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Medizin

Studie: ADHS könnte Demenzrisiko im Alter erhöhen

Freitag, 15. Oktober 2021

/burdun, stock.adobe.com

Stockholm – Die Eltern und Großeltern von Patienten mit einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperakt­ivitäts­störung (ADHS) hatten in einer bevölkerungsbasierten Studie ein erhöhtes Risiko, im Alter an einer Demenz zu erkranken. Epidemiologen vermuten deshalb in Alzheimer’s & Dementia (2021; DOI: 10.1002/alz.12462), dass auch die ADHS-Patienten selber demenzgefährdet sind.

Obwohl etwa 3 % der Bevölkerung an einer ADHS leiden, wurde die Diagnose in der Vergangenheit selten gestellt. Die Erkrankung wurde als Charaktereigenschaft der Betroffenen gedeutet, die nicht von medizinischem Interesse ist.

Es gibt deshalb kaum Untersuchungen zu den möglichen Langzeitfolgen der Erkrankung, zu denen nach Ansicht von Le Zhang vom Karolinska Institut in Stockholm eine Demenz zählen könnte. Die Patienten könnten langfristig durch einen ungesunden Lebensstil gefährdet sein, der laut Zhang durch verschie­dene Studien dokumentiert ist: ADHS-Patienten rauchen häufiger, sind anfälliger für einen Drogen­konsum, und auch Bluthochdruck und Typ-2-Diabetes sind bei ihnen häufiger.

Es könnte auch gemeinsame genetische Wurzeln beider Erkrankungen geben. Denkbar ist für Zhang aber auch, dass die Symptome der ADHS im Alter als Demenz gedeutet würden (dann wäre das Risiko nur scheinbar erhöht).

Prüfen lässt sich die Hypothese derzeit nicht, da die ADHS erst seit einigen Jahrzehnten diagnostiziert wird und die Patienten noch nicht das Alter erreicht haben, in dem es zu einer Zunahme von Demenz­erkrankungen kommt. Wenn es allerdings gleiche genetische Wurzeln oder eine verhaltensbedingte familiäre Häufung gibt, dann sollten die Eltern der heutigen ADHS-Patienten im Alter ebenfalls häufiger an einer Demenz erkranken.

Genau dies kann Zhang jetzt in einer Analyse schwedischer Personen- und Patientenregister zeigen. Zunächst ermittelte Zhang, dass bei 68.379 von 2,13 Mio. Schweden der Jahrgänge 1980 und 2001 eine ADHS diagnostiziert wurde, was eine Prävalenz von 3,21 % ergibt. Zhang hat die ADHS-Diagnose der jungen Erwachsenen (medianes Alter 23 Jahre) mit den Demenz-Erkrankungen ihrer Eltern und Großeltern, aber auch von Onkeln und Tanten in Beziehung gesetzt.

Für die Eltern ermittelt der Epidemiologe eine adjustierte Hazard Ratio von 1,55, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,26 bis 1,89 signifikant war. Für die Großeltern war die adjustierte Hazard Ratio mit 1,11 (1,08 bis 1,13) niedriger, aber ebenfalls signifikant.

Für Tanten und Onkel ließ sich keine signifikante Assoziation nachweisen. Die Abnahme des Risiko mit zunehmender genetischer Entfernung des Verwandtschaftsgrades spricht für eine gewisse Dosiswir­kungsbeziehung, die in epidemiologischen Studien immer ein Hinweis auf eine Kausalität ist. Beweisen kann die Studie dies jedoch nicht. © rme/aerzteblatt.de

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