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Politik

„Medizinische Dokumentation muss im Vordergrund stehen, nicht Abrechnungszwecke“

Freitag, 17. September 2021

Berlin – Mit Blick auf die Bundestagswahl, die Programme der Parteien und den Stellenwert, den Gesundheit durch die Pandemie bekommen hat, stellt sich die Frage: Was müsste eigentlich wirklich im Gesund­heits­wesen verändert werden?

Dazu hat das Deutsche Ärzteblatt (DÄ) insgesamt 18 Expertinnen und Experten aus allen Bereichen der Gesundheitsversorgung und mit unterschiedlichen Schwerpunkten in in einer Interviewreihe befragt.

Diesmal: Sylvia Thun vom Berliner Institut für Gesundheitsforschung (BIH) an der Charité, Professorin für Informations- und Kommunikationstechnologien im Gesundheits­wesen.

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5 Fragen an Sylvia Thun, Professorin für Informations- und Kommunikationstechnologien im Gesundheits­wesen

DÄ: Welches sind aus Ihrer Sicht die drei drängendsten Probleme im Gesundheitsbereich, die die nächste Bundesregierung als erstes angehen sollte?
Thun: Die Partizipation der Patientinnen und Patienen sollte mit digitalen Technologien ausgebaut werden, dabei sind die Sektorengrenzen durch neue Abrechnungsinstrumente aufzubrechen. Die medizinische Dokumentation soll zukünftig im Vordergrund stehen und nicht die Dokumentation für Abrechnungszwecke.

DÄ: Die Schlagzahl bei der Digitalisierung war in der letzten Legislaturperiode sehr hoch. Was hat Ihnen gefehlt?
Thun: Die Dokumentation in den Krankenhäusern und bei den Niedergelassenen muss besser und präziser werden. Die Systeme bedarfen dringend einer Harmonisierung, so sind z.B. werden immer noch die Maßeinheiten oder Laborwerte von Softwareherstellern individuell erfunden.

DÄ: Welche Vermittlungsprobleme hat Digitalisierung im Gesundheitswesen und speziell bei Ärztinnen und Ärzten noch – und wie kann man das ändern?
Thun: Die Digitalisierung ist nicht adäquat in der Lehre der Studierenden und innerhalb der Facharzt­ausbildungen abgebildet. Die Benutzeroberflächen, die Dokumentationsausmaß und die Performance der Systeme erschweren meist die Dokumentation, so dass diese als unerträglich empfunden wird.

Nach der Bundestagswahl: Was verändert werden müsste

Mit Blick auf die Wahl, das Interesse an und den Stellenwert von Gesundheit durch die Pandemie, stellt sich die Frage: Was müsste eigentlich wirklich im Gesundheitswesen verändert werden? Antworten von 18 Expertinnen und Experten. Zeitmangel in der Versorgung, mehr medizinische Fachkräfte, Sektorengrenzen überwinden sowie mehr Investitionen in Krankenhäuser und eine bessere Bezahlung in der

DÄ: Sie prangern den Geschlechterbias in der Digitalisierung und der Entwicklung der Künstlichen Intelligenz an – was muss Politik hier in den nächsten vier Jahren ändern?
Thun: Frauen sollen in der Forschung und in MINT-Fächern gefördert werden, z.B. über Paritäten in Forschungsanträgen. Die Facharztausbildung muss an die Lebenssituation der Frauen angepasst werden. Es müssen neue Key Performance Indicator neben dem ungerechten h-Index entwickelt werden.

DÄ: Ein wichtiges Thema im Zusammenhang mit der fortschreitenden Digitalisierung stellt der Umgang mit Gesundheitsdaten dar. Wie sehen Sie das auch öffentlich zunehmend in der Diskussion befindliche Spannungsfeld zwischen Datenschutz und Datennutzung (inkl. Datenspenden)?
Thun: Es muss ein neues Bewusstsein für den Nutzen der Daten kommuniziert und gelebt werden. © bee/aerzteblatt.de

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