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Medizin

SARS-CoV-2: Score ermittelt Erkrankungs- und Sterberisiko für Geimpfte

Montag, 20. September 2021

/Valerii Evlakhov, stock.adobe.com

Oxford – Britische Forscher haben einen Risikokalkulator ins Internet gestellt, mit dem sich das Risiko (britischer) Patienten abschätzen lässt, trotz einer Impfung an COVID-19 zu erkranken und daran zu sterben. Die wissenschaftliche Grundlage für den Test wurden im Britischen Ärzteblatt (BMJ, 2021; DOI: 10.1136/bmj.n2244) veröffentlicht.

Keine Impfung bietet einen 100-prozentigen Schutz vor einer Erkrankung. Das Risiko von Impfdurch­brüchen hängt dabei weniger vom Impfstoff ab (wenn man von den Unterschieden in der Impfstoff­wirksamkeit absieht), sondern mehr von den Patienteneigenschaften. Dies zeigte sich bei der Auswertung der QResearch-Datenbank, die Zugang zu den Daten von 12 Millionen britischer Hausarztpatienten hat.

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Darunter waren 6,9 Millionen geimpfte Erwachsene. Von diesen starben 2.031 an COVID-19, 1.929 über­lebten nach einer Behandlung im Krankenhaus. Die meisten Todesfälle und schweren Erkrankungen entfielen jedoch auf den Zeitraum von der 1. Dosis bis 2 Wochen nach der 2. Dosis. Danach gab es nur noch 81 Todesfälle und 71 Hospitalisierungen.

Die Untersuchungszeit endete 35 Tage nach der 2. Dosis, so dass der Risikokalkulator, den Julia Hippisley-Cox von der Universität Oxford und Mitarbeiter entwickelt haben, keine Aussagen über spätere Durchbruchinfektionen infolge einer nachlassenden Impfstoffwirksamkeit erlaubt.

Abgesehen davon, dass der Risikokalkulator streng genommen nur für die britische Bevölkerung gilt, für die er auch validiert wurde, ermitteln die Forscher einige Risikofaktoren, die international zutreffen dürf­ten.

Das größte Risiko, trotz einer Impfung an COVID-19 zu sterben, hatten Menschen mit Down-Syndrom (Hazard Ratio HR 12,68; 95-%-Konfidenzintervall 4,68 bis 34,38), gefolgt von Nierentransplantierten (HR 8,07; 3,34-19,54), Patienten mit Sichelzellanämie (HR 7,73; 1,07-55,83), Pflegeheimbewohner (HR 4,14; 3,66-4,68), Patienten mit Chemotherapie vom Grad B (HR 3,6; 2,57-5,12) oder aggressiverer Chemothera­pie vom Grad C (HR 4,30; 1,06-17,51), Patienten mit kürzlich erfolgter Knochenmark- oder Organtrans­plantation (HR 2,49; 0,62-10,08), Patienten mit HIV-Infektion oder AIDS (HR 3,29; 1,05-10,29), Demenz (HR 2,23; 1,98-2,50), Morbus Parkinson (HR 2,23; 1,79-2,78), seltener neurologischer Erkrankung (HR 2,63; 1,69-4,08) oder einer Leberzirrhose (HR 2,96; 2,02-4,34).

Auch chronische Nierenerkrankungen, Blutkrebs, Epilepsie, chronisch obstruktive Lungenerkrankung, koronare Herzkrankheit, Schlaganfall, Vorhofflimmern, Herzinsuffizienz, Thromboembolie, periphere Gefäßerkrankung und Typ-2-Diabetes erhöhten das Risiko auf einen tödlichen Verlauf und wurden des­halb neben Alter, Geschlecht, Herkunft und Wohnort (zur Bestimmung des armutsbedingten Risikos) in den Risikokalkulator einbezogen.

Die weiten 95-%-Konfidenzintervalle zeigen jedoch, dass die ermittelten Ergebnisse zurückhaltend inter­pretiert werden müssen. Für die meisten Risikokonstellationen ermittelt der Kalkulator übrigens ein relativ niedriges absolutes Risiko – was der guten Schutzwirkung der Impfstoffe zu verdanken ist. © rme/aerzteblatt.de

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