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Medizin

Typ-2-Diabetes: Diät aus Apotheke erreicht häufig Remission

Montag, 18. Oktober 2021

/neirfy, stock.adobe.com

Vancouver – Eine kohlenhydratarme Diätnahrung aus der Apotheke hat in einer randomisierten Studie bei 1/3 aller Typ-2-Diabetiker innerhalb von 12 Wochen eine Remission erzielt. Die Reduktionsdiät erfolgte unter Anleitung eines Coaches, der die Patienten beriet, und eines Apothekers, der die Dosis der Medikamente (nach einem von Ärzten vorgegebenen Plan) senkte. Komplikationen sind laut der Studie in Nature Communications (2012; DOI: 10.1038/s41467-021-25667-4) nur bei Patienten aufgetreten, die sich nicht an die Vorgaben hielten.

Dass eine Reduktionsdiät die Glukosewerte von Patienten mit Typ-2-Diabetes senken kann und häufig eine Remission erzielt, konnte bereits in früheren Studien gezeigt werden. Ein Beispiel ist die DiRECT-Studie, die Patienten mit einem seit weniger als 6 Jahren bestehenden Typ 2-Diabetes an Hausarzt­praxen auf 825-853 kcal/Tag gesetzt hatte.

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1/3 der Patienten verlor innerhalb von 12 Wochen 15 kg und konnte das neue Gewicht unter einer fortgesetzten Diätberatung für den Rest des Jahres halten. Fast die Hälfte der Patienten (46 %) hatte nach 52 Wochen auch ohne Medikamente einen normalen Blutzucker (im Gegensatz zu 4 % in der Kontrollgruppe). Die von einem Team um Roy Taylor von der Universität Newcastle im Lancet (2018; DOI: 10.1016/S0140-6736(17)33102-1) publizierten Ergebnisse haben jedoch keine Schule gemacht, da es aus verschiedenen Gründen schwierig ist, eine Diätberatung in der hausärztlichen Praxis zu etablieren.

Medizinern der Universität in Vancouver/Kanada und der Teesside University in Middlesbrough/England haben deshalb ein Konzept entwickelt, das die Apotheken in den Mittelpunkt stellt. Die Diabetiker haben aufgrund ihrer Medikation bereits einen Kontakt zu der Apotheke, die sie in der Regel häufiger aufsuchen als den Hausarzt. Das Team um Jonathan Little installierte an einigen Apotheken einen Coach, der die Patienten während einer Reduktionsdiät begleitete, die mit einer in Kanada an den Apotheken angebotenen Ersatznahrung erfolgte (der Hersteller war nicht Sponsor der Studie).

Zu Beginn der Studie erfolgte eine ärztliche Untersuchung, die sicherstellen sollte, dass keine Risiko­patienten teilnahmen. Zu den Ausschlusskriterien gehörten ein Herzinfarkt in den letzten 2 Jahren, eine aktuelle instabile kardiovaskuläre Störung, Lebererkrankungen in der Vorgeschichte, aktuelle Nieren­erkrankungen, eine eingeschränkte Nierenfunktion und einige andere Gesundheitsstörungen.

Am Ende wurden 188 Patienten für die Studie ausgewählt, die zu gleichen Teilen auf eine Diät oder eine Kontrollgruppe randomisiert wurden. Die Patienten der Diätgruppe waren im Durchschnitt 56 Jahre alt und ihr Typ-2-Diabetes war seit 11,8 Jahren bekannt (also deutlich länger als in der DiRECT-Studie). Anders als in der DiRECT-Studie wurden die Diabetesmedikamente nicht komplett vor Studienbeginn abgesetzt, was in dem fortgesetzten Stadium des Diabetes nicht mehr möglich war, da einige Patienten bereits Insulin injizierten.

Die Ärzte stellten jedoch einen Medikationsplan auf, der vor Beginn der Diät eine Dosisreduktion (bei vielen Antidiabetika um die Hälfte) vorsah. Die Aufgabe des Apothekers bestand darin, den Therapieplan bei den Patienten umzusetzen und eventuell auf veränderte Blutzuckerwerte der Patienten zu achten, die diese wie zuvor weiter kontrollieren sollten. In der Apotheke wurden einmal wöchentlich Gewicht, Bauchumfang, Körperfett, Blutdruck und der Ketonwert im kapillaren Blut kontrolliert. Eine ausführliche ärztliche Laborkontrolle erfolgte erst wieder nach 12 Wochen beim Abschluss der Reduktionsdiät.

Zu diesem Zeitpunkt hatten die Patienten im Durchschnitt von 102,3 kg auf 91,9 kg abgenommen. Der Bauchumfang war von 115,6 auf 102,4 cm zurückgegangen. Auch der Blutdruck war von 138/80 mm Hg auf 124/75 mm Hg gesunken. Die Triglyzeride waren von 1,97 auf 1,00 mmol/l gesunken und auch die Leberwerte hatten sich deutlich gebessert (GGT von 40,8 auf 19,5 mmol/l), obwohl die Patienten ihren bewegungsarmen Lebensstil weitgehend beibehalten hatten.

Deutlich gesunken waren auch der Nüchternblutzucker von 9,3 mmol/l auf 7,2 mmol/l und der HbA1c-Wert von 7,9 % auf 6,4 %. Von den 98 Patienten, die die Diät bis zum Ende durchgeführt hatten, konnten 35 (35,7 %) alle Antidiabetika, einschließlich des Insulins absetzen. In der Kontrollgruppe war dies bei keinem einzigen Patienten möglich gewesen. Die Remissionsrate war zwar niedriger als in der DiRECT-Studie, die Patienten litten jedoch schon deutlich länger an einem Typ-2-Diabetes, was die Chancen auf eine Remission senkt.

Schwerwiegende Komplikationen sind laut Little nicht aufgetreten bis auf 2 leichte hypoglykämische Ereignisse (mit aufgezeichneten Blutzuckerwerten von 4,1 mmol/l und 3,5 mmol/l). Beide Ereignisse traten bei Patienten auf, die ihre Insulindosis nicht um die empfohlene Menge reduziert hatten. Die Störungen konnten in der Apotheke durch eine orale Aufnahme von Glukose schnell beendet werden. © rme/aerzteblatt.de

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