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Politik

Ethikratsvorsitzende Buyx sieht Einschränkungen für Ungeimpfte kritisch

Donnerstag, 9. September 2021

Alena Buyx /picture alliance, Bernd von Jutrczenka

Berlin – Die Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Alena Buyx, hat sich kritisch gegenüber Einschrän­kungen für Menschen gezeigt, die sich bisher nicht gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 impfen wollen.

Grundsätzlich sei aus ethischer Perspektive das 3G-Modell, also geimpft, genesen oder getestet, besser, sagte sie der Welt. „Je mehr Teilhabe für alle Menschen möglich ist, desto besser. Es wäre also schön, wenn man bei der Regelung bleiben könnte.“

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Private Anbieter könnten die 2G-Regelung, von der nur geimpfte oder genesene Personen profitieren, einsetzen, etwa um Planungssicherheit zu erhalten, so die Medizinethikerin. „Staatlich sollte man das maßvoll einsetzen, so kurz wie möglich und nur dann, wenn die milderen Mittel ausgeschöpft sind und eine Gefährdungssituation droht“, sagte die seit 2020 amtierende Ethikrats-Vorsitzende.

Impfanreize etwa durch Geld seien in der ethischen Diskussion umstritten, sagte Buyx. Niedrigschwelli­ges Impfen bleibe wichtig; dabei sollten höchstens kleine Anreize wie ein Donut oder ein kleiner Ein­kaufsgutschein eingesetzt werden. „Sonst wäre das auch für bereits Geimpfte irritierend: Die Menschen, die besonders lange mit ihrer Impfung gewartet haben, werden dafür nun noch belohnt.“

Eine gesellschaftliche Spaltung infolge der Pandemie befürchtet Buyx nach eigenen Worten nicht. „Wir waren nie eine homogene Gesellschaft, in der alle einer Meinung sind oder es allen gleich gut geht.“ Doch seien diese Unterschiede in der Coronakrise deutlich geworden. „Was mich bekümmert, ist die Vehemenz und die Polarität, mit der die Debatten geführt wurden.“

Um den inneren Zusammenhalt zu befördern, sei ein großer gesellschaftlicher Einsatz und Aufwand erforderlich, betonte die Ethik-Expertin. „Wir brauchen eine Phase zum Aufarbeiten, Lernen, Heilen. So viele Menschen haben gelitten und viel verloren.“

Sei es den Job, einen Angehörigen, ihre Lebensfreude oder die Abiturfeier. „Diese Verluste müssen wir anerkennen und bewältigen“, sagte Buyx. Dafür brauche man als Gesellschaft einen Heilungsprozess. © kna/aerzteblatt.de

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