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Medizin

Kopf-Hals-Tumore: Über 65 geriatrisches Assessment erwägen

Mittwoch, 22. September 2021

/Lars Neumann, stock.adobe.com

Wird ein geriatrisches Assessment in die interdisziplinäre Entscheidung im Tumorboard einbezogen, ändert sich bei jedem 10. Patienten mit potenziell kurativ behandelbarem Kopf-Hals-Tumor im Alter über 65 Jahren die resultierende Therapieempfehlung.

Aktuell sind knapp die Hälfte der Patienten mit neu diagnostizierten Kopf-Hals-Tumoren über 65 Jahre alt. Erwartet wird, dass der Anteil der älteren Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren weiter ansteigen wird. Damit könnte auch die Bedeutung eines umfassenden geriatrischen Assessments (CGA) vor der Thera­pie­entscheidung steigen, erläuterte Paolo Bossi von der Abteilung für Medizinische Onkologie der Klinik Azienda Ospedaliera Spedali Civili in Brescia, Italien.

Um zu überprüfen, ob ein CGA Therapieempfehlungen verändert, verglich er in einer prospektiven, multi­zentrischen Beobachtungsstudie (Annals of Oncology, 2021; DOI: 10.1016/j.annonc.2021.08.1274) die Therapieempfehlung multidiziplinärer Kopf-Hals-Tumorboards ohne und mit einem solchen CGA.

Zwischen Dezember 2017 und März 2021 wurden 101 mindestens 65-jährige Patienten mit lokal fortgeschrittenem Kopf-Hals-Tumor (Stadium III –IVb nach AJCC 7) in die Auswertung einbezogen, bei denen eine kurative Therapie möglich schien. Die Lokalisationen der Plattenepithelkarzinome waren Mundhöhle, Oropharynx, Hypopharynx und Larynx. Das mediane Alter der Patienten lag bei 76 Jahren mit einer Spanne von 65 bis 92 Jahren.

Zunächst definierte das Tumorboard die therapeutische Indikation auf Basis der klinischen Beurteilung und nach den evidenzbasierten Empfehlungen. Parallel führte ein Geriater entsprechend der SIOG-Empfehlung ein Screening mit dem G8-Instrument durch, um einen Überblick über den Gesundheits- und Fitnesszustand der älteren Patienten zu erhalten. Anschließend wurde ein CGA durchgeführt. Danach setzte sich das multidisziplinäre Kopf-Hals-Tumorboard erneut zusammen und diskutierte die kurative Behandlungsstrategie unter Berücksichtigung der G8-Screening- und CGA-Ergebnisse.

Wie Bossi anlässlich des virtuellen ESMO-Kongresses 2021 berichtete, waren die nach dem CGA zu 34 % fit, 39 % vulnerabel und 27 % gebrechlich („frail“). Aufgrund des CGA wurde die vom Tumorboard empfoh­­lene Behandlungsstrategie bei 12 Patienten (12 %) geändert. Bei 7 Patienten wurde eine Dein­ten­sivierung empfohlen, bei 4 aber auch eine intensivere Therapie und in einem Fall wurde statt chirurgischer Therapie plus Bestrahlung eine Radiochemotherapie vorgeschlagen.

Außerdem deckte das CGA bei vielen Patienten einen bislang nicht beachteten Unterstützungsbedarf auf. So war ursprünglich bei 27,7 % eine Ernährungsmaßnahme vorgesehen gewesen, nach dem CGA stieg der Anteil auf 49,5 %. Die Empfehlung einer psychologischen Unterstützung oder psychiatrischen Therapie war zunächst nur bei 3,9% vorgesehen gewesen, nach dem CGA bei 19,8%. Auch gab es nach dem CGA häufiger eine Modifikation der chronischen Begleitmedikation (in 1% der Fälle ohne, in 9% mit CGA).

Das G8-Screening gab bereits einen guten Anhaltspunkt für das Ergebnis des CGA. Im CGA fitte Patien­ten hatten zu 83 % einen entsprechend guten G8-Score >14. Vulnerable oder gebrechliche Patienten wiesen zu 87 % einen G8-Wert von ≤ 14 auf. Der Schwellenwert von 14 Punkten nach dem G8 hatte damit eine hohe Sensitivität von 92,5% und eine moderate Spezifität von 73,5%, um fitte Patienten von vulnerablen oder gebrechlichen zu unterscheiden.

Um im klinischen Alltag mit limitierten Ressourcen geriatrische Aspekte bei der Therapieempfehlung für Patienten mit lokal fortgeschrittenen Kopf-Hals-Tumoren mit zu berücksichtigen, ist Bossis Meinung nach daher die Verwendung des G8-Screeningfragebogens ein akzeptabler Weg.

Einen positiven Effekt auf das Behandlungsergebnis und die Prognose ließ sich allerdings nicht zeigen, da in der Studie keine Kontrollgruppe ohne CGA vorgesehen war. Trotz CGA traten bei 87 der 101 Patienten akute oder subakut Nebenwirkungen eines Grads ≥ 3 auch und 34 % der Patienten mussten stationär wegen behandlungsbedingten Toxizitäten behandelt werden. © fk/aerzteblatt.de

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