NewsPolitikKommunale Großkrankenhäuser und AOK fordern Strukturreformen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Kommunale Großkrankenhäuser und AOK fordern Strukturreformen

Freitag, 17. September 2021

/Imaging L, stock.adobe.com

Berlin – Die Allianz Kommunaler Großkrankenhäuser (AKG-Kliniken) und der AOK-Bundesverband sprechen sich für eine qualitäts- und versorgungsorientierte Krankenhausplanung auf Basis von Strukturvorgaben des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) aus. Außerdem fordern sie eine gezielte Förderung der Spezialisierung von Kliniken bei komplexen oder neuartigen Behandlungen.

In einem heute vorgestellten Positionspapier unter dem Titel „Jenseits des Lagerdenkens“ skizzieren sie auf Basis der Erfahrungen aus der Coronapandemie gemeinsame Reformansätze für eine zukunftsfähige und qualitätsorientierte Krankenhauslandschaft. „Die Pandemie hat wie unter einem Brennglas deutlich gemacht, dass die Bündelung von Krankenhausleistungen sowohl in Krisen- als auch in Normal­situationen relevant ist“, betonte Matthias Bracht, Vorstandsvorsitzender der AKG-Kliniken.

Anzeige

In der Krise habe sich gezeigt, dass die abgestimmte Konzentration von COVID-19-Patientinnen und -Patienten in Kliniken mit den nötigen strukturellen und fachlichen Voraussetzungen für die Behand­lungsqualität von hoher Bedeutung sei. Zudem habe man in diesen Klinken systematisch medizinische Erkenntnisse zur Bewältigung der Pandemie sammeln können.

„Wir sind uns mit den kommunalen Großkrankenhäusern einig darüber, dass es eine klar definierte Rollenverteilung zwischen den Krankenhäusern geben sollte“, sagte Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes. Nötig sei eine sinnvoll gestufte Versorgung auf Basis einheitlicher Strukturvoraussetzungen und Mindest-Qualitätsanforderungen.

„Auf Basis dieser gemeinsamen Erkenntnisse haben wir als AKG-Kliniken ein detailliertes Stufenkonzept für die Ausdifferenzierung der Krankenhauslandschaft entwickelt“, ergänzt Bracht.

Entwicklung und Umsetzung von Strukturmaßnahmen und Mindestmengen

AKG-Kliniken und AOK plädieren in ihrem Papier für eine differenzierte Betrachtung verschiedener Versorgungsaufgaben mit einer „konsequenten Förderung und Finanzierung“ von konzentrierten Strukturen für spezialisierte und hochkomplexe Behandlungen. Dafür sollen geeignete Strukturvorgaben und Mindestmengen weiterentwickelt werden.

Ein transparenter Dialog über „klar abgegrenzte Leistungsgruppen und Spezialisierungen“ sei unab­dingbar, um die flächendeckende Versorgung nicht zu gefährden. Die Mindestmengen für bestimmte Operationen und Behandlungen sehen beide Partner als wichtiges Instrument.

„Wirksame Mindestmengen führen zur Umverteilung von Fällen zwischen den Kliniken und können dadurch die notwendige Weiterentwicklung der Strukturen befördern“, betonte Litsch. Das diene vor allem der Patientensicherheit, aber es schützt auch die begrenzten Personalressourcen.

Als Voraussetzung für die skizzierten Reformen brauche es eine Neuaufstellung der Investitions­kostenfinanzierung durch die Bundesländer. Die Länder sollten auch in Zukunft für die Finanzierung der Basis- und Notfallversorgung verantwortlich sein, aber künftig gezielter eine qualitätsorientierte Leistungskonzentration an geeigneten Standorten fördern. „Hier können auch ergänzende Initiativen des Bundes ansetzen, die aber zu den regionalen Planungszielen passen müssen“, so Litsch.

Der Schulterschluss zwischen den kommunalen Großkrankenhäusern und der AOK sei auch als Signal an die Politik zu verstehen. „Obwohl wir mitunter auch unterschiedliche Interessen haben, sind wir uns einig, dass die strukturellen Probleme im Krankenhausbereich nach der Wahl endlich angegangen werden müssen“, so der AKG-Vorstand. Das betreffe nicht zuletzt die Verzahnung des ambulanten und des stationären Sektors. Der medizinisch-technische Fortschritt, so die Überzeugung der Großkran­kenhäuser, trage dazu bei, dass immer mehr Behandlungen auch ambulant durchgeführt werden können.

Als Voraussetzungen für diesen Umwandlungsprozess fordern AOK und AKG-Kliniken in ihrem Papier ein intersektorales Vergütungssystem für klar definierte Leistungsbereiche und einen sachgerechten Ordnungsrahmen mit regionalen Vertragsprinzipien.

Bundesweites Monitoring-System als Konsequenz aus der Pandemie

Als Konsequenz aus den Erfahrungen der Coronapandemie sprechen sich die Partner zudem für die Etablierung eines allgemeinen, bundesweiten Monitoring- und Verteilungssystems zur Steuerung von Patienten, Kapazitäten und Material aus, das in Krisenzeiten aktiviert werden kann.

„Die aktuellen Belegungsstände der Kliniken und andere Daten müssen allen Akteuren ohne bürokratische Hemmnisse zugänglich sein“, forderte AOK-Vorstand Litsch. Die Verantwortung für die dauerhafte Finanzierung eines Vorrats von Beatmungsgeräten, Schutzkleidung und Arzneimitteln sollte in der Verantwortung der öffentlichen Hand liegen, heißt es im Positionspapier. © EB/aha/aerzteblatt.de

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.
LNS
LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER