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Politik

2G-Modell in Hessen umstritten

Montag, 13. September 2021

/picture alliance / CHROMORANGE, Michael Bihlmayer

Wiesbaden/Hanau – Die von Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) geplante Zulassung des sogenannten 2G-Modells stößt bei vielen betroffenen Anbietern auf Skepsis. Sowohl das hessische Gastgewerbe als auch das Friseurhandwerk warfen der Landesregierung vor, sie verlagere die Debatte um Impfquoten und Impfbereitschaft zu den Betrieben.

„Die Politik kann es nicht entscheiden, somit wird es auf die Wirtschaft abgewälzt über das Hausrecht“, sagte René Hain, Geschäftsführer des Landesinnungsverbandes des Friseurhandwerks Hessen, der Deutschen Presse-Agentur. Sehr verhalten zu den Plänen äußerte sich auch der hessische Industrie- und Handelskammertag.

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Bouffier hatte ankündigt, dass das Coronakabinett der Landesregierung in seiner nächsten Sitzung morgen voraussichtlich das Corona-2G-Modell für hessische Gastronomen, Veranstalter und Friseure zulassen werde. Die neue Coronaverordnung des Landes soll demnach privaten Anbietern die Möglich­keit geben, nur Geimpften und Genesenen (2G) den Zutritt zu ihren Räumen zu erlauben.

Veranstalter, Wirte und Friseure sollen dann selbst entscheiden können, ob sie nur geimpfte und genesene Menschen einlassen, die dann weitgehend von den Coronaeinschränkungen befreit seien, erklärte ein Regierungssprecher. In der öffentlichen Daseinsvorsorge etwa beim Besuch von Behörden und im ÖPNV bleibe es aber beim 3G-Modell, das auch negativ Getestete einschließt. Die aktuelle hessische Coronaverordnung ist bis zum 16. September befristet.

Hier werde „eine Grundsatzdebatte an die Schwelle der Restauranttür getragen“, sagte der Hauptge­schäftsführer des Branchenverbandes Dehoga in Hessen, Julius Wagner. „Nach Monaten, die bereits geprägt waren von unseligen Diskussionen mit vielen Gästen über die Maskenpflicht, die Kontaktda­tenerfassung, Abstandsregelungen & Co., ist das nun eine Kerndebatte aus der Mitte der Gesellschaft. Denn schließlich steht hier die Frage, ob man sich impfen lässt oder nicht, auf einmal im Raum.“

Ob das mögliche 2G-Modell angewendet wird oder nicht, dürfte aus Sicht Wagners entscheidend von den im Gegenzug gewährten Freiheiten abhängen. „Mindestens die Abstandsregelungen müssten ohne Wenn und Aber entfallen, auch die Maskenpflicht.“ Und das müsse auch für Clubs und Discos im Tanzbetrieb möglich sein.

Auch bei den Veranstaltern stoßen die Überlegungen auf Skepsis. Viele Unternehmen seien von den Coronamaßnahmen schwer gebeutelt, die Hilfsprogramme hätten den betroffenen Teilbranchen lange nicht das gebracht, was man sich erhofft habe, vielfach werde eine Ungleichbehandlung beklagt, sagte Wolfgang Weyand, Sprecher des Cluster Kreativwirtschaft in Hessen. „Die wahltaktische Diskussion, ob man von 3G auf 2G umstellt, ist nicht die flächendeckende Lösung.“

„Der Vorstoß macht die hessische Wirtschaft eher ratlos“, erklärte der Geschäftsführer des hessischen Industrie- und Handelskammertag, Robert Lippmann. Viele Betriebe würden damit vor eine schwierige Entscheidung gestellt. „Natürlich wollen alle größtmögliche Sicherheit gewährleisten. Aber kaum jemand möchte Kunden ausschließen, die nachweislich gesund oder aus unterschiedlichsten Gründen ungeimpft sind.“ Dazu gehörten schließlich auch Schwangere, Vorerkrankte und andere Gruppen.

Um potenzielle Konflikte wegen der Coronazutrittsregeln zu entschärfen, sind aus Expertensicht einheitliche gesetzliche Vorgaben nötig. „Es braucht eine eindeutige, klare Norm“, sagte der Marburger Sozialpsychologe Ulrich Wagner. Die 2G-Regel würde die Situation von Impfgegnern verschlechtern, von Befürwortern erleichtern - ein großes Konfliktpotenzial also. Daher seien einheitliche Regelungen so wichtig. Die Politik dürfe nicht herumlavieren, sagte Wagner weiter.

Sondern sie sollte sich einheitlich hinter das 2G-Modell stellen, auch um Misstrauen zu verhindern und Impfgegnerinnen und Gegnern die Botschaft zu senden: „Ihr seid hier die Minderheit.“ Falls die 2G-Regel dennoch komme, sollten die Betriebe vor Ort auf eindeutige Botschaften setzen, um Eskalationen zu vermeiden, rät der Forscher. © dpa/aerzteblatt.de

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Avatar #704484
Dr. Eckhoff
am Montag, 13. September 2021, 18:36

Dr.P.-U. Eckhoff, Orthopäde

Auch Geimpfte können noch Viren verbreiten. Stimmt die Meldung aus Münster? Im Club eine Feier, Einlaß nach 2G. 390 Teilnehmer, am Ende 39 Neu- bzw. Wiederinfektionen. Eigentlich ist es fahrlässig die Geimpften ohne Kontrolle überall hinzulassen und anderen den Zugang trotz Test zu verweigern. Wissenschaftlich kann dieses Vorgehen nicht gerechtfertigt werden, es klingt eher nach Gutsherrenmentalität.
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