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Medizin

Checkpointinhibitor aus China verlängert Leben bei Plattenepithel­karzinom des Ösophagus

Freitag, 17. September 2021

/CLIPAREA.com, stock.adobe.com

Peking/Guangzhou – Eine Behandlung mit dem Checkpointinhibitor Camrelizumab kann in Kombi­nation mit einer Chemotherapie die Überlebenszeit von Patienten mit einem Plattenepithelkarzi­nom des Ösophagus (ESCC) verlängern. Nachdem dies im letzten Jahr für die Zweitlinientherapie bei Patienten mit fortgeschrittenen und metastasierten Tumoren gezeigt werden konnte, hat der Hersteller den Nutz­en jetzt in einer Phase-3-Studie auch für die Erstlinientherapie nachgewiesen.

Chinesische Pharmafirmen stellen längst nicht mehr nur Wirkstoffe in Lizenz für den westlichen Markt her. Die Forschungsabteilungen entwickeln auch eigene Mittel und dies nicht nur im Bereich der tradi­tionellen chinesischen Medizin. Der Hersteller Jiangsu HengRui aus Guangzhou bietet einen Antikörper gegen den Rezeptor des Liganden PD-1 an, der Krebszellen daran hindern soll, die körper­eigene Krebs­abwehr auszuschalten. Es handelt sich also um einen Checkpointinhibitor für die Krebsimmuntherapie.

Im letzten Jahr hatten Mediziner vom 5. Medizinischen Zentrum in Peking in Lancet Oncology (2021; DOI: 10.1016/S1470-2045(20)30110-8) die Ergebnisse der ESCORT-Studie vorgestellt, an der 448 Patienten mit einem fortgeschrittenen oder metastasierten Plattenepithelkarzinom des Ösophagus teilgenommen hatten.

Diese Krebserkrankung ist in China weit verbreitet. Sie entwickelt sich zumeist im oberen Ösophagus. Zu den Risikofaktoren gehören Alkohol und Rauchen, aber auch sehr stark erhitzte Getränke, die in weiten Teilen Asiens sehr beliebt sind.

Die Patienten hatten bereits eine Chemotherapie erhalten, die jedoch erfolglos geblieben war. Als Zweitlinientherapie erhielten sie erneut eine Chemotherapie mit Paclitaxel und Cisplatin, die bei der Hälfte um den Checkpointinhibitor Camrelizumab ergänzt wurde.

Wie das Team um Jianming Xu berichtete, betrug das mediane Gesamtüberleben in der Camrelizumab-Gruppe 8,3 Monate gegenüber 6,2 Monaten in der Chemotherapiegruppe. Die Hazard Ratio von 0,71 war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,57 bis 0,87 signifikant. Schwerwiegende behandlungsbedingte Nebenwirkungen traten in der Camrelizumabgruppe bei 37 von 228 Patienten (16 %) auf und damit nicht häufiger als in der Chemotherapiegruppe mit 32 von 220 Patienten (15 %).

Jetzt stellt ein Team vom Krebszentrum der Sun Yat-sen Universität in Guangzhou in (JAMA, 2021; DOI: 10.1001/jama.2021.12836) auch die Ergebnisse der Parallelstudie ESCORT-1st vor, an der 596 Patienten mit fortge­schrittenem oder metastasiertem Plattenepithelkarzinom des Ösophagus teilnahmen, die noch keine Therapie erhalten hatten.

Alle Patienten (Durchschnittsalter 62 Jahre) erhielten 6 Zyklen einer Chemotherapie mit Paclitaxel und Cisplatin plus Camrelizumab oder Placebo. Endpunkte waren das progressionsfreie und das Gesamt­überleben. Wie das Team um Rui-Hua Xu berichtet, betrug die mediane Überlebenszeit in der Camrelizumab plus Chemotherapiegruppe 15,3 Monate gegenüber 12,0 Monaten in der Placebo plus Chemotherapiegruppe (Hazard Ratio 0,70; 0,56 bis 0,88). Das mediane progressionsfreie Überleben wurde auf 6,9 Monate verlängert gegenüber 5,6 Monate in der Vergleichsgruppe (Hazard Ratio 0,56; 0,46 bis 0,68).

Die Verträglichkeit entsprach den Erwartungen aus der ersten Studie. Behandlungsbedingte Nebenwir­kungen vom Grad 3 oder höher traten in der Camrelizumab-Chemotherapiegruppe bei 63,4 % der Patien­ten auf gegenüber 67,7 % der Patienten in der Kontrollgruppe. Darunter waren 9 (3,0 %) beziehungs­weise 11 (3,7 %) therapiebedingte Todesfälle.

Die Ergebnisse sind vergleichbar mit denen der KEYNOTE-590-Studie (Annals of Oncology, 2020; DOI: 10.1016/annonc/annonc325), in der der Checkpointinhibitor Pembrolizumab in Kombination mit einer Chemotherapie in der Erstlinientherapie des fortgeschrittenen Ösophaguskarzinoms zum Einsatz kam (An der Studie nahmen allerdings auch Patienten mit Adenokarzinomen teil).

Nach den im September 2020 auf der ESMO-Tagung von Ken Kato, vom japanischen Krebszentrum in Tokio vorgestellten Ergebnissen wurde das Gesamtüberleben von 9,8 auf 12,6 Monate verlängert (Hazard Ratio 0,72; 0,60 bis 0,88). Das progressionsfreie Überleben verlängerte sich von 5,8 auf 6,3 Monate (Hazard Ratio 0,54 bis 0,78).

Die Ergebnisse der ersten ESCORT-Studie haben in China zur Zulassung von Camrelizumab in der Zweitlinienbehandlung des Ösophaguskarzinoms geführt. Der Checkpointinhibitor ist dort auch zur Behandlung des Hodgkin-Lymphoms, des nichtkleinzelligen Lungenkarzinoms und des Leberkarzinoms zugelassen. Die Tochterfirma Hengrui strebt auch in den USA eine Zulassung zur Behandlung des Leberkarzinoms an. © rme/aerzteblatt.de

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