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Medizin

Triple-negatives Mammakarzinom: Carboplatin hat klinischen Benefit in der Neoadjuvanz, nicht aber Veliparib

Mittwoch, 22. September 2021

/Axel Kock, stock.adobe.com

Berlin/Köln – Carboplatin, zusätzlich zu einer neoadjuvanten Standardchemotherapie gegeben, hat für Patientinnen mit operablem, triple-negativem Mammakarzinom (TNBC; Stadium II/III) einen klinisch relevanten Vorteil. Das bestätigen Langzeitdaten der randomisierten, doppelblinden und placebokon­trol­lierten BrighTNess-Studie, die bei der Jahrestagung der European Society for Medical Oncology (ESMO) 2021 vorgestellt worden sind (Annals of Oncology, 2021; DOI: 10.1016/annonc/annonc687).

Die 3er-Kombination Carboplatin, Paclitaxel und Velaparib allerdings verbesserte die klinischen Langzeitergebnisse nicht zusätzlich im Vergleich zu Carboplatin plus Paclitaxel. Die bei der ESMO-Jahrestagung vorgestellten Studiendaten stützen daher die Kombination Carboplatin plus Paclitaxel für den 1. Teil einer neoadjuvanten Chemotherapie. Es folgt im Allgemeinen ein 2. Chemothera­piesegment vor der Operation. In der BrighTNess-Studie bestand dies aus der Kombination Doxorubicin plus Cyclophosphamid.

Triple-negatives Mammakarzinom
Jährlich gibt es in Deutschland circa 70.450 neu diagnostizierte Mammakarzinome. 10-20 % von ihnen werden als triple-negativ (TNBC) klassifiziert: Rezeptoren für Östrogen, Progesteron und Her2 sind nicht oder nur minimal exprimiert und es liegt keine Amplifikation des HER2-Gens vor. Das TNBC gilt als die aggressivste Subklasse des Mammakarzinoms. Es ist mit einem erhöhten Risiko für frühe Metastasierung und Rezidive assoziiert. Die neoadjuvante Chemotherapie ist Standard für die Behandlung von Frauen mit TNBC. Der molekulare Subtyp und der Status der Resterkrankung nach Operation sind wesentlich für das Rezidivrisiko. Die pathohistologische Komplettremission (pCR) in Tumorresektat und entnommenen Lymphkoten nach neoadjuvanter Chemotherapie hat sich als ein Surrogatmarker für das Langzeit-Outcome erwiesen (Lancet, 2024; DOI: 10.1016/S0140-6736(13)62422-8)

In der internationalen BrighTNess-Studie unter Federführung der German Breast Group sind 634 Patientinnen (median 50 Jahre alt) mit unvorbehandeltem TNBC in den Stadien II/III in 3 Gruppen einer neoadjuvanten Behandlung randomisiert worden (Verhältnis 2 : 1 : 1).

Die 1. Gruppe (n = 316) erhielt Paclitaxel (P) wöchentlich über 12 Wochen plus Carboplatin (Cb; alle 3 Wochen für 4 Zyklen) plus den PARP-Inhibitor Veliparib (V; oral 2 Mal täglich), die 2. Gruppe (n = 160) erhielt Paclitaxel plus Carboplatin plus V-Placebo und die 3. (n = 158) Paclitaxel + Cb/V-Placebo. Anschließend wurden alle Patientiennen mit 4 Zyklen Doxorubicin/Cyclophosphamid (alle 2-3 Wochen) behandelt und 2-8 Wochen nach der letzten Dosis operiert.

Primärer Endpunkt war die pathohistologische Komplettremission (pCR) in Tumorresektat und entnom­menen Lymphkoten. In diesem Endpunkt hatte sich schon in einer früheren Analyse kein Vorteil für das Hinzufügen des PARP-Inhibitors ergeben, sondern nur für die Kombination P + Cb im Vergleich zu Paclitaxel allein (Lancet Oncol ,2018; DOI: 10.1016/S1470-2045(18)30111-6). Nun präsentierte Sibylle Loibl (Breast Cancer Group, Neu-Isenburg) Daten zu den sekundären Endpunkten „ereignisfreies Überleben“ (EFS) und „Gesamtüberleben“.

Krankheitsereignisse waren alle Formen eines Wiederauftretens wie lokale oder distale Rezidive. Das mediane Follow-up betrug 4,5 Jahre. Nach 4 Jahren lag die Rate des EFS in der Gruppe P + Cb + V bei 78,2 %, in der Gruppe P + C bei 79,3 % und in der Gruppe P bei 68,5 %, ein Unterschied von 11 %-punkten. Die EFS-Wahrscheinlichkeit (Hazard Ratio; HR) in der Gruppe P + Cb + V betrug 0,63 im Vergleich zu Paclitaxel alleine, lag aber in der Gruppe P + Cb mit 0,57 noch darunter. Die p-Werte zeigten mit 0,016 und 0,018 eine statistische Signifikanz bei den Unterschieden an.

Rate sekundärer Malignome nicht erhöht

Es starben 12 % der Patientinnen in der Gruppe mit der Dreierkombination (P + Cb + V), 10 % in der Gruppe P + Cb und 14 % in der Gruppe P. Die Unterschiede im Gesamtüberleben waren statistisch nicht signifikant.

Die Rate der myelodysplastischen Syndrome war mit maximal 1 Patientin/Therapiegruppe (0,3-0,6 %) gering, die Rate der Studienteilnehmerinnen mit sekundären Tumoren lag zwischen 1,9 % (PCbV) und 3,8 % (PCb; P: 2,5 %).

Insgesamt verbessert damit ein Hinzufügen von Carboplatin zu Paclitaxel die pCR, das ereignisfreie Überleben und damit auch die Rezidivfreiheit, ohne das Risiko für myelosdysplastische Syndrome oder akute Leukämien zu erhöhen. Die Gesamtsterblichkeit war gering, aber numerisch höher bei einer Therapie mit Paclitaxel alleine im Vergleich zu den Kombinationen.

„Carboplatin sollte als eine Komponente in die neoadjuvante Chemotherapie von Patientinnen mit triple-negativem Mammakrzinom in den Stadien II/III eingeschlossen werden, unabhängig vom gBRCA-Status“, sagte Loibl. © nsi/aerzteblatt.de

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