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Medizin

Studie: Chronischer Stress kann zur arteriellen Hypertonie führen

Mittwoch, 20. Oktober 2021

/vchalup, stock.adobe.com

Los Angeles – Stress steigert nicht nur akut den Blutdruck. Menschen mit chronischem Stress haben auch ein erhöhtes Risiko, langfristig an einer arteriellen Hypertonie zu erkranken. Dies zeigt die Auswertung einer prospektiven Beobachtungsstudie in Hypertension (2021; DOI: 10.1161/ HYPERTENSIONAHAN21.17618).

Die „Multi-Ethnic Study of Atherosclerosis“ (MESA) begleitet seit 2000/2 eine Kohorte erwachsener Amerikaner aus 6 US-Regionen, um die Ursachen für die unter Afroamerikanern häufigeren Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu ermitteln. Die Unterstudie „MESA-Stress“ untersucht dabei speziell den Einfluss der Psyche. Die Teilnehmer werden alle 2 Jahre untersucht. In der 3. und 4. Welle der Studie, die zwischen Juli 2004 und Oktober 2006 stattfand, wurden sie gebeten, eine nächtliche Urinprobe abzugeben, in der die Konzentration der Stresshormone Adrenalin, Noradrenalin, Dopamin und Cortisol bestimmt wurden.

Die Katecholamine Adrenalin und Noradrenalin sind die akuten Stresshormone, mit der das autonome Nervensystem auf Situationen reagiert, die das Gehirn für bedrohlich hält. Die Folge ist ein unmittel­barer Anstieg von Blutdruck, Atem- und Herzfrequenz, der dem Körper eine rasche Reaktion in Form von Flucht oder Kampf ermöglicht. Bei Menschen, die häufig oder dauerhaft unter Stress stehen, sind die Urinkonzentrationen erhöht. Die Rolle von Dopamin, ebenfalls ein Katecholamin, ist komplexer und betrifft vor allem Nieren und Gastrointestinaltrakt.

Eine vermehrte Bildung von Cortisol ist eine chronische Stressreaktion. Das Hormon wirkt mit zeitlicher Verzögerung aber länger. Es stellt den Stoffwechsel auf die Bereitstellung von Glukose um, die die notwendige Energie für schnelle Abwehrreaktionen liefert. Cortisol schränkt auch Funktionen ein, die in einer Kampf- oder Flucht-Situation eher hinderlich wären.

Dazu gehören energieverbrauchende Funktionen des Immunsystems und der Verdauung. Auch Fort­pflanzung und Wachstumsprozesse werden gestoppt. Da es auf den Endothelien zahlreiche Glukokorti­koid-Rezeptoren gibt, sind auch negative Auswirkungen auf den Blutdruck möglich, bei deren Regulation die Endothelien eine zentrale Rolle spielen.

Die Analyse der Urinproben ergab, dass Personen mit erhöhten Cortisolwerten in den Folgejahren häufiger eine arterielle Hypertonie entwickelten. Kosuke Inoue von der Fielding School of Public Health in Los Angeles und Mitarbeiter beschränkten die Analyse auf 412 Erwachsene im Alter von im Mittel 61,2 Jahren, die zu Beginn der Studie noch normale Blutdruckwerte hatten. Nach median 6,5 Jahren hatte jeder 2. eine Hypertonie entwickelt. Für jede Verdopplung des Cortisolwertes bei der Eingangs­untersuchung stieg das Risiko um 23 %. Die adjustierte Hazard Ratio (aHR) von 1,23 war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,04 bis 1,44 signifikant.

Noch größer war der Einfluss der Katecholamine. Inoue ermittelt eine aHR von 1,31 (1,06 bis 1,61) für eine Verdopplung der Noradrenalin-Ausscheidung im Urin. Für Adrenalin (aHR 1,21; 1,03 bis 1,41) und Dopamin (aHR 1,28; 1,00-1,64) waren die Assoziationen ebenfalls signifikant.

Die Stressfolgen auf den Blutdruck waren bei jüngeren Teilnehmern (Alter unter 60 Jahre) stärker ausgeprägt als bei älteren Personen (ab 60 Jahre). Besonders deutlich war dies für Dopamin und Cortisol.

Für Cortisol (nicht aber für die Katecholamine) war nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 11,2 Jahren auch ein erhöhtes Risiko auf kardiovaskuläre Ereignisse nachweisbar. Deren Häufigkeit verzweifachte sich mit jeder Verdoppelung der Ausscheidung im Urin (aHR 1,90; 1,16 bis 3,09).

Die Studie bestätigt die „Mind Heart Body“-Hypothese (Circulation 2019; DOI: 10.1161/CIRCULATIONAHA.119.041914), nach der psychischer Stress deutliche Auswirkungen auf Herz und Kreislauf hat. Diese Hypothese wurde bereits seit den 1980er Jahren vertreten, sie war danach jedoch lange in den Hintergrund geraten. Kardiologen wurde der Einfluss zuletzt durch das Takotsubo-Syndrom vor Augen geführt, bei der Patienten stressbedingt Symptome eines akuten Koronarsyndroms zeigen.

Bei der Herzkatheteruntersuchung werden dann jedoch häufig keine Veränderungen in den Koronararterien gefunden, während die linke Herzkammer eine Verformung zeigt, die die japanischen Erstbeschreiber an eine Tintenfischfalle (Takotsubo) erinnerten und die bei den Patienten die Herzleistung akut einschränken kann. © rme/aerzteblatt.de

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Kommentare

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Avatar #967107
Köfer
am Mittwoch, 20. Oktober 2021, 18:02

Chronischer Stress bedeutet auch

hohen Vitamin-C-Bedarf und damit Vitamin-C-Mangel und dieser wieder arteriosklerotische Plaques in den Gefäßen: http://0-niedermayer.at/Emai.htm
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