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Durchseuchung der Kinder mit SARS-CoV2 vermeiden

Montag, 6. September 2021

/picture alliance, Michael Reichel

Berlin – Das Infektionsgeschehen nimmt seit dem Ende der Sommerferien vor allem bei den Kindern und Jugendlichen zu. Vor einer „stillen Durchseuchung“ der jungen Menschen mit SARS-CoV2 warnte jüngst der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach und erhielt jetzt Zustimmung vom Virologen Alexander Kekulé.

Zu Schulschließungen dürfte es dennoch in keinem Fall kommen, sagte Jörg Dötsch, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin an der Uniklinik Köln, heute bei einem Press Briefing des Science Media Centers (SMC).

Auch viele Politiker versichern, die Schulen nicht mehr schließen zu wollen, weil aus den vorangegangen Erfahrungen die dramatischen sozio-psychologischen Folgen von Schulschließungen und Home Schoo­ling für Kinder und Jugendliche unbestritten sind.

Darüber hinaus erkranken Kinder nur in äußerst seltenen Fällen schwer an COVID-19, wie das Intensiv­register der Deutschen Interdisziplinä­ren Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) zeigt.

Laut dem Wochenbericht des Robert-Koch-Instituts vom 2. September lag die 7-Tage-Inzidenz in den Altersgruppen der Jugendlichen (10-19 Jahre) bei über 170 pro 100.000 Einwohner. Die vierte Sars-CoV2-Welle nimmt insbesondere durch Infektionen innerhalb der jungen erwachsenen Bevölkerung weiter an Fahrt auf und breitet sich zunehmend auch in höhere Altersgruppen aus.

Ein Prozent der Betten mit COVID-19-Fällen auf der Intensivstation werden von 0 bis 17-Jährigen belegt. In absoluten Zahlen entspricht das, Stand 5. September, 12 Kindern und Jugendlichen.

Das Risiko für eine Aufnahme im Krankenhaus müsste in der Altersgruppe der jungen Menschen noch mal unterteilt werden, sagte Berit Lange, Leiterin der Klinischen Epidemiologie am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig.

Für die 0 bis 4-Jährigen liege es mit 2 bis 4 Prozent etwas höher als für die 5 bis 14-Jährigen mit 0,5 Prozent. Diese Zahlen hätten sich auch durch das Deltavirus oder durch Impfungen nicht verändert.

Wie bei den Erwachsenen würden in erster Linie junge Menschen mit chronischen Erkrankungen schwer an COVID-19 erkranken, erklärte Dötsch und spezifizierte seine Aussage noch: „Es sind bei den Kindern und Jugendlichen vor allem jene mit Multisystemerkrankungen, wozu beispielsweise Trisomie 21 zählt.“

An dieser Stelle sollten wir nicht überaktiv werden, sondern vorhandene Schutzmaßnahmen nutzen. Jörg Dötsch, Uniklinik Köln

Von einer vorzeitigen Off-Lable-Impfung rät er aber auch dieser Risikogruppe zum jetzigen Zeitpunkt ab. Schon Ende September sollen Zulassungsdaten zur Impfung bei den 6 bis 11-Jährigen veröffentlicht werden, Ende Oktober dann für die unter 6-Jährigen. „An dieser Stelle sollten wir nicht überaktiv werden, sondern vorhandene Schutzmaßnahmen nutzen.“

„Das Risiko für sehr schwere Verläufe oder das Risiko aufgrund einer COVID-Erkrankung zu versterben ist bei jungen Menschen, insbesondere in Deutschland, sehr gering. Was wir bisher gesehen haben, liegt das Risiko bei 1 bis 3 Todesfällen pro 100.000“, ergänzte Lange beim Pressegespräch.

Von einer vollständigen Durchseuchung der jungen Bevölkerung ist Lange nicht überzeugt. „Vermutlich werden sich nicht alle Kinder anstecken, aber innerhalb eines kurzen Zeitraums sehr viele.“ Würden sich tatsächlich alle Kinder mit SARS-CoV2 infizieren, könnte es zu einer Sterblichkeit in dieser Altersgruppe im 2- bis 3-stelligen Bereich kommen. Dies gelte es nun zu verhindern.

Ungenutzte Maßnahmen zur Prävention an Schulen und Kitas

Um einer Durchseuchung entgegenzuwirken, erachteten die Experten Lange und Dötsch unter anderem die S3-Leitlinien zur Prävention und Kontrolle der SARS-CoV2-Übertragung in Schulen als besonders re­levant. „Mein Eindruck aus den einzelnen Bundesländern ist nicht, dass diese Leitlinie schon voll ausge­nutzt wird“, kritisierte Lange und verwies auf die dort empfohlene Kohortierung.

Ein gutes Mittel für Schulen und Kitas, um Infektionen in Schacht zu halten, seien gepoolte Lolli-Tests auf PCR-Basis, ergänzte Dötsch. Diese hätten sich in Nordrhein-Westfalen bereits in der Fläche bewährt und müssten nicht mehr weiter getestet werden.

Lolli-Test für SARS-CoV-2 in Schulen und Kitas effektiv und gut durchführbar

Köln – In Schulen und Kindertagesstätten hat sich das SARS-CoV-2-Screening mittels RT-qPCR-Tests aus gepoolten Speichelproben (Lolli-Tests) als praktikable Methode erwiesen, um den sicheren Betrieb zu gewährleisten. Das zeigt eine multizentrische Studie mit fast 4.000 Teilnehmenden in Deutschland, die in Lancet EClinicalMedicine veröffentlicht wurde (2021; DOI: 10.1016/j.eclinm.2021.101082). Im

Einen positiven Ausblick gibt Dötsch für die jüngeren Jahrgänge, für die noch keine Impfung möglich ist: „Je mehr Kinder und Jugendliche über 12 Jahre geimpft sind, desto leichter wird es sein, in Grund- und Förderschulen und Kitas genügend Testkapazitäten für Lollitests zur Verfügung zu stellen.“ Aus Sicht von Lange fehlen solche Teststrategien für Kindergärten derzeit noch. Dabei gebe es auch hier relevante Ausbruchssituationen. © gie/aerzteblatt.de

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