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Medizin

COVID-19: Autoantikörper könnten Patienten langfristig schaden

Dienstag, 14. September 2021

/Axel Kock, stock.adobe.com

Palo Alto/Kalifornien – Viele Patienten, die wegen COVID-19 im Krankenhaus behandelt werden, haben Autoantikörper im Blut, die auch bei seltenen Autoimmunerkrankungen auftreten. Das Forscherteam befürchtet in Nature Communications (2021; DOI; 10.1038/s41467-021-25509-3), dass dies langfristige Folgen für die Patienten haben könnte.

Einige Symptome von COVID-19 wie Arthralgien, Myalgien, Müdigkeit, Trockenheit der Augen und Haut­ausschläge sind typische Kennzeichen von Autoimmunerkrankungen. Dies gilt auch für eine COVID-19-Komplikation wie Myokarditis, Arthritis, Enzephalitis und Vaskulitis. Tatsächlich wurden in früheren Studi­en bereits Autoantikörper im Blut von COVID-19-Patienten gefunden.

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Auch ein Team um Paul Utz von der Stanford Universität in Palo Alto/Kalifornien wurde bei 147 hospita­lisierten Patienten fündig. Bei jedem 4. wiesen die Immunologen antinukleäre Antikörper (ANA) nach, die bei einer Reihe von Autoimmunerkrankungen auftreten.

Die Forscher entschieden sich für eine systematische Suche nach weiteren Autoantikörpern. Als „Köder“ diente ein Assay mit 53 Antigenen, die ein häufiges Ziel von Autoantikörpern bei Sklerodermie, syste­mischem Lupus erythematodes, Sjögren-Syndrom, Mischkollagenose und endokrine Autoimmuner­krankungen sind. Dieses Mal wurden bei bis zu 60 % der Patienten Autoantikörper gefunden gegenüber nur 15 % in einer Gruppe von gesunden Kontrollen.

In einem weiteren Test fanden die Forscher bei 80 % der Patienten Antikörper gegen Zytokine, die bei schweren Verläufen von SARS-CoV-2 freigesetzt werden.

Durch die serielle Untersuchung mehrerer Blutproben konnten die Forscher zeigen, dass viele Antikörper bei der Aufnahme in der Klinik noch nicht vorhanden waren. Sie müssen deshalb eine Folge der Infek­tion sein. Der Pathomechanismus ist noch unklar.

Eine Möglichkeit ist laut Utz ein vorübergehender Verlust der Selbsttoleranz. Das Immunsystem lernt früh im Verlauf des Lebens, körpereigene Ziele zu verschonen. Diese aktive Leistung des Immunsystems könnte in einem immunologischen Notfall, bei der alle Kräfte benötigt werden, zeitweise verloren gehen.

Eine andere Erklärung wäre, dass einige Antigene des Virus zufälligerweise eine Ähnlichkeit mit körper­eigenen Antigenen haben, was als molekulare Mimikry bezeichnet wird. Die zunächst gegen das Virus gebildeten Antikörper würden dann körpereigene Zellen angreifen. Ein Hinweis darauf ist, dass die Autoantikörper zeitgleich mit den Antikörpern entstanden, mit denen die Viren bekämpft wurden. Außer­dem bildeten Patienten mit einer breiten Immunreaktion auf SARS-CoV-2 häufiger Autoantikörper.

Die wichtigste Frage lautet jetzt, ob die Autoantikörper nach dem Ende der Erkrankung wieder aus dem Blut verschwinden (etwa weil sich die Selbsttoleranz wieder erholt hat), oder ob sie lebenslang bestehen bleiben. Im letzten Fall könnte dies bedeuten, dass Genesene ein erhöhtes Risiko auf Autoimmunerkran­kungen haben, deren Prävalenz wegen der hohen Zahl der Infektionen dann deutlich ansteigen könnte. Als nächstes wollen die Forscher Patienten mit Post COVID untersuchen, um herauszufinden, ob die Auto­antikörper möglicherweise ein Grund für die langsame Erholung sind.

In einer früheren Studie in Nature (2021; DOI: 10.1038/s41586-021-03791-x) konnte Utz zeigen, dass Geimpfte keine Autoantikörper bilden. Der Forscher führt dies auf die deutlich verminderte Immun­reaktion zurück, die zudem bei den derzeit zugelassenen Impfstoffen auf das Spikeprotein des Virus beschränkt bleibt.

Ohne Autoantikörper besteht für Geimpfte auch kein erhöhtes Risiko auf eine Autoimmunerkrankung. Die Studie wirft auch ein Schlaglicht auf eine lange gehegte Vermutung, nach der bestimmte Infektions­erkrankungen eine spätere Autoimmunerkrankung triggern könnten. Die derzeitigen Erkenntnisse zu COVID-19 könnten der Forschung hier neue Impulse liefern. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #971158
Doro H
am Dienstag, 21. September 2021, 22:44

Covid Impfung bei Auto AK

Ich möchte mich der Frage von Heidi W. anschließen und gern wissen, ob eine Covid Impfung nach mittelschwerem Verlauf einer Covid Infektion wegen Auto Antikörpern und Stoß-Behandlung mit Cortison empfohlen werden kann oder ob die Impfung die verbliebene Restsymptomatik wieder verschlimmert und gar bleibende Schäden an Herz-Kreislauf-System und Nerven nach sich zieht.
Avatar #807933
P. D.
am Donnerstag, 16. September 2021, 22:40

Heidi: Mein Fall

Sehr interessante Frage, genau mein Fall. Gern Fragen an mich per E-Mail.
Avatar #768001
Heidi W.
am Dienstag, 14. September 2021, 19:28

Impfung bei bestehenden Autoimmunerkrankungen

Es stellt sich mir die Frage wie das Immunsystem einer Person auf eine COVID - Impfung reagiert die bereits nachweislich ANA im Blut hat und zu dem an einer Reihe Autoimmunerkrankungen leidet ( Hashimoto Thyreoditis, Typ I Diabetes, rezidi. Vaskulitis ). Würde das Immunsystem dadurch getriggert und einen neuen Schub verursachen? ( Die betr. Person nimmt keine Immunsuppresiva )
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