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Politik

Quarantäneregel für Schulen: Spahn schlägt fünf Tage vor

Montag, 6. September 2021

/JackF, stock.adobe.com

Berlin – Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) befürwortet einfachere Quarantäneregeln bei Coronafällen in Schulen, pocht dafür aber auf Schutzkonzepte. In der Regel solle eine Quarantäne von fünf Tagen möglich sein, die dann mit einem negativen Test beendet werden könne, sagte der CDU-Politiker heute in Berlin vor Beratungen mit den Länderressortchefs über eine einheitliche Linie.

Gelten solle dies zudem nur für „umsitzende“ Kinder und nicht die ganze Klasse. Voraussetzung sei aber, dass Grundregeln umgesetzt würden, nämlich Maske tragen im Unterricht, regelmäßige Tests und Lüf­tungskonzepte.

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„Dann ist aus unserer Sicht diese alltagstauglichere und gleichzeitig Schutz bietende Lösung möglich“, sagte Spahn. So sei es auch in einer Arbeitsgruppe zwischen Ländern, Bund und Robert-Koch-Institut (RKI) schon miteinander diskutiert worden.

Spahn äußerte sich zuversichtlich, bei den Bund-Länder-Beratungen am heutigen Nach­mit­tag zu einer solchen gemeinsamen Empfehlung zu kommen. Bisher laufen die Gespräche noch. Eine Entscheidung gab es zum Redaktionsschluss noch nicht.

Bislang gehen die Länder bei einer Quaran­tänedauer von 14 Tagen unterschiedlich damit um, sollte sich in einer Klasse ein infiziertes Kind finden. Teilweise werden nur Sitznachbarn in Quarantäne geschickt, teils ganze Klassen.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) sagte, eine große gemeinsame Linie der Länder würde für sehr viel Akzeptanz bei Eltern sorgen. Präsenzunterricht sollte, soweit es gehe, dauerhaft möglich sein. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) verteidigte schon geltende Lockerungen bei Qua­rantäneregeln in seinem Land.

„Es ist falsch, ganze Klassen 14 Tage in Quarantäne zu schicken, maximal fünf, maximal das Umfeld.“ Spahn verwies darauf, dass es weiterhin auch Einzelfallsituationen geben werde, in denen Gesundheits­ämter vor Ort abweichend vorgingen – etwa je nachdem, wie Kinder sitzen.

Kinder- und Jugendärzte für differenzierte Quarantäneregeln

Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) sprach sich für gezieltere Quarantäne­regeln an Schulen aus. Bedingung sei eine sorgfältige Kontrolle über Tests, sagte Präsident Jörg Dötsch bei einem Pressebriefing des Science Media Centers. In einigen Ländern werde schon jetzt geschaut, ob nur das in­fizierte Kind in Quarantäne geschickt werden und der Rest zur Schule gehen könne. Wenn man diesen Weg sorgfältig und kontrolliert beschreite, sei das insgesamt gut.

Dötsch rief zugleich Erwachsene zu Impfungen auf. Es seien die Kinder gewesen, die Erwachsene mit ge­schützt hätten, als es noch keinen Impfstoff gab. Schulschließungen hätten dazu beigetragen, dass es unter Erwachsenen weniger schwere Verläufe gegeben habe. „Wir fordern ganz klar: Bevor noch einmal eine Schule geschlossen wird, müssen auch alle anderen Bereiche des öffentlichen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens geschlossen werden“, sagte Dötsch.

Spahn appellierte ebenfalls an die Verantwortung der Älteren. Kinder und Jugendliche hätten in der Coronapan­demie auf viel verzichtet, jetzt hätten sie es verdient, dass auf sie Rücksicht genommen werde. Dazu ge­höre, die Coronaausbreitung durch Vorsicht einzudämmen – denn es gebe einen klaren Zusammenhang zwischen den Infektionen insgesamt und dem Ausbruchsgeschehen etwa in Kitas und Schulen.

Zudem sollten sich mehr Menschen impfen lassen. „Es sollten nicht die Impfmuffel am Ende auch noch die unter Zwölfjährigen mit in eine schwierige Situation bringen“, sagte Spahn. Für Kinder unter zwölf gibt es keinen Impfstoff.

Vollständig mit der meist nötigen zweiten Spritze geimpft sind laut RKI knapp 51 Millionen Menschen oder 61,3 Prozent der Bevölkerung. Etwa 54,7 Millionen Menschen oder 65,8 Prozent aller Einwohner haben mindestens eine Impfung. Die Bundesregierung rief erneut dazu auf, Impfangebote zu nutzen. „Für einen sicheren Herbst und einen sicheren Winter zählt jede Impfung“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert.

Er verwies auf eine geplante bundesweite Aktionswoche vom 13. bis 19. September, während der viele Impfgelegenheiten vor Ort angeboten werden sollen. Es gehe darum, „gemeinsam für den nötigen Ruck“ zu sorgen, wo er vielleicht an der einen oder anderen Stelle noch fehle. © dpa/aerzteblatt.de

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