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Medizin

Online-Therapie kann postpartale Depression lindern

Montag, 18. Oktober 2021

/pololia, stock.adobe.com

Hamilton/Ontario – Die kognitive Verhaltenstherapie, die zu den effektiven Behandlungen von postpartalen Depressionen gehört, ist auch dann wirksam, wenn sie online erfolgt. Dies zeigen die jetzt in JAMA Psychiatry (2021; DOI: 10.1001/jamapsychiatry.2021.2488) vorgestellten Ergebnisse einer rando­misierten kontrollierten Studie.

Bis zu 1/5 aller Frauen leiden nach der Geburt ihres Kindes unter einer postpartalen Depression. Die erhöhte Ängstlichkeit führt häufig zu Störungen der Mutter-Kind-Bindung, deren Folgen auch die Kinder zu tragen haben, die später häufiger emotionale, verhaltensbezogene und schulbezogene Probleme haben.

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Eine Kurztherapie auf der Basis der kognitiven Verhaltenstherapie hat sich in der Vergangenheit als effektiv erwiesen. Die Behandlung erfolgt in der Regel in Gruppen von 10 bis 12 Patientinnen, die für einen Tag ein Behandlungszentrum aufsuchen. Während der Pandemie war diese Behandlung jedoch nicht möglich. Die Psychologen an der McMaster University in Hamilton/Ontario wichen deshalb auf Zoom-Konferenzen aus. In einer randomisierten Studie wurde geprüft, ob die Behandlung weiterhin wirksam blieb.

An der Studie nahmen 403 Frauen teil, bei denen eine postpartale Depression diagnostiziert worden war mit 10 oder mehr Punkten auf der „Edinburgh Postnatal Depression Scale“ (EPDS). Der Hälfte der Patientinnen wurde eine Gruppentherapie angeboten. Die andere Hälfte wurde zunächst auf eine Warteliste gesetzt.

Die Behandlung erfolgte nach den Grundsätzen der kognitiven Verhaltenstherapie. Dabei werden in einem 1. Modul die Ursachen der Erkrankung und die modifizierbaren kognitiven Risikofaktoren wie negative Gedanken und maladaptive Grundüberzeugungen erläutert. Das 2. Modul konzentriert sich auf die Möglichkeiten einer kognitiven Umstrukturierung, für die dann im 3. Modul konkrete Strategien vermittelt werden. Im 4. Modul werden Behandlungsstrategien und Behandlungsziele erarbeitet. Die Therapie fand in Gruppen von 16 Patientinnen statt, die sich von 9 bis 16 Uhr per Zoom zusammen­geschaltet hatten.

Der erste Erfolg der Behandlung war, dass von 161 Patienten, die sich zugeschaltet hatten, 155 (96 %) bis zum Ende dabei blieben. Insgesamt 140 Patientinnen (87 %) waren am Ende mit der Behandlung sehr zufrieden.

Der primäre Endpunkt der Studie war eine Veränderung im EPDS, die vor der Behandlung und 12 Wochen danach erfragt wurde. Der EPDS erfasst die Stimmungslage der Mütter mit 10 Fragen mit jeweils 4 Antwortmöglichkeiten, die mit 0 bis 3 Punkten bewertet werden. Dies ergibt eine Bandbreite von 0 bis 30 Punkten. Ein Verdacht auf eine postpartale Depression besteht ab 10 Punkten, eine Veränderung um 4 Punkte wird als klinisch relevant eingestuft.

Vor der Behandlung hatten die Frauen der Psychotherapiegruppe einen mittleren EPDS-Score von 16,47, der 12 Wochen nach der Behandlung auf 11,65 gesunken war, während es in der Kontrollgruppe zu einem Rückgang von 15,92 auf 14,04 Punkte kam. Eine klinisch signifikante Verbesserung wurde in der Psychotherapiegruppe 4-fach häufiger erreicht: Ryan van Lieshout von der McMaster University Hamilton/Ontario ermittelt eine Odds Ratio von 4,15; die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 2,66 bis 6,46 hoch signifikant war.

Auch in den sekundären Endpunkten kam es zu einer Verbesserung. Dies war einmal der „Generalized Anxiety Disorder Questionnaire“, der generalisierte Angststörungen mit 0 bis 21 Punkte bewertet. Die Behandlung führte zu einem Rückgang von 12,41 auf 7,97 Punkte. Auch im „Postpartum Bonding Questionnaire" (PBQ), der die Mutter-Kind-Beziehung beurteilt, kam es ebenfalls zu einer signifikanten Verbesserung.

Ebenso war im „Infant Behavior Questionnaire–Revised Very Short Form“, der das Verhalten des Säug­lings durch die Mutter beurteilt, in den meisten Aspekten eine Verbesserung erkennbar. Die Mutter gab zudem im „Social Provisions Scale“ an, dass sich ihre Beziehungen zum sozialen Umfeld verbessert hätten. Die Veränderungen waren laut van Lieshout gleich stark, wie dies auch bei einer „echten“ Grup­pen­sitzung zu erwarten gewesen wäre, weshalb der Psychiater von der Gleichwertigkeit der Online-Therapie überzeugt ist. © rme/aerzteblatt.de

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