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Medizin

Long COVID ist bei Tumorpatienten häufiger und mit erhöhter Mortalität assoziiert

Montag, 20. September 2021

/rost9, stock.adobe.com

Berlin/Köln – Die Prävalenz der Langzeitfolgen von COVID-19 liegt für Tumorpatienten bei circa 15 %. Das ergibt eine Analyse aus dem europäischen Register OnCOVID, in dem die COVID-19-Verläufe von Krebspatienten dokumentiert werden. Auch Deutschland arbeitet am Register mit. Demnach leidet min­des­tens jeder 6. Krebspatient viele Wochen nach Genesung von COVID-19 noch an mindestens einem Symptom der Infektion, vor allem an respiratorischen Problemen und an chronischer Fatigue.

Die entsprechenden Daten werden bei der Jahrestagung der European Society for Medical Oncology (ESMO) 2021 vom 16. - 21. September vorgestellt. Die Konferenz findet das 2. Jahr in Folge wegen der Coronapandemie virtuell statt.

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„Mit einer Prävalenz von 15 % sind das post-akute oder auch das Long-COVID-Syndrom bei Krebspa­tienten vergleichsweise häufig“, erläuterte Alessio Cortellini von der Universität l’Aquila in Italien bei einer virtuellen Pressekonferenz zum Kongress.

„Krebspatienten mit post-akuten COVID-19-Symptomen wiederum haben ein um 76 % erhöhtes Morta­litätsrisiko, auch wenn alle relevanten Einflussfaktoren wie Alter, Komorbiditäten oder Tumorentität berücksichtigt werden“, so Cortellini. Ein weiterer Risikofaktor für eine erhöhte Sterblichkeit sei eine dauerhafte Unterbrechung der systemischen Tumortherapie.

Rechtzeitige Anpassung der Krebstherapie wichtig

Werde bei Tumorpatienten mit COVID-19, zum Beispiel wegen einer Verschlechterung des Gesamtzu­standes, die systemische Krebsbehandlung komplett ausgesetzt, erhöhe sich das Risiko zu sterben um den Faktor 3,5. Eine Anpassung der Medikation hingegen sei nicht mit erhöhter Sterblichkeit assoziiert. „Ziel der Onkologie sollte sein, Tumorpatienten mit deutlich erhöhtem Risiko durch COVID-19 frühzeitig zu erkennen und die Krebsbehandlung so anzupassen, dass ein komplettes Aussetzen der Therapie nicht erforderlich ist“, sagte Cortellini.

Patienten mit Malignomen gelten generell als Risikopatienten für Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus, da schwere Verläufe bei ihnen häufiger sind. Weltweit werden auf Basis von Registern die Einflussfaktoren für schwere Verläufe untersucht. Dabei werden COVID-19-Symptome, die > 4 Wochen nach Krankheitsbeginn noch andauern, als „Long COVID“ bezeichnet. In der allgemeinen Bevölkerung wird dieser Anteil auf circa 10 % geschätzt (BMJ, 2020; DOI: 10.1136/bmj.m2815). Krankheitsbilder, die mehr als 12 Wochen bestehen oder neu auftreten, werden als Post-COVID-Syndrom beschrieben.

An der OnCOVID-Studie beteiligen sich derzeit 35 medizinische Einrichtungen aus 6 europäischen Ländern. Die bei der ESMO-Tagung vorgestellten Daten stammen aus einem Zeitraum zwischen Februar 2020 und Februar 2021 und umfassen 2795 Krebspatienten mit COVID-19.

Bei 1.557 von ihnen, die COVID-19 überlebt hatten, konnten potenzielle Langzeitfolgen nach Genesung erhoben werden. Der Status wurde durchschnittlich 128 Tage nach Genesung erfasst. 234 Patienten (15 %) hatten danach mindestens noch 1 Symptom, zu 49,6 % Probleme mit den Atemwegen und zu 41 % anhaltende Müdigkeit. Gewichtsverlust wurde bei 5,5 % registriert und neurokognitive Probleme bei 7,3 %.

Überlebensraten sinken bei komplettem Absetzen rasch

Von 473 Patienten mit systemischer Krebstherapie wurde bei 14,8 % die Antitumormedikation dauerhaft abgesetzt und bei 37,8 % erfolgten Dosis- oder Regimeanpassungen. Bei dauerhaftem Absetzen fielen die Überlebensraten rasch ab, bei Anpassungen der Dosierungen oder der Substanzen dagegen verlief die Überlebenskurve vergleichbar mit der von Patienten ohne Anpassungen der systemischen Therapie.

„Bei der Behandlung von Tumorpatienten mit COVID-19 ist es wesentlich, die Krebstherapie nicht komplett zu unterbrechen aber auch COVID-19 frühzeitig so effektiv zu therapieren, dass Langzeitfolgen vermieden werden. Denn diese erhöhen die Sterblichkeit der Krebspatienten“, so Cortellini. © nsi/aerzteblatt.de

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