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Medizin

Eine adjuvante Immuntherapie verringert auch bei Melanomen im Stadium IIB/C das Rezidivrisiko

Montag, 20. September 2021

/kosmos111, stock.adobe.com

Eine adjuvante Therapie mit Pembrolizumab (Pembro) kann das Rezidivrisiko von Patienten mit reseziertem malignem Melanom im Stadium IIB und IIC um 35 % verringern. Das zeigen die Ergebnisse der Studie KEYNOTE-716, der 1. Phase-3-Studie zur Immuntherapie in dieser Indikation, die anlässlich des virtuellen ESMO-Kongresses 2021 vorgestellt wurde.

Patienten mit einem Melanom im Stadium IIB oder IIC weisen dicke oder ulzerierte Primärtumoren auf. Ihr Rezidivrisiko ist ähnlich hoch wie das von Patienten mit einem Stadium-III- oder -III-B-Melanom, erläuterte Jason J. Luke, Direktor des UPMC Hillman Cancer Centers an der Universität von Pittsburgh den Hintergrund der Studie. Dennoch ist bislang der Standard bei Melanomen im Stadium IIB/C nach der Resektion die Nachbeobachtung, während im Stadium IIIA/B eine adjuvante Therapie etabliert ist. Die Studie KEYNOTE-716 wird die Population der Melanompatienten, die eine adjuvante Therapie erhalten, grundlegend verändern, meinte er.

In der Phase-3-Studie KEYNOTE-716 erhielten Patienten mit Melanom im Stadium IIB/C nach Resektion des Primärtumors mit negativem Wächterlymphknotenbefund randomisiert entweder eine adjuvante Therapie mit Pembro in einer Dosis von 200 g (oder 2 mg/kg bei pädiatrischen Patienten) oder Placebo. Die Therapie wurde bis zum Auftreten eines Rezidivs oder nicht akzeptabler Toxizität oder bis zu maxi­mal einem Jahr (17 Zyklen) fortgesetzt.

Luke stellte die Ergebnisse zum rezidivfreien Überleben (RFS), dem primären Endpunkt der Studie, nach einer ersten Interimsanalyse vor. Datenschnitt für diese Auswertung war der 4. Dezember 2020.
Von den 976 Studienteilnehmern wiesen 64 % ein Melanom-Stadium IIB und 35 % ein Stadium IIC auf. 487 Patienten erhielten Pembro, 489 Placebo.

Nach median 14,4 Monaten zeigte sich mit Pembro ein signifikant längeres RFS, wobei der Median in beiden Gruppen zu diesem frühen Zeitpunkt noch nicht erreicht war. Die Hazard Ratio zugunsten von Pembro lag bei 0,65, das 95-%-Konfidenzintervall überschritt nicht die 1 (0,46–0,92; p = 0,00658).

Nach 12 Monaten hatten 90,5 % der Patienten der Pembrogruppe und 83,1 % der Patienten der Placebo­gruppe noch kein Rezidiv erlitten. Die absolute Zahl der Rezidive betrug 54 (11,1 %) im Pembroarm und 82 (16,8 %) im Placeboarm. Luke betonte den Unterschied auch hinsichtlich der aufgetretenen Fern­metastasen. Mit Pembro waren 23 Fernmetastasierungen (4,7%) dokumentiert worden, mit Placebo 38 (7,8%).

Die Immuntherapie ging wie zu erwarten mit einer Zunahme behandlungsassoziierter unerwünschter Ereignisse (TRAE) einher, die bei 16,1 % der Patienten auch einen Grad ≥3 erreichten (Placebo 4,3 %). 15,3 % der Patienten brachen deshalb die Therapie mit Pembro ab, während im Placeboarm der Studie 2,5 % der Patienten wegen TRAE die Behandlung beendeten. Todesfälle im Zusammenhang mit der Immuntherapie wurden nicht berichtet. Immunmediierte unerwünschte Ereignisse traten bei Pembro­therapie bei 36,2 % der Patienten auf (Placebo: 8,4 %).

Am häufigsten handelte es sich um Immuner­krankungen der Schilddrüse (Hypo-/ Hyperparathyreo­idismus), überwiegend vom Grad 1-2. Die Lebensqualität blieb laut Luke aber über die gesamte Beobachtungszeit in beiden Studienarmen vergleichbar und stabil.

Was bislang fehlt, sind Hinweise auf Biomarker, um die relativ wenigen Patienten mit einem dicken oder ulzerierenden Stadium-II-Melanom, die von der Immuntherapie mit ihren potenziellen TRAE wirklich profitieren, zu identifizieren. Luke berichtete, dass solche Biomarkerauswertungen geplant seien. Prof. Dr. Dirk Schadendorf von der Universitätshautklinik in Essen stellte in der Diskussion klar, dass es nicht ausreiche, bei solchen Studien Begleitforschung zu machen. Er forderte, Biomarkeranalysen müssten integraler, prospektiv erhobener Bestandteil dieser Studien sein.

Für die klinische Routine bleibt abzuwarten, wie die Zulassung im Stadium IIB/C erfolgen wird. Eine Zulassung werde sicher nicht heißen, alle zu behandeln, betonte Reinhard Dummer vom Hauttumorzentrum der Universität Zürich. Das bestätigte auch Luke, betonte aber, man könne nun mit Patienten mit dicken und ulzerierten Stadium-II-Melanomen individuell Nutzen und Risiken einer möglichen adjuvanten Therapie besprechen, in einer Situation, in der man aktuell trotz des bestehenden Rezidivrisikos nur abwartet. © fk/aerzteblatt.de

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