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Medizin

Adipositas: Junge Erwachsene haben das höchste Risiko auf eine Gewichtszunahme

Dienstag, 19. Oktober 2021

Win Nondakowit, stock.adobe.com

London – Die Häufigkeit von Übergewicht und Adipositas steigt zwar mit dem Alter an. Die Gewichts­probleme beginnen bei den meisten Betroffenen jedoch bereits im frühen Erwachsenenalter, wie eine bevölkerungsbasierte Kohortenstudie in Lancet Diabetes & Endocrinology (2021; DOI: 10.1016/S2213-8587(21)00207-2) zeigt.

Die Zahl der übergewichtigen und fettleibigen Männer und Frauen steigt derzeit in den meisten Ländern unaufhaltsam an. Wenn sich der Trend fortsetzt, könnte im Jahr 2025 1/5 der Erwachsenen fettleibig sein. In den höheren Altersgruppen wäre die Prävalenz weitaus höher, denn bei den meisten Menschen steigt das Körpergewicht im Erwachsenenalter kontinuierlich an.

Ob ein Mensch im Alter adipös wird, entscheidet sich jedoch häufig bereits im frühen Erwachsenenalter, wie eine Analyse der elektronischen Krankenakten von 2,4 Mio. Patienten des National Health Service (NHS) aus den Jahren 1998 bis 2016 zeigt.

Die Ärzte sind angehalten, bei jeder Konsultation Körpergewicht und Körpergröße in den Krankenakten festzuhalten. Michail Katsoulis vom University College London und Mitarbeiter konnten so die Gewichts­entwicklung der Patienten analysieren. Dabei kam heraus, dass die jüngsten Patienten am stärksten an Gewicht zulegten. In der Altersgruppe von 18 bis 24 Jahren nahm das durchschnittliche Gewicht inner­halb von 10 Jahren von 80,8 kg auf 90,2 kg zu. In der Altersgruppe von 65 bis 74 Jahren blieb das durch­schnittliche Gewicht dagegen konstant. Es ging über 10 Jahre sogar leicht von 83,9 kg auf 82,2 kg zurück.

Das Risiko der jüngsten Altersgruppe (18 bis 24 Jahre), innerhalb von zehn Jahren übergewichtig oder adipös zu werden, war nach den Berechnungen von Katsoulis mehr als 4-fach höher als bei den Senioren (Odds Ratio 4,22; 95-%-Konfidenzintervall 3,86 bis 4,62). Noch größer war die Gefahr, vom Übergewicht zur Adipositas zu wechseln (Odds Ratio 4,60; 4,06 bis 5,22). Von den normalgewichtigen jüngeren Erwachsenen waren nach 10 Jahren 37 % übergewichtig oder adipös geworden, von den übergewich­tigen waren 42 % in die Kategorie der Adipositas gewechselt.

Andere Risikofaktoren waren vor diesem Hintergrund von untergeordneter Bedeutung. Bewohner ärmerer Gegenden hatten ein größeres Risiko als Bewohner reicherer Wohnviertel (Odds Ratio 1,23; 1,18 bis 1,27), Männer neigen eher zur Adipositas als Frauen (Odds Ratio 1,12; 1,08 bis 1,16) und Einwohner afrikanischer Herkunft waren häufiger betroffen als weiße Engländer (Odds Ratio 1,13; 1,04 bis 1,24).

Programme zur Adipositasprävention sollten sich nach Ansicht von Katsoulis in erster Linie an jüngere Personen richten. Zielgruppen wären Personen mit einem ungesunden Lebensstil und Bewegungs­mangel, die es häufiger in ärmeren Bevölkerungsschichten mit einem niedrigen Bildungsniveau gibt.

Auch Arbeitslosigkeit hat sich in früheren Studien als Risikofaktor erwiesen, ebenso die ersten Studien­jahre und eine feste Partnerschaft. Ehe und Familie verführen viele jüngere Menschen dazu, ihr Gewicht zu vernachlässigen. Die Forscher haben übrigens einen Risikokalkulator ins Netz gestellt, mit dem jeder sein Übergewichts- und Adipositasrisiko in Abhängigkeit von Alter, Geschlecht, ethnischer Herkunft und Einkommensgruppe ausrechnen lassen kann.

© rme/aerzteblatt.de

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