NewsMedizinESMO 21: Trastuzumab-Konjugat wirkt auch bei HER2-mutiertem nichtkleinzelligem Lungenkarzinom
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

ESMO 21: Trastuzumab-Konjugat wirkt auch bei HER2-mutiertem nichtkleinzelligem Lungenkarzinom

Samstag, 25. September 2021

/Crystal light, stock.adobe.com

New York – Das Antikörper-Wirkstoffkonjugat Trastuzumab Deruxtecan, das zur Behandlung des fort­geschrittenen HER2-positiven Mammakarzinoms zugelassen ist, hat in einer Phase-2-Studie bei jedem 2. Patienten mit metastasiertem nichtkleinzelligem Lungenkarzinom bei Mutation im HER2-Gen eine Remission erzielt.

Die Ergebnisse wurden auf der Jahrestagung der European Society for Medical Oncology (ESMO) vorgestellt und im New England Journal of Medicine (2020: DOI: 10.1056/NEJMoa2112431) publiziert.

Trastuzumab war vor mehr als 2 Jahrzehnten der 1. monoklonale Antikörper, der in der Krebstherapie eingesetzt wurde. Sein Angriffsziel ist der Rezeptor HER2 („human epidermal growth factor receptor 2“), der von etwa 20 % aller Brustkrebstumore exprimiert wird. Inzwischen gibt es auch Tyrosinkinase-Hemmer wie Neratinib, die die Signalweiterleitung von HER2 blockieren.

Das Mammakarzinom ist nicht der einzige Krebs, dessen Wachstum durch HER2 gefördert wird. Trastuzu­mab ist mittlerweile auch zur Behandlung des metastasierten Magenkarzinoms zugelassen. Auch etwa 3 % der nichtkleinzelligen Lungenkarzinome (NSCLC, außer Plattenepithelkarzinom) haben HER2 auf ihrer Oberfläche. Diese Tumore treten häufig bei Menschen auf, die nie geraucht haben, und sie haben im all­ge­meinen eine schlechte Prognose, weil sie frühzeitig ins Gehirn metastasieren.

Trotz der Expression von HER2 sind derzeit weder ein HER2-Antikörper noch ein Tyrokinase-Inhibitor zur Behandlung des NSCLC zugelassen - obwohl es teilweise vielversprechende Studienergebnisse gibt. Seit Dezember 2019 ist in den USA (seit Januar 2021 auch in Europa) Trastuzumab Deruxtecan zugelassen.

Der Wirkstoff besteht aus einem Konjugat des Antikörpers Trastuzumab und dem Topoisomerase-I-Hemmer Deruxtecan. Trastuzumab bindet an den Krebszellen, die dann durch das Zytostatikum Deruxte­can abgetötet werden. Die Kombination soll dafür sorgen, dass die zytostatische Wirkung auf die Krebs­zellen beschränkt bleibt, was eine höhere Dosierung erlaubt.

In der Studie DESTINY-Lung01 nahmen 91 Patienten teil, in deren Tumorzellen ein mutiertes HER2-Gen nachgewiesen wurde. Fast alle Patienten hatten bereits eine Platin-basierte Chemotherapie erhalten und bei 2/3 war auch erfolglos eine Behandlung mit einem Checkpointinhibitor versucht worden. Bei 1/3 waren Hirnmetastasen aufgetreten. Für diese Patienten gab es bisher keine effektive Therapieoption mehr.

Alle 91 Patienten erhielten alle 3 Wochen eine intravenöse Infusion Trastuzumab Deruxtecan in einer Dosis von 6,4 mg pro Kilogramm Körpergewicht. Wie Bob Li vom Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York und Mitarbeiter berichten, kam es bei 50 Patienten zu einer Remission, die bei 1 Patient komplett war. Die mediane Dauer der Remission betrug 9,3 Monate und die mediane Überlebens­zeit der Patienten, die auf das Medikament ansprachen, betrug 17,8 Monate, was deutlich länger ist, als ohne Therapie zu erwarten gewesen wäre (soweit sich dies ohne Vergleichsgruppe konstatieren lässt).

Die Verträglichkeit von Trastuzumab Deruxtecan entsprach laut LI den Erwartungen. Bei jedem 2. Patienten kam es zu schweren Nebenwirkungen vom Grad 3 oder höher, die die Blutbildung betrafen (Anämie, Leukopenie, Neutropenie) oder gastrointestinaler Natur waren (Übelkeit, Erbrechen, Diarrhö).

Eine schwerwiegende Komplikation war eine interstitielle Lungenerkrankung, die bei 26 % der Patienten auftrat: Die meisten Fälle waren milde und/oder sprachen auf eine Behandlung mit Steroiden an. Bei 4 Patienten kam es jedoch zu einer schweren Lungenschädigung, an der 2 Patienten starben.

Der Hersteller lässt derzeit in der Studie DESTINY-LUNG02 prüfen, ob sich die interstitielle Lungener­kran­kung durch eine niedrigere Dosis von Trastuzumab Deruxtecan vermeiden lässt. In der Studie DESTINY-DPT01 wird Trastuzumab Deruxtecan an weiteren Krebserkrankungen mit HER2-Mutationen eingesetzt. © rme/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.
LNS
VG WortLNS LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER