NewsMedizinRezidiviertes Ovarialkarzinom: Erneute Erhaltungstherapie mit PARP-Inhibitor wirkt Progress entgegen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Rezidiviertes Ovarialkarzinom: Erneute Erhaltungstherapie mit PARP-Inhibitor wirkt Progress entgegen

Dienstag, 21. September 2021

/blueringmedia, stock.adobe.com

Berlin/Köln – Bei Patientinnen mit intensiv vorbehandelten, rezidivierten nicht-muzinösen Ovarialkarzi­nomen verzögert eine wiederholte Erhaltungstherapie mit einem PARP-Inhibitor den Progress der Erkrankung signifikant. Dies wird erstmals in einer prospektiv randomisierten, placebokontrollierten Phase-3-Untersuchung für den PARP-Inhibitor Olaparib belegt.

Entsprechende Daten aus der OreO/ENGOTOv-38-Studie sind jetzt bei der virtuellen Jahrestagung der European Society for Medical Oncology (ESMO) 2021 vorgestellt worden. „Verbesserungen im progres­sions­freien Überleben haben sich sowohl bei Patientinnen mit, als auch ohne BRCA-Mutationen ergeben, und für einen Teil bedeutete dies einen klinisch relevanten Langzeit-Benefit“, sagte Eric Pujade-Lauraine von der Abteilung Medical Oncology der Université Paris Descartes in Paris, der die Daten beim ESMO-Kongress präsentierte.

Erste Erhaltungstherapie mit PARP-Inhibitor ist Standard

Die Erhaltungstherapie mit einem PARP-Inhibitor (PARPi) ist Standard bei neu diagnostiziertem Ovarialkarzinom und bei rezidivierten, platinsensitiven Tumoren, wenn zuvor noch keine PARPi- Therapie erfolgt ist. Bislang offen war die Frage, ob Patientinnen auch von einer wiederholten PARPi-Erhaltungstherapie profitieren können.

In die OreO/ENGOTOv-38-Studie sind Patientinnen mit nicht-muzinösem Ovarialkarzinom aufgenommen worden, die mehrere platinbasierte Chemotherapien erhalten und auf die letzte partiell oder komplett angesprochen hatten (platinsensitive Tumoren). Weiteres Einschlusskriterium waren eine vorangegan­gene Erhaltungsbehandlung mit einem PARPi, meist Olaparib, es konnten aber auch andere PARPi sein wie Niraparib oder Rucaparib. Außerdem musste der BRCA-Mutationsstatus dokumentiert sein inklusive HRD (homologe Rekombinations-Defizienz).

Randomisiert wurde in einen Studienarm mit einer erneuten PARPi-Erhaltungstherapie (300 mg Olaparib 2 Mal täglich) und in eine 2. Gruppe mit gematchtem Olaparibplacebo (Verhältnis 2 : 1). Dabei wurden 2 Kohorten gebildet: Patientinnen mit somatischer BRCA1/2-Mutation oder entsprechender Keimbahnmutation (BRCAm) und eine 2. Kohorte mit BRCA-Wildtyp (nonBRCAm). Außerdem wurde nach vorangegangener Bevacizumab-Therapie stratifiziert (ja oder nein) und der Zahl der vorangegangenen platinbasierten Chemotherapien. Primärer Endpunkt ist das progressionsfreie Überleben (PFS; radiologisch nach den RECISTv1.1-Kriterien).

Großer Teil der Patientinnen mit mindestens 3 Chemotherapien

Die aktuelle Analyse erfolgte auf Basis von 220 Patientinnen: 112 Teilnehmerinnen aus der Kohorte mit BRCA-Mutation (Olaparib [O] n = 74; Placebo [P] n = 38) und 108 Teilnehmerinnen aus der Kohorte ohne Mutation (O n = 72; P n = 36). Die Frauen waren intensiv vorbehandelt. 93 % der BRCAm-Kohorte hatten zuvor schon mindestens 3 Chemotherapien erhalten und 86 % aus der nonBRCAm-Kohorte. Zwischen 66 und 78 % der Teilnehmerinnen (alle Gruppen) hatten lediglich partiell auf die platinbasierte Chemo­therapie angesprochen, die wenigsten komplett.

In der Kohorte mit BRCA-Mutation betrug das mediane PFS unter erneuter PARP-Inhibitor-Therapie 4,3 Monate und unter Placebo 2,8 Monate (Hazard Ratio [HR] für Progress: 0,57; p = 0,022). Die PFS-Raten zu Monat 6 lagen bei 35 % in der BRCAm-Kohorte mit Verumtherapie und bei 13 % unter Placebobe­hand­­lung, zu Monat 12 betrugen die PFS-Raten 19 % vs. 0 % (O vs. P).

Teilnehmerinnen ohne BRCA-Mutation überlebten median 5,3 Monate progressionsfrei mit einer erneuten Olapariberhaltungstherapie und median 2,8 Monate unter Placebo (HR: 0,43; p = 0,0023). Die PFS-Raten nach 6 und 12 Monaten waren 30 % vs. 7 % (O vs. P) und 14 % vs. 0 % (O vs. P).

Langzeit-Benefit für jede 5. bis 6. Patientin

„Die Kurven für das progressionsfreie Überleben dieser intensiv vorbehandelten Patientinnen zeigen einen starken Abfall der Progressionsfreiheit in den ersten 2-4 Monaten nach Studienbeginn“, erläuterte Clare Scott, Professorin am Walter and Eliza Hall Institute of Medical Research in Melbourne, die die Präsentation der Daten einordnete. Nach dieser Zeit aber werde ein Benefit für Patientinnen unter Olaparib erkennbar, der bei einem Teil (14-19 %) für mindestens 12 Monate anhalte.

Die Olaparibtherapie war nicht mit neuen Sicherheitsaspekten assoziiert. Unerwünschte Effekte mindestens Grad 3 waren zwar in den Verumarmen häufiger als unter Placebo, aber nur 3 % bzw. 1 % (BRCAm/nonBRCAm) der Probandinnen mussten die Behandlung deshalb unterbrechen.

„Die wiederholte Erhaltungstherapie mit Olaparib ist für die Gruppe der intensiv vorbehandelten Patientinnen mit Ovarialkarzinom mit einem statistisch signifikanten Benefit beim progressionsfreien Überleben assoziiert“, resümierte Pujade-Laurain, „das gilt sowohl bei BRCA1/2-Mutation als auch bei BRCA-Wildtyp. „Bei einem Teil der nochmals mit dem PARPi behandelten Patientinnen ist ein Langzeitnutzen dokumentiert worden.“

„PARP-Inhibition nach PARP-Inhibition – das kann effektiv sein“, sagte Scott. „Das ist die grundsätzliche Erkenntnis aus dieser Studie. Wir benötigen jetzt weitere Daten, auch zur Frage, ob andere Substanzen oder auch PARPi-Kombinationen wirksam sind und ob eine Stratifizierung nach Biomarkern nützlich sein könnte.“ © nsi/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.
LNS
LNS LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER