vergangenen Jahr in The Lancet veröffentlicht wurden, standen allein in Deutschland 2018 rund 20.200 Todesfälle bei über 65-Jährigen in Zusammenhang mit Hitze.

„Trotz der notwendigen Beschäftigung der Welt mit COVID-19 können wir nicht warten, bis die Pandemie vorüber ist, um die Emissionen rasch zu reduzieren“, betonen die Autoren des Appells. Hitzebedingte Sterblichkeit, gesundheitliche Folgen zerstörerischer Wetterereignisse und die fortschreitende Vernich­tung von für die menschliche Gesundheit wichtigen Ökosystemen seien nur einige der Auswirkungen, die aufgrund des Klimanotstands vermehrt beobachtet würden.

Sie beträfen in unverhältnismäßiger Weise die Schwächsten, darunter Kinder und ältere Menschen, eth­nische Minderheiten, ärmere Bevölkerungsgruppen und Menschen mit gesundheitlichen Vorbelastungen.

Darüber hinaus wirke sich der Klimanotstand auf Ernten weltweit und damit auf die Nahrungsmittel­sicherheit aus. Erst kürzlich hatte der UN-Hilfsfonds für landwirtschaftliche Entwicklung (IFAD) gemahnt, dass der Schutz der biologischen Vielfalt entscheidend für die Bekämpfung des globalen Hungers ist.

In dem gemeinsamen Aufruf wird betont, dass die Folgen der Umweltkrise ungerecht verteilt seien. „Wäh­rend Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen in der Vergangenheit weniger zum Klima­wandel beigetragen haben, tragen sie eine übermäßige Last der negativen Auswirkungen, auch auf die Gesundheit“, schreibt Lukoye Atwoli, Herausgeber des „East Africa Medical Journal“. „Wir fordern daher ge­rechte Beiträge, bei denen die wohlhabenderen Länder der Welt mehr tun, um die Auswirkungen ihres Handelns auf das Klima auszugleichen, und zwar ab jetzt und auch in Zukunft.“

Konkret müssten Industrienationen ihre Emissionen schneller senken „und zwar bis 2030 über die derzeit vorgeschlagenen Reduktionen hinaus und bis 2050 auf Netto-Null-Emissionen“, heißt es in dem Aufruf. Zudem sollten sich die wohlhabenderen Länder zu einer Erhöhung der Klimafinanzierung verpflichten sowie ihren entsprechenden ausstehenden Verpflichtungen nachkommen.

Die Anstrengungen, die schon jetzt unternommen würden, um Treibhausgase zu reduzieren und den An­teil erneuerbarer Energien zu erhöhen, seien zwar lobenswert, aber nicht genug. Vor allem würden die gesundheitlichen Folgen des Klimanotstands nicht hinreichend berücksichtigt. „Die Risiken des Klima­wandels könnten die einer jeden Krankheit in den Schatten stellen. Die COVID-19-Pandemie wird enden, aber es gibt keinen Impfstoff gegen die Klimakrise“, kommentiert Tedros Adhanom Ghebreyesus, Gene­raldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Konkret fordert der Leitartikel die Regierungen auf, Gesellschaft und Wirtschaft umzugestalten, indem sie beispielsweise eine Neugestaltung der Verkehrssysteme, der Städte, der Nahrungsmittelproduktion und –verteilung, der Märkte für Finanzinvestitionen und der Gesundheitssysteme unterstützen. „Dafür werden enorme Investitionen erforderlich sein, die weit über das hinausgehen, was irgendwo auf der Welt erwo­gen oder geleistet wird.“

Solche Investitionen bewirkten deutliche positive Effekte für Gesundheit und Wirtschaft. „Dazu gehören hochwertige Arbeitsplätze, eine geringere Luftverschmutzung, mehr körperliche Bewegung sowie besse­re Wohnverhältnisse und Ernährung.“ Allein die bessere Luftqualität würde demnach gesundheitliche Vor­teile mit sich bringen, die die globalen Kosten der Emissionsreduzierung leicht aufwiegen.

Der Leitartikel im Namen der Gesundheitsberufe wurde koordiniert und mitverfasst von der UK Health Alliance on Climate Change sowie von 17 Chefredakteurinnen und -redakteuren der beteiligten Redak­tionen. © dpa/aerzteblatt.de

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