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„Die Umsetzung der novellierten Approbationsordnung muss zügig erfolgen“

Mittwoch, 15. September 2021

Berlin – Mit Blick auf die Bundestagswahl und den Stellenwert, den Gesundheit durch die Pandemie bekommen hat, stellt sich die Frage: Was müsste eigentlich wirklich im Gesundheitswesen verändert werden?

Dazu hat das Deutsche Ärzteblatt (DÄ) 18 Expertinnen und Experten aus allen Bereichen der Gesundheitsversorgung und mit unterschiedlichen Schwerpunkten in in einer Interviewreihe befragt. Diesmal: Matthias Frosch, Präsident des Medizinischen Fakultätentages.

Mit dem Masterplan Medizinstudium 2020 und einem bereits vorliegenden Referentenentwurf aus dem Bundesgesundheitsministerium (BMG) hat die Politik bereits den Grundstein für eine neue Ärztliche Approbationsordnung gelegt, die ab 2025 gelten soll. Frosch berichtet über die ansteh­ende Reform des Medizinstudiums und die Herausforderungen, vor denen die Hochschulmedizin in der kommenden Legislaturperiode steht.

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5 Fragen an Matthias Frosch, Präsident des Medizinischen Fakultätentages

DÄ: Welches sind aus Ihrer Sicht die drei drängendsten Probleme im Gesundheitsbereich, die die nächste Bundesregierung als erstes angehen sollte?
Frosch: Die neue Bundesregierung steht vor großen Herausforderungen, das Gesundheits- und Wissenschaftssystem zukunftsfest zu machen. Wir haben daher als Deutsche Hochschulmedizin e.V. kürzlich mit unserer Agenda eine Reihe von Forderungen für die neue Legislatur vorgelegt. Daraus möchte ich die folgenden im Besonderen herausgreifen:

Die Umsetzung der novellierten Approbationsordnung muss zügig erfolgen. Aktuell liegt ein überarbeiteter Referentenentwurf aus dem Bundesgesundheitsministerium vor. Ein erhebliches Defizit des Entwurfs besteht nach wie vor in einer fehlenden soliden Abschätzung der zur Umsetzung erforderlichen Mehrkosten und einer belastbaren Finanzierungsvereinbarung zwischen Bund und Ländern.

Die an die Hochschulmedizin gerichteten Anforderungen sind vielfältig und besonders. Sie dürfen nicht an einer unzureichenden finanziellen Ausstattung scheitern. Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt, dass die meisten Bundesländer diese Herausforderung nicht allein bewältigen werden, insbesondere bei der Investitionskostenfinanzierung. Dies wird umso mehr für die gezielte Weiterentwicklung bedarfsnot­wendiger Versorgungsstrukturen gelten. Der Bund muss daher seine Förderansätze in Abstimmung mit den Ländern verstetigen. Sämtliche Förderansätze müssen dabei für alle Trägerformen zugänglich sein, auch für Universitätsklinika.

Die von der Hochschulmedizin geschaffenen Vernetzungsstrukturen müssen dauerhaft etabliert werden. Nur so können die komplexen Herausforderungen in der Gesundheitsversorgung künftig bewältigt werden. Hierzu zählen die Medizininformatik-Initiative (MII), das Netzwerk Universitätsmedizin (NUM) oder auch spezifisch hochschulmedizinische Forschungsinfrastrukturen wie Biobanken und Zentren für klinische Studien.

DÄ: Die Coronapandemie hat massive Einschnitte ins gesellschaftliche Leben mit sich gebracht. Auch die Hochschulmedizin war und ist hart betroffen. Welche Maßnahmen müsste die Politik in der kommenden Legislaturperiode ergreifen, um die entstandenen Härten zu mildern?
Frosch: Die Uniklinika haben in der Pandemie nicht nur schwererkrankte Patientinnen und Patienten versorgt, sondern auch die regionale Koordination der Versorgung der COVID-Patienten übernommen.

Gleichzeitig haben andere Krankenhäuser von der universitären Expertise und dem Austausch profitiert. Dieser Netzwerkgedanke und eine klare Aufgabenteilung müssen zukünftig im Mittelpunkt der Kranken­hausplanung stehen. In diese Richtung hat sich im Übrigen auch der Wissenschaftsrat geäußert. Der Bund muss, wie erwähnt, einen dauerhaften Beitrag zur Investitionsfinanzierung der Krankenhäuser leisten. Dabei sind auch die Universitätsklinika mit einzubeziehen.

