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Neuer Cochrane-Review zum Coronaschutz in Alten- und Pflegeheimen

Montag, 20. September 2021

/bilderstoeckchen, stock.adobe.com

Freiburg – Es gibt im Augenblick immer noch wenig gesichertes Wissen dazu, welche Maßnahmen COVID-19-Ausbrüche in stationären Alten- und Pflegeeinrichtungen wirkungsvoll verhindern können. Das berichten ein Autorenteam vom Institut für Medizinische Informationsverarbeitung, Biometrie und Epidemiologie Pettenkofer School of Public Health der Ludwigs-Maximilians-Universität München in einem neuen Cochrane Review (DOI: 10.1002/14651858.CD015085.pub2).

Eine Reihe von Maßnahmen sollten in den vergangenen Monaten Bewohner und Pflegepersonal in den Einrichtungen schützen, beispielsweise Beschränkungen der Besuchsmöglichkeiten oder das Aussetzen von Gemeinschaftsaktivitäten. Diese haben aber teils erhebliche Auswirkungen auf die seelische und körperliche Gesundheit der Betroffenen. „Bei derart einschneidenden Maßnahmen sollten wir eigentlich schon wissen, ob und wie gut sie wirken“, sagte Jan Stratil, einer der Hauptautoren des Reviews.

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Die Arbeitsgruppe fand insgesamt 22 relevante wissenschaftliche Studien zu Schutzmaßnahmen in sta­tio­nären Pflegeeinrichtungen. Dabei handelte es sich allerdings um elf Beobachtungsstudien und elf Studien auf Basis von mathematischen Modellen – beide Studientypen haben nur eine begrenzte Aussa­gekraft. Alle Studien wurden in Europa oder Nordamerika durchgeführt, keine davon in Deutschland. „Die Studien sind sehr unterschiedlich und viele haben eine Reihe von Schwachstellen. Das macht es schwer, für die meisten der untersuchten Maßnahmen eindeutige Schlüsse zu ziehen“, sagte Stratil.

Die Forschenden fanden allerdings Hinweise, dass Schutzmaßnahmen dabei helfen können, SARS-CoV-2 Infektionen in den Einrichtungen zu verhindern und deren negative Konsequenzen zu verringern. Das gelte vor allem für die regelmäßige Testung von Bewohnern und Pflegepersonal mit dem Ziel, Ausbrüche möglichst früh zu erkennen. Auch deutet die versammelte Evidenz aus Studien darauf hin, dass die Kom­bina­tion verschiedener Schutzmaßnahmen Infektionen und Todesfälle reduzieren könnte.

„Für eine Reihe anderer Maßnahmen ist die Studienlage allerdings unklar. Manche Studien lassen zwar einen Nutzen von Maßnahmen wie Besuchsbeschränkungen, der Bildung von abgeschlossenen Gruppen oder Quarantäne vermuten, aber die Ergebnisse sind nicht zuverlässig“, erläuterte Renke Biallas, der zweite Hauptautor des Reviews.

Großer Forschungsbedarf bestehe auch zu negativen gesundheitlichen oder sozialen Auswirkungen der Schutzmaßnahmen und zur Situation in Pflegeeinrichtungen mit hohen Impfquoten.

„Wir müssen auch darüber nachdenken, warum trotz der hohen Anzahl von Todesfällen unter Bewohnern und Pflegepersonal dieser Einrichtungen so wenig aussagekräftige Forschung erfolgt ist“, sagte Stratil. © hil/aerzteblatt.de

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