NewsMedizinCOVID-19: Schwindende Antikörper ermöglichen Zweitimpfung nach VITT
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

COVID-19: Schwindende Antikörper ermöglichen Zweitimpfung nach VITT

Donnerstag, 9. September 2021

/Sebastian Kaulitzki, stock.adobe.com

Greifswald – Die Immunreaktion, die nach Vektor-basierten Impfstoffen gegen SARS-CoV-2 die schwere Komplikationen VITT auslöst, ist offenbar kurzlebig. In einer Fallserie im New England Journal of Medi­cine (2021; DOI: 10.1056/NEJMc2112760) war bei den meisten Patienten nach 12 Wochen in einem La­bortest keine Aktivierung der Thrombozyten mehr nachweisbar, so dass eine 2. Dosis – allerdings unter fortgesetzter oraler Antikoagulation und mit einem mRNA-Impfstoff – gewagt wurde.

Im Frühjahr war es nach der Gabe von ChAdOx1 nCoV-19 von Oxford–Astrazeneca, und später auch von Ad26.COV2.S von Janssen-Johnson & Johnson bei einigen jüngeren Personen zu thrombotischen Ereig­nis­sen (vor allem Sinus- und Hirnvenenthrombosen) in Kombination mit einer Thrombozytopenie gekommen.

Anzeige

Ein Team um Andreas Greinacher von der Universitätsmedizin Greifswald hatte relativ schnell die Ursa­che ermittelt. Auslöser waren Antikörper gegen den Plättchenfaktor (PF) 4, die zu einer Aktivierung der Thrombozyten führten. Die Folge sind ausgedehnte Thrombosierungen vor allem im venösen Kreislauf, die innerhalb weniger Tage zum Tod führen können.

Bei den überlebenden Patienten stellt sich die Frage, ob eine Zweitimpfung gewagt werden kann oder ob die Probanden mit dem Risiko leben müssen, im Fall einer Infektion mit SARS-CoV-2 an COVID-19 zu erkranken. Die Greifswalder Mediziner haben 35 Patienten nach der Erholung mehrfach untersucht und dabei zum einen die PF4-abhängige Thrombozytenaktivierung bestimmt.

Wie das Team um Greinacher jetzt berichtet, fällt der Test mittlerweile bei 23 von 35 Patienten negativ aus. Bei 14 von 15 Patienten war dies innerhalb von median 12 Wochen der Fall. Darüber hinaus nahm die mediane optische Dichte im Anti-PF4-Heparin-IgG-ELISA zwischen der ersten und der letzten ver­fügbaren Blutprobe um 53 % ab. Eine vollständige Seronegativität wurde jedoch nur bei 3 Patienten erreicht.

Bei 5 Patienten wurde eine 2. Impfdosis gewagt, die sicherheitshalber mit dem mRNA-Impfstoff BNT162b2 von Biontech-Pfizer durchgeführt wurde, nach dem bisher keine VITT beobachtet wurde. Die Impfungen fanden 10 bis 18 Wochen nach der ersten Dosis statt.

Alle Patienten erhielten zum Zeitpunkt der Impfung noch eine therapeutisch dosierte Antikoagulation, die zur Behandlung der Thrombosen im Rahmen der VITT begonnen worden war. Bei 4 der 5 Patienten war der Thrombozytenaktivierungstest negativ ausgefallen.

Laut Greinacher ist es bei keinem der 5 Patienten zu erneuten thrombotischen Komplikationen oder einer Zunahme der optischen Dichte um mehr als 0,5 im Anti-PF4-Heparin-IgG-ELISA gekommen. Der Greifswalder Transfusionsmediziner hält eine 2. Dosis im Abstand von 12 Wochen für vertretbar (wobei zur Sicherheit auf einen mRNA-Impfstoff gewechselt werden sollte). © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS
VG WortLNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER