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Medizin

Was im Gehirn von Erwachsenen beim Erlernen einer neuen Sprache geschieht

Mittwoch, 17. November 2021

/pathdoc, stock.adobe.com

San Francisco – Ein Wissenschaftlerteam der University of California in San Francisco ist der Frage nachgegangen, warum es für Erwachsene so schwierig sein kann, eine neue Fremdsprache zu lernen. Dabei haben ihnen Untersuchungen an Epilepsiepatienten geholfen. Sie berichten darüber in den Proceedings of the National Academy of Sciences (2021; DOI: 10.1073/pnas.2101777118).

Das Erlernen der Laute einer neuen Sprache ist der 1. Schritt beim Spracherwerb, erläutert Matthew Leonard, einer der Hauptautoren der Studie. Die Wissenschaftler untersuchten, wie sich die Aktivität in den verstreuten Hirnregionen, die mit Sprache in Verbindung stehen, verändert, wenn der Hörer mit den fremden Klängen vertrauter wird. An der Studie nahmen zehn Epilepsiepatienten teil.

Sie hatten eine Gehirnoperation hinter sich, bei der ihnen Elektroden ins Gehirn implantiert wurden, um die Quelle ihrer Anfälle zu lokalisieren. Die Muttersprache der Studienteilnehmer war Englisch. Die Wissenschaftler baten sie nun, Sprachlaute in Mandarin zu erkennen. Mandarin ist eine sogenannte tonale Sprache, in der die Bedeutung eines Wortes nicht nur von den Vokal- und Konsonantenlauten abhängt, sondern auch von subtilen Veränderungen in der Tonhöhe der Stimme. Für Sprecher nicht-tonaler Sprachen wie Englisch ist es oft sehr schwierig, diese ungewohnten Klänge zu erkennen.

Nach jedem Ton gaben die Patienten an, ob sie der Meinung waren, dass der Ton ansteigt, abfällt, ansteigt und dann abfällt oder gleich bleibt, und erhielten eine Rückmeldung, ob sie richtig lagen. Die Patienten wiederholten diese Aufgabe etwa 200 Mal in mehreren fünf bis 10-minütigen Sitzungen.

Die Wissenschaftler erfassten ein Spektrum von Veränderungen, die über den gesamten Sprachkortex verteilt waren, wobei die Aktivität in einigen Bereichen zunahm, während sie in anderen abnahm, wobei aber offenbar ein sorgfältiges Gleichgewicht gewahrt wurde.

„Wir konnten sehen, dass einige Zellgruppen stärker auf den fallenden Ton reagierten und ihre Reaktion immer weiter steigerten, während eine andere Zellgruppe direkt daneben zunehmend aktiv wurde, wenn die Person den fallenden Ton hörte“, erläuterte Han Yi aus der Arbeitsgruppe.

Darüber hinaus war es von Person zu Person unterschiedlich, welche Hirnregionen durch welchen Ton stärker aktiviert wurden. Leonard und Yi vermuten, dass dies erklären könnte, warum manche Menschen die Laute leichter lernen als andere: Jedes individuelle Gehirn müsse offenbar sein eigenes Gleich­gewicht zwischen der Aufrechterhaltung der Stabilität der Muttersprache und der für das Erlernen einer neuen Sprache erforderlichen Plastizität finden.

„Die Probanden waren in der Lage, die Töne in Mandarin zu lernen, ohne dass ihre Fähigkeit, die Tonhöhe in Englisch oder in Musik wahrzunehmen, beeinträchtigt wurde“, so Leonard. © hil/aerzteblatt.de

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