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Medizin

Ebolaimpfstoffe erzielen gute Schutzwirkung in Sierra Leone

Mittwoch, 20. Oktober 2021

/nanomanpro, stock.adobe.com

London – 5 Jahre nach dem Ende der bisher größten Ebolaepidemie, der in Westafrika mehr als 11.000 Menschen zum Opfer fielen, liegen die Endergebnisse einer Phase-3-Studie zu 2 Impfstoffen aus einem der betroffenen Länder vor. Die beiden Vakzinen, die ein Oberflächenprotein des Virus exprimieren, haben laut den Publikationen in Lancet Infectious Diseases (2021; DOI: 10.1016/S1473-3099(21)00125-0 und DOI: 10.1016/S1473-3099(21)00128-6) bei 98 % der geimpften Kinder und Erwachsenen eine ausreichende Antikörperantwort erzielt.

Die Ebolafieberepidemie von 2014 bis 2016 hat der Welt noch vor der aktuellen Pandemie vor Augen geführt, welche Gefahren von exotischen Viren für die Menschheit ausgehen können, wobei das Ebola­virus für die infizierten Menschen weitaus gefährlicher ist als SARS-CoV-2. In den 3 am meisten betrof­fenen Ländern Guinea, Liberia und Sierra Leone waren damals 40 % der Erkrankten gestorben. Obwohl das Ebolavirus deutlich weniger ansteckend ist als SARS-CoV-2, konnte eine Ausbreitung auf andere Länder nur mit Mühe verhindert werden.

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Verschiedene Hersteller haben noch während der Epidemie mit der Entwicklung von Impfstoffen begon­nen. Die modernsten Impfstoffe waren damals gentechnisch modifizierte Viren, die das Glykoprotein des Ebolavirus auf ihrer Oberfläche tragen. Der erste Impfstoff war VSV-EBOV. Er wurde von der kanadischen Gesundheitsbehörde entwickelt und bereits 2015 in Guinea getestet. Seit 2019 ist die Ebolavakzine in den USA und in Europa als Ervebo von Merck (MSD) zugelassen.

Der 2. Impfstoff Zabdeno/Mvabea von Janssen (Johnson & Johnson) kombiniert 2 Trägerviren. Zab­de­no besteht aus dem Adenovirus „Ad26.ZEBOV“, Mvabea aus dem Modified-Vaccinia-Ankara-Virus „MVA-BN-Filo“, einem abgeschwächten Kuhpockenvirus. Beide Viren enthalten das Gen für das Oberflächenprotein des Erregers, allerdings nicht wie bei den Coronaimpfstoffen als Fracht, die sie nach der Infektion in den Zellen abladen, wo der Impfstoff dann produziert wird. „Ad26.ZEBOV“ und „MVA-BN-Filo“ enthalten das Ebolaprotein auf ihrer Oberfläche, sie sind also selbst der Impfstoff.

„Ad26.ZEBOV“ und „MVA-BN-Filo“ wurden zunächst in mehreren Phase-1-Studien in Afrika, aber auch in Großbritannien und den USA auf ihre Sicherheit geprüft. Die Phase-3-Studien, deren Ergebnisse jetzt vorliegen, wurden dann vor Ort in Sierra Leone durchgeführt. Die Impfung besteht aus 2 Dosierungen. Die 1. Dosis ist „Ad26.ZEBOV“ und die 2. Dosis „MVA-BN-Filo“.

Die Studie war in 2 Phasen unterteilt. In der Phase 1 wurden 43 Erwachsene im Alter von 18 Jahren oder älter geimpft, um Informationen über die Sicherheit und Immunogenität des Zweidosenimpfschemas zu erhalten. In der Phase 2 wurden 400 Erwachsene und 576 Kinder oder Jugendliche im Alter von 1 bis 17 Jahren geimpft. Erwachsene, die an der Stufe 1 der Studie teilgenommen hatten, konnten auf Wunsch 2 Jahre nach der 1. Dosis eine Auffrischungsdosis mit A26.ZEBOV erhalten.

Die jetzt von einem Team um Daniela Manno von der London School of Hygiene & Tropical Medicine (LSHTM) vorgestellten Ergebnisse zeigen, dass die Impfung in beiden Phasen bei 98 % der erwachsenen Probanden Antikörper-Titer erzielt hat, die eine gute Schutzwirkung anzeigen. Muhammed Afolabi, ebenfalls von der LSHTM, kommt für Kinder zu gleich guten Ergebnissen. Auch hier entwickelten 98 % nach der Impfung eine vermutlich ausreichende Immunität gegen Ebola. Die Teilstudie zu Kindern war durchgeführt worden, weil in der Ebolafieberepidemie von 2014 bis 2016 1/5 der Patienten unter 18 Jahre alt war.

Die Ergebnisse der Studie haben bereits im July 2020 zur Zulassung durch die Europäische Kommission geführt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat sich im Rahmen ihres „prequalification“-Programms für den Einsatz ausgesprochen.

Der Impfstoff wurde bereits 2019 bei dem bisher zweitschwersten Ausbruch 2018-2020 in der Demo­kratischen Republik Kongo eingesetzt. Im Nachbarland Ruanda wurden 200.000 Personen vollständig gegen Ebola geimpft. Auch hier sind keine wesentlichen Sicherheitsprobleme aufgetreten. Die Welt dürfte deshalb auf weitere Ebolaepidemien besser vorbereitet sein, als Anfang 2020 auf die COVID-19-Pandemie. © rme/aerzteblatt.de

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