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Medizin

Kohortenstudien sind oft besser als ihr Ruf

Montag, 25. Oktober 2021

/dpa, Holger Hollemann

Freiburg – Die Aussagekraft von Kohortenstudien in der Ernährungsmedizin hat eine Arbeitsgruppe vom Institut für Evidenz in der Medizin am Uniklinikum Freiburg, dem Partnerinstitut von Cochrane Deutsch­land, untersucht. Die Studien schneiden dabei im Vergleich zu randomisierten kontrol­lierten Studien (RCTs) recht gut ab, berichten die Forscher im British Medical Journal (BMJ, 2021; DOI: 10.1136/bmj.n1864).

Bei den Kohortenstudien analysieren Wissenschaftler Gruppen von Probanden (sogenannte Kohorten) über einen langen Zeitraum, in dem die Teilnehmenden regelmäßig untersucht und nach ihren Ernäh­rungsgewohnheiten befragt werden. Dadurch lassen sich mögliche statistische Zusammenhänge zum Beispiel zwischen bestimmten Ernährungsgewohnheiten und wichtigen Endpunkten wie dem Krebs­risiko feststellen.

Doch eine statistische Korrelation ist bekanntlich noch kein ursächlicher Zusammenhang. Deshalb ist die Aussagekraft von Kohortenstudien umstritten. Als wesentlich zuverlässiger gelten die RCTs. Dabei wer­den die Studienteilnehmenden nach dem Zufallsprinzip in 2 möglichst ähnliche zusammengesetzte Gruppen aufgeteilt: Die eine Hälfte erhält die Intervention die andere Hälfte ein äußerlich identisches Scheinprä­pa­rat ohne Wirkstoff oder eine andere Kontrollbehandlung. Im Idealfall wissen während der Studie weder Behandelnde noch Behandelte, wer zu welcher Gruppe gehört.

Ein Problem ist, dass RCTs zum Beispiel in der Ernährungsforschung oft nur schwer umsetzbar sind. Um Langzeiteffekten wie einem ernährungsbedingt veränderten Krebsrisiko auf die Spur zu kommen, müss­ten Studienteilnehmende etwa ihre Ernährung über Jahre hinweg umzustellen. „Umso wichtiger ist es zu verstehen, wie sehr sich die Ergebnisse von RCTs und Kohortenstudien wirklich unterscheiden und welche Faktoren dafür eine Rolle spielen“, erläutert der Erstautor Lukas Schwingshackl.

Die Arbeitsgruppe suchte nach systematischen Übersichtsarbeiten, welche die Evidenz zu Zusammen­hängen zwischen Ernährungsfaktoren und gesundheitlichen Risiken zusammenfassen. Für RCTs nutzten sie dafür wegen ihrer besonders hohen methodischen Standards die systematischen Reviews von Cochrane. Reviews, welche die Evidenz aus Kohortenstudien zusammenfassen, fanden sie in der Publika­tionsdatenbank MEDLINE. Am Ende konnten sie Ergebnisse aus beiden Studientypen zu 97 Fragestellun­gen systematisch miteinander vergleichen.

„In der Gesamtbetrachtung stimmen die Ergebnisse aus RCTs und Kohortenstudien weitgehend überein“, berichtet Schwingshackl. So zeigten RCTs, welche beispielsweise die gesundheitlichen Effekte einer mediterranen Ernährungsweise untersuchten, ähnlich günstige Ergebnisse wie Kohortenstudien, die dieses Ernährungsmuster untersuchten. Größere Abweichungen zwischen den Ergebnissen beider Studientypen ließen sich zumeist auf Unterschiede in der genauen Fragestellung zurückführen.

„Die größten Unterschiede sehen wir, wenn RCTs den Effekt von Nahrungsergänzungen, beispielsweise Vitamin-D-Präparaten, untersuchen, während die entsprechenden Kohortenstudien den Vitamin-Status im Blut messen“, hieß es aus der Arbeitsgruppe. Er wies aber daraufhin, dass zu vielen Fragestellungen schlicht keine RCTs existierten