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Medizin

Mozart-Sonate senkt epileptische Aktivität im Gehirn

Donnerstag, 14. Oktober 2021

/KsanaGraphica, stock.adobe.com

Hanover/New Hamphire – Schon die ersten 30 Sekunden der Mozart-Sonate D-Dur für 2 Klaviere führen bei Epilepsiepatienten zu einer Verminderung von interiktalen epileptiformen Entladungen im Gehirn. Das Vorspiel zum 1. Akt des Lohengrin und ausgewählte Lieblingsstücke der Patienten hatten laut der Publikation in Scientific Reports (2021; DOI: 10.1038/s41598-021-95922-7) dagegen keine Auswir­kungen auf die intrazerebral abgeleiteten Hirnströme.

Epileptische Anfälle sind normalerweise zeitlich begrenzt. Bei vielen Patienten treten aber auch zwi­schen den Anfällen interiktale epileptiforme Entladungen (IED) auf, die in einer normalen Elektro­enzephalografie (EEG) aufgezeichnet werden können. IED sind Biomarker der Erkrankung, und ihre Verminderung deutet auf die Wirksamkeit einer medikamentösen Therapie hin.

Die IED lassen sich auch durch Musik beeinflussen. Eine besonders gute Wirkung erzielt die Sonate für 2 Klaviere in D-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart, was nach der Nummer im Köchel-Verzeichnis auch als „Mozart K448“-Effekt bezeichnet wird. Frühere Studien haben gezeigt, dass der „Mozart K448“-Effekt die Anfallsfrequenz senken kann, in einer Studie bei Kindern sogar um etwa die Hälfte. Allerdings mussten die Kinder sich das Stück täglich vor dem Schlafengehen anhören (BMC Complementary Medicine and Therapies, 2014; DOI: 10.1186/1472-6882-14-17).

Robert Quon von der Geisel School of Medicine in Hanover/New Hamphire und Mitarbeiter haben den „Mozart K448“-Effekt jetzt eingehender an 16 Erwachsenen untersucht, bei denen wegen einer medika­men­tenresistenten Epilepsie ein intrakranielles EEG abgeleitet wurde (um den Herd der Anfälle näher zu lokalisieren). Dabei werden die Elektroden nach der Eröffnung der Schädelkalotte direkt auf dem Cortex platziert. Die Forscher haben den Patienten während der Untersuchung verschiedene Musikstücke in der Länge von 30 und 90 Sekunden vorgespielt.

Die meisten Stücke zeigten keine Wirkung. Dies galt sowohl für die von den Patienten ausgesuchte Musik als auch für das Vorspiel zum 1. Akt des Lohengrin von Richard Wagner, dem ansonsten eine „hypno­tische“ Wirkung auf das Gemüt nachgesagt wird. Eine Auswirkung auf die IED war nicht vorhanden.

Ganz anders war dies bei der Sonate K448. Schon nach 30 Sekunden kam es zu einer deutlichen Vermin­derung der IED um durchschnittlich 66,5 %. Am stärksten ausgeprägt war sie in der linken und rechten Frontalrinde des Gehirns. Diese Teile des Gehirns sollen an der Regulierung emotionaler Reaktionen beteiligt sein.

Beim Anhören längerer, sich wiederholender Abschnitte innerhalb von K448 kam es in den frontalen Cortexbereichen auch zu einer vermehrten Thetaaktivität. Frühere Forschungen hatten gezeigt, dass die Thetaaktivität mit positiven emotionalen Reaktionen auf Musik verbunden sein kann.

Die Ursache für den „Mozart K448“-Effekt ist unklar. Die Forscher vermuten, dass der relativ konstant wiederholte Sechzehntelrhythmus, der in der verwendeten Aufnahme etwa 128 Schlägen pro Minute entsprach, einen Einfluss haben könnte. Auch die klassische Sonatenform könnte nach Einschätzung von Quon von Bedeutung sein, indem sie musikalische Erwartungen aufbaut und dann mit ihnen spielt. Letztlich konnten die Forscher das neurologische Geheimnis nicht entschlüsseln. © rme/aerzteblatt.de

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