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Medizin

Überlebensvorteil für Patientinnen mit fortgeschrittenem Zervixkarzinom durch Pembrolizumab in der Erstlinie

Donnerstag, 23. September 2021

/fotoliaxrender, stockadobecom

Köln/Berlin – Patientinnen mit persitierendem, rezidiviertem oder metastasiertem Zervixkarzinom haben einen deutlichen Vorteil beim progressionsfreien Überleben und beim Gesamtüberleben, wenn in der Erstlienbehandlung der Checkpointinhibitor Pembrolizumab zu einer platinbasierten Standardchemo­therapie ergänzt wird. Dies gilt sowohl für Frauen mit und ohne zusätzliche Behandlung mit einem Angiogenesehemmer (Bevacizumab).

„Die Kombination Pembrolizumab plus Zytostatika könnte in der Erstlinientherapie von Frauen mit persis­tierendem, rezidiviertem oder metastasiertem Zervixkarzinom ein neuer Standard werden“, sagte Nicoletta Colombo bei der Jahrestagung der European Society for Medical Oncology (ESMO) 2021, wo sie die Daten der Phase-3-Studie präsentierte (Annals of Oncology, 2021; 32 (Suppl_5): S1283-S1346). Der Benefit für die Patientinnen sei nicht nur statistisch hoch signifikant, sondern auch klinisch relevant, so Colombo.

Die Onkologin von der Universität Mailand–Bicocca ist Erstautorin einer zeitgleichen Vollpublikation im New England Journal of Medicine (2021; DOI: 10.1056/NEJMoa2112435).

KEYNOTE-826 ist eine internationale prospektiv randomisierte, doppelblinde Phase-3-Studie, in die Patientinnen mit persistierendem, rezidivierendem oder metastasiertem Plattenepithelkarzinom, adenosquamischem Karzinom oder Adenokarzinom des Gebärmutterhalses eingeschlossen wurden. Es bestand keine kurative Option, zum Beispiel durch Operation und/oder Bestrahlung, und es durfte nicht systemisch vorbehandelt worden sein.
Im Verumarm wurde an Tag 1 eines jeden 21-tägigen Zyklus intravenös der Anti-PD-1-Antikörper Pembrolizumab (200 mg) gegeben plus Paclitaxel oder Carboplatin mit oder ohne Bevacizumab. Im Kontrollarm erhielten die Teilnehmerinnen Placebo statt Pembrolizumab. Die primären Studienhypothesen waren, dass die Kombination von Pembrolizumab mit Chemotherapie der Chemotherapie überlegen ist: beim progressionsfreien Überleben (PFS) und/oder beim Gesamtüberleben (OS).


1/3 der Patientinnen hatten Tumorstadium IVB

In der Intention-to-Treat-Gruppe waren 617 Patientinnen, die 1:1 in die beiden Studienarme randomi­siert werden konnten. Knapp 1/3 der Teilnehmerinnen (31 %) hatten ein Tumorstadium IVB. Fast 2/3 (63,6 %) erhielten auch Bevacizumab. Stratifiziert wurde unter anderem nach PD-L1-Expression (PD-L1-Combined Positive Score ≥ 1 oder ≥ 10). Das mediane Follow-up zum Zeitpunkt der Interimanalyse lag bei 22 Monaten.

In der Intention-to-Treat(ITT)-Population betrug das mediane PFS 10,4 Monate bei der Pembrolizumab-Kombination und 8,2 Monate unter Placebo (Hazard Ratio [HR] für Progress: 0,65; p < 0,001). Nominell dasselbe Ergebnis wurde in der Untergruppe mit PD-L1-Combined Positive Score ≥ 1 erzielt (n = 548; HR: 0,62) und ähnlich in der Gruppe mit PD-L1-Combined Positive Score ≥ 10 (n = 317). Zu Monat 12 waren 44,7 % aus dem Verumarm ohne Progress und 33,5 % aus dem Kontrollarm.

Gesamtüberleben median mehr als 2 Jahre mit Immuntherapie

Das mediane Gesamtüberleben betrug für Pembrolizumab 24,4 Monate in der ITT-Population und war in der PD-L1-selektierten Gruppe für den Checkpointinhibitor noch nicht erreicht. In den Placebogruppen lag das OS bei median 16,3-16,5 Monaten, die HR für einen Tod jeglicher Ursache errechnete sich damit auf 0,66 für Pembrolizumab (p < 0,001).

„Die Kaplan-Meier-Kurven für das progressionsfreie Überleben und das Gesamtüberleben begannen sich ab Monat 3 aufzutrennen, und sie blieben dies bis zum Ende des Beobachtungszeitraums“, sagte Colombo. Es gab keine neuen Sicherheitssignale und die unerwünschten Effekte waren im Allgemeinen behandelbar. Dennoch gab es im Pembro-Arm 2 therapiebedingte Todesfälle (0,7 %).

Neuer Standard bei PD-L1-positiven Tumoren

„Die Ergebnisse der KEYNOTE-826-Studie bedeuten eine Wende für die Erstlinientherapie dieser Gruppe von Frauen, für die das Spektrum effektiver Therapie bisher sehr begrenzt ist“, sagte Mansoor Raza Mirza, Professor am Rigshospital in Kopenhagen. Mirza kommentierte die Studie nach der Präsentation in einer Plenary Session.

„Die Daten werden unsere klinische Praxis verändern, vor allem für die Gruppe der Patientinnen mit bio­marker­positiven Tumoren. Hier sollte Pembrolizumab neuer Standard werden.“

Der Anteil der Teilnehmerinnen mit einem PD-L1-Combined Positive Score < 1 habe in der Studie 11 % betragen und in dieser Subgruppe habe es kaum Differenzen beim PFS und OS gegeben. Bei biomarker­negativen Tumoren sei die Bedeutung des Checkpointinhibitors daher noch unklar. Die Studie erlaube auch keine Aussage zur Frage, welche Bedeutung Bevacizumab in diesem Therapiesetting habe. © nsi/aerzteblatt.de

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