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Medizin

Typhus-Impfstoff schützt Kinder in Malawi

Freitag, 22. Oktober 2021

/picture alliance, Miro May

Liverpool – Eine einzelne Dosis des einzigen Typhusimpfstoffs, der auch für Kleinkinder zugelassen ist, hat sich in einer Feldstudie in Malawi als sicher erwiesen und nach den jetzt im New England Journal of Medicine (2021; DOI: 10.1056/NEJMoa2035916) publizierten Ergebnissen eine Schutzwirkung von 84 % erzielt.

Der Typhus abdominalis, der durch Salmonella enterica Serovar Typhi verursacht wird, ist weltweit für mehr als 9 Mio. Infektionen und 110.000 Todesfälle pro Jahr verantwortlich vor allem unter Schul- und Vorschulkindern. Schätzungsweise 1,2 Millionen Typhuserkrankungen und etwa 19.000 Todesfälle treten jährlich allein in Subsahara-Afrika auf.

Die Bedrohung durch die Erkrankung ist in den letzten Jahren mit der Ausbreitung von mehreren multi­re­sis­tenten (MDR) S. Typhi gestiegen, die gegen die Erstlinienwirkstoffe Chloramphenicol, Ampicillin und Cotrimoxazol resistent sind. In Subsahara-Afrika hat sich for allem der Stamm H58 ausgebreitet. Die Komplikationsrate liegt bei Kindern bei 21 %, darunter 3,6 % Dünndarmperforationen. Die Letalität liegt bei 2,1 %.

Inzwischen sind in Afrika auch einige Stämme gegen Fluorchinolone resistent, so dass die Gefahr von extensiv antibiotikaresistenten (XDR) Typhuserregern steigt, die sich in Pakistan bereits ausgebreitet haben und mit einer Resistenz gegen Fluorchinolone und Cephalosporine der 3. Generation die thera­peutischen Möglichkeiten stark einschränken. Um so wichtiger ist eine effektive und sichere Impfung.

Bei Kindern ab 6 Monaten ist einzig ein Konjugatimpfstoff zugelassen, bei dem das Vi-Polysaccharid­antigen an ein Tetanustoxoid gebunden ist. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt die „typhoid conjugate vaccine“ (TCV) seit 2017 für Regionen, in denen der Typhus abdominalis endemisch ist.

Der Impfstoff hat bereits in einer früheren Studie in Nepal eine Schutzwirkung von 81,6 % bei Kindern im Alter von 9 Monaten bis 16 Jahren erzielt (New England Journal of Medicine, 2019; DOI: 10.1056/NEJMoa1905047). In den letzten Jahren wurde er in Subsahara-Afrika in einer großen Feldstu­die getestet.

Die Studie wurde in 2 suburbanen Townships in Blantyre, einer mittelgroßen Stadt im Süden von Malawi, durchgeführt. Mehr als 28.000 Kinder im Alter von 9 Monaten bis 12 Jahren erhielten zur Hälfte den TCV und zur anderen Hälfte einen Meningokokken-Impfstoff (MenA).

Wie das Team um Melita Gordon von der Universität Liverpool berichtet, wurde in der TCV-Gruppe in den folgenden 18 bis 24 Monaten in der Impfstoffgruppe bei 12 Kindern eine invasive Erkrankung durch den Nachweis des Erregers in Blutkulturen diagnostiziert, was einer Inzidenz von 46,9 Fällen pro 100.000 Personenjahre entspricht.

In der MenA-Gruppe erkrankten dagegen 62 Kinder (243,2 Fälle pro 100.000 Personenjahre). Gordon ermittelt in einer „Intention to treat“-Analyse eine Impfstoffwirksamkeit von 80,7 % mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 64,2 % bis 89,6 %. In der „Per Protokoll“-Analyse, die nur Kinder berücksichtigt, die den Impfstoff tatsächlich erhalten haben, betrug die Impfstoffwirksamkeit 83,7 % (68,1 % bis 91,6 %).

Die Impfung hat sich laut Gordon als sicher erwiesen. Zwar wurden in den ersten 6 Monaten nach der Impfung 130 schwerwiegende unerwünschte Ereignisse beobachtet (52 in der TCV-Gruppe und 78 in der MenA-Gruppe), darunter waren 6 Todesfälle (alle in der MenA-Gruppe). Keines der schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse stand nach der Einschätzung der Prüfärzte jedoch im Zusammenhang mit der Impfung.

Malawi hat aufgrund der Ergebnisse beschlossen, den TCV-Impfstoff landesweit einzuführen. Auch Simbabwe und Liberia wollen den Impfstoff regelmäßig einsetzen. In Simbabwe wurde bereits 2019 als Reaktion auf das Auftreten von resistenten Stämmen eine Impfkampagne durchgeführt. Das „Typhoid Vaccine Acceleration Consortium“ bemüht sich derzeit zusammen mit der PATH-Stiftung, die TCV-Impfung in Ländern mit einer erhöhten Rate von Typhuserkrankungen einzuführen. © rme/aerzteblatt.de

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