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Medizin

Rektumkarzinom: Verzicht auf Strahlentherapie möglich?

Donnerstag, 23. September 2021

/bilderzwerg, stock.adobe.com

Die beim lokal fortgeschrittenen Rektumkarzinom in der S3-Leitlinie Kolorektales Karzinom empfohlene neoadjuvante Radiatio – als Kurzzeitbestrahlung alleine oder im Rahmen der Radiochemotherapie – ist mit Kurz- und Langzeittoxizität verbunden. Nach ersten Ergebnissen einer randomisiert-kontrollierte Phase-III-Studie CONVERT (2021; DOI: 10.1016/j.annonc.2021.08.2096) könnte möglicherweise neoadjuvant auf die Bestrahlung verzichtet werden.

Die multizentrisch durchgeführte CONVERT-Studie vergleicht eine neoadjuvante Chemotherapie mit XELOX (Capecitabin plus Oxaliplatin) mit einer neoadjuvante Radiochemotherapie mit Capecitabin bei Patienten mit einem lokal fortgeschrittenen Karzinom im unteren und mittleren Rektumdrittel mit nicht involvierter mesorektaler Faszie.

Anlässlich des virtuellen ESMO-Kongresses 2021 stellte Prof. Dr. Pei-Rong Ding von der Abteilung für kolorektale Chirurgie des Krebszentrums der Sun Yat-sen Universität in Guangzhou erste Ergebnisse der Studie als Late-Breaking-Abstract 22 vor.

Zwischen Juni 2014 und Oktober 2020 waren 663 Patienten mit einem lokal fortgeschritten Rektum­karzinom innerhalb von 12 cm oberhalb der Anokutanlinie und tumorfreier mesorektaler Faszie rekru­tiert worden. Randomisiert wurden die Patienten wie folgt behandelt:

• Gruppe A: neoadjuvante Chemotherapie mit 4 Zyklen XELOX (3-wöchige Zyklen mit Capecitabin in einer Dosis von 2.000 mg/m2 an den Tagen 1-14 und Oxaliplatin in einer Dosis von 130 mg/m2 an Tag 1) gefolgt von einer radikalen OP und adjuvant 4 weiteren 3-wöchigen Zyklen XELOX in derselben Dosierung wie neoadjuvant
• Gruppe B: neoadjuvante Radiochemotherapie mit Bestrahlung mit 50,4 Gy plus Capecitabin in einer Dosis von 1.650 mg/m² oral gleichzeitig mit der Bestrahlung an 5 Tagen pro Woche verabreicht, anschließend radikale OP und 6 Zyklen XELOX in der o.g. Dosierung

In der von Prof. Ding vorgestellten 1. Analyse hatten in Gruppe A und in Gruppe B vergleichbar viele Patienten die geplante neoadjuvante Therapie in voller Dosis erhalten (86,3 % vs. 91,0 %; p= 0,074). Vergleichbar viele Patienten wurden anschließend operiert (Gruppe A: 83,2 %; Gruppe B: 79,1 %). Die adjuvante Chemotherapie begannen in den beiden Gruppen 71,9 % bzw. 67,3 %, 52,8 % bzw. 44,1 % erhielten die geplante adjuvante Dosis (p=0,065).

Eine pathologische Komplettremission erreichten in Gruppe B 11,0 %, in Gruppe B 13,8 %. Der Unter­schied war nicht signifikant (p = 0,333). Das galt auch für den Anteil der Patienten mit einem guten Downstaging (yp Stadium 0 oder 1; Gruppe A: 40,8 %, Gruppe B 45,6 %; p = 0,265).

Ein statistischer Unterschied fand sich bei der perioperativen Fernmetastasierung: Nach neoadjuvanter Chemotherapie lag die Rate mit 0,7 % deutlich unter der nach neoadjuvanter Radiochemotherapie mit 3,1 % (p = 0,034). 2 Patienten der Gruppe A und 5 Patienten der Gruppe B sprachen auf die neoadjuvante Therapie komplett an und wurden nicht chirurgisch weiterbehandelt.

Nach neoadjuvanter Chemotherapie alleine musste weniger häufig ein vorläufiges Ileostoma angelegt werden als nach neoadjuvanter Radiochemotherapie (52,2 % versus 63,6 %; p = 0,008). Ein Sphinkter­erhalt gelang bei jeweils 94 % der Patienten. Kurzzeittoxizität und postoperative Komplikationen waren in den beiden Gruppen nicht unterschiedlich.

Diese – frühen – Ergebnisse der CONVERT-Studie weisen darauf hin, dass möglicherweise der Verzicht auf die neoadjuvante Bestrahlung möglich ist und die alleinige neoadjuvante Chemotherapie ähnliche pCR-Raten und ein ähnliches Downstaging ermöglichen könnte wie die neoadjuvante Radioche­motherapie.

Der primäre Endpunkt der Studie – das Überleben frei von Lokalrezidiven (LRFS) nach 3 Jahren – war noch nicht zur Auswertzug reif. Die entsprechenden Ergebnisse wie auch die zum Gesamtüberleben bleiben daher abzuwarten. © fk/aerzteblatt.de

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