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Medizin

Autoantikörper könnten Schweregrad von COVID-19 vorhersagen

Freitag, 10. September 2021

/Leo Altman, stock.adobe.com

New York – Bestimmte Autoimmunantikörper, die an die DNA oder an ein Lipid namens Phosphatidylserin binden, könnten darauf hinweisen, wie schnell sich der Gesundheitszustand bei COVID-19-Patienten ver­schlechtert.

Das zeigt eine Auswertung von mehr als 100 Bluttests in New York. Die Ergebnisse wurden in Life Science Alliance publiziert (2021; DOI: 10.26508/lsa.202101180) und untermauern diverse Studien zu Autoantikörpern bei COVID-19-Patienten.

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„Unsere Studienergebnisse zeigen, dass die anfänglichen Blutspiegel von Anti-DNA- oder Anti-Phos­phat­idylserin-Antikörpern in direktem Zusammenhang mit der Schwere der Erkrankung bei COVID-19-Patien­ten stehen“, sagte Claudia Gomes, Postdoktorandin an der NYU Langone Health und Co-Leiterin der Studie.

In der aktuellen Studie untersuchten Forschende die Krankenakten und Bluttests von 115 weißen, schwarzen, asiatischen und hispanischen Frauen und Männern, die zwischen April und Juni 2020 wegen COVID-19 in die Krankenhäuser der NYU Langone eingeliefert worden waren.

Dabei verglichen sie Testergebnisse von mehr als 100 Messungen, wie Blutsauerstoffwerte, Leberenzyme und Nierenfunktion, mit den Werten der Autoimmunantikörper.

Erhöhte Autoantikörper-Spiegel erhöhten die Wahrscheinlichkeit für eine schwere Erkrankung 5- bis 7-mal im Vergleich zu Patienten mit einem stabilen Antikörperspiegel.

Autoantikörper gegen DNA und Phosphatidylserin kamen bei Patienten, deren Zustand sich schnell ver­schlechterte doppelt so häufig vor wie bei denjenigen, deren Gesundheitszustand sich nicht verschlech­terte. Wer niedrigere Werte dieser Autoantikörper aufwies, musste in der Regel nicht beatmet werden.

Lipide und genetisches Material (DNA) gelangen in den Blutkreislauf, wenn Zellen durch eine Krankheit wie COVID-19 abgetötet werden.

36 % der Studienteilnehmer wiesen bei ihrer Einlieferung ins Krankenhaus Autoimmunantikörper auf. 86 % der Patienten mit hohen Werten von Anti-DNA- und 93 % mit Anti-Phosphatidylserin-Antikörpern litten an einem schwerern COVID-19-Verlauf.

Die Höhe der Anti-DNA-Antikörper ging auch einher mit einem Anstieg von Thrombosen und des Zelltods (Lyse), insbesondere im Muskelgewebe. Das passt zur Beobachtung bei schwersten Fällen von COVID-19, bei denen die Forschenden sowohl Thrombosen, die zu lebensbedrohlichen Blutgerinnseln führen können, als auch Schäden am Muskelgewebe, insbesondere am Herzen, feststellen konnten.

Ob die Autoantikörper hierbei Verursacher sind oder erst in Folge entstehen, ist jedoch nach wie vor unklar.

Die fehlgeleitete Reaktion des Immunsystems könnte mehr Schaden anrichten als die Virusinfektion selbst. Ana Rodriguez, NYU Langone

Studienleiterin Ana Rodriguez von der NYU Langone sieht in den Studiendaten einen erneuten Beweis dafür, dass in schweren Fällen von COVID-19 die Produktion von Autoimmunantikörpern eine Schlüssel­rolle bei der Blutgerinnung und dem Zelltod spielt. Bestehende Annahmen sieht sie nun gefestigt: „Die fehlgeleitete Reaktion des Immunsystems könnte mehr Schaden anrichten als die Virusinfektion selbst.“

Mögliche Therapieansätze

Marisol Zuniga, ebenfalls Studienleiterin an der NYU Langone, geht davon aus, dass ein Test auf diese Autoantikörper dazu beitragen könnte, COVID-19-Patienten zu identifizieren, die genauer überwacht werden sollten und die intensivmedizinisch behandelt werden müssen. Weitere Tests zur Bestätigung des Zusammenhangs seinen aber erforderlich.

Sollte sich herausstellen, dass die Zellschädigung kausal ist, könnten Ärzte COVID-19-Patienten mit Antikörperinjektionen von gesunden Spendern behandeln. Das würde die Konzentration vorhandener Autoimmunantikörper reduzieren.

Denkbar wäre auch eine zunächst experimentelle Therapie mit Antigenen, die sich an Autoimmunanti­körper anlagern und diese neutralisieren, aber nicht zu einer dauerhaften eigenen Antikörperimmun­reaktion führen.

Autoantikörper wurden schon in früheren Studien in Zusammenhang mit einem schweren Krankheits­verlauf gebracht. Etwa solche, die sich gegen Interferone oder Cytokine richten und so die Abwehrreak­tion gegen SARS-CoV-2 behindern (Nature 2021).

Andere stehen in Verdacht, Autoimmunerkrankungen zu begünstigen, wie etwa die Thrombozytopenie (NEJM 2020), hämolytische Anämie (Br J Haematol 2020), Guillain-Barre (NEJM 2020) und Anti-Phos­pholipid-Syndrom (NEJM 2020). © gie/aerzteblatt.de

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