Nach der Bundestagswahl: Was verändert werden müsste

Mit Blick auf die Wahl, das Interesse an und den Stellenwert von Gesundheit durch die Pandemie, stellt sich die Frage: Was müsste eigentlich wirklich im Gesundheitswesen verändert werden? Antworten von 18 Expertinnen und Experten. Zeitmangel in der Versorgung, mehr medizinische Fachkräfte, Sektorengrenzen überwinden sowie mehr Investitionen in Krankenhäuser und eine bessere Bezahlung in der

DÄ: Welche Lehren bezüglich der Ausbildung des ärztlichen Nachwuchses kann und sollte die nächste Bundesregierung aus der Pandemie ziehen?
Frosch: Es gibt in der Hochschulmedizin einen enormen Bedarf an forschenden klinisch tätigen Ärztin­nen und Ärzten. Allerdings fehlt es für den wissenschaftlichen Nachwuchs bisher an flächendeckenden Freiräumen für die eigene Forschung. Viele Medizinische Fakultäten haben deshalb begonnen, entsprechende Strukturen aufzubauen. Mittelfristig ist eine breite Förderung unumgänglich, um die vielerorts bereits erfolgreich installierten Clinician-Scientist-Programme weiterführen zu können.

DÄ: Nach der Wahl soll eine Reform der Ärztlichen Approbationsordnung verabschiedet werden. Ein Entwurf des Bundesgesundheitsministeriums liegt bereits vor. Welche Modifikationen fordern Sie von der Politik?
Frosch: Der Referentenentwurf sieht unter anderem vor, das Medizinstudium gemäß Masterplan Medizinstudium 2020 noch stärker als bislang kompetenzorientiert auszugestalten. Insbesondere dem Nationalen Kompetenzbasierten Lernzielkatalog Medizin (NKLM) als verbindlichem Qualifikations­rahmen wird dabei eine zentrale Bedeutung zugesprochen.

Dies ist erfreulich und wird maßgeblich dazu beitragen, umfassend auf den ärztlichen Berufsalltag vorzubereiten. Wenn die Qualität der Lehre umfangreich verbessert werden soll, müssen jedoch erhebliche zusätzliche Ressourcen dafür zur Verfügung gestellt werden. Erfreulich ist auch, dass sich in dem Kontext auf Bund-Länder-Ebene mittlerweile ein konstruktiver Dialog abzeichnet und eine Koordinierung für einen Kompromiss stattfindet.

Neben den offenen Finanzierungsfragen ergeben sich auch eine Reihe von organisatorischen Hürden und umzusetzenden Vorgaben. Insbesondere bei den staatlichen Prüfungen muss die Umsetzungs- und Sicherstellungsverantwortung der Landesprüfungsämter klarer als bislang formuliert werden.

Auch bezüglich des Umfangs und der überregulierten Ausgestaltung der staatlichen Prüfungen gibt es erheblichen Nachbesserungsbedarf. Die Vorgaben zu den staatlichen Prüfungen sind überreguliert und der M3-OSCE ist zu streichen. Und nicht zuletzt müssen die Voraussetzungen zur Stärkung der Lehre in der hausärztlichen Versorgung geschaffen werden. Die Auswahl und Qualitätssicherung der beteiligten Lehrpraxen müssen dabei weiterhin in der alleinigen Verantwortung der Fakultäten liegen.

DÄ: Die Digitalisierung des deutschen Gesundheitssystems ist in den letzten Jahren stark vorange­schritten. Dabei verändert die digitale Transformation auch das ärztliche Berufsbild. Wie sollte die Politik aus Ihrer Sicht diesen Wandel unterstützen?
Frosch: Der Referentenentwurf der neuen Ärztlichen Approbationsordnung gibt nur wenige Anhalts­punkte, wie digitale Lehr- und Lerntechnologien sinnvoll und flächendeckend eingesetzt werden können. Das ist bedauerlich, da die digitale Transformation bereits mit entsprechenden Lehrformaten im Studium beginnt.

Die Medizinischen Fakultäten haben in den letzten Jahren umfangreiche Erfahrungen im Einsatz der digitalen Lehre gesammelt. Deshalb sollten digitale Lehrformate für alle Studierenden in die neue Approbationsordnung aufgenommen werden. Die Politik ist gehalten, den Ausbau lokaler und nationaler Lehr-/Lernressourcen intensiv zu fördern. Auch hier bedarf es im Übrigen einer nachhaltigen Finanzie­rung für den Aufbau und Betrieb der erforderlichen IT-Infrastrukturen. © ER/aerzteblatt.de

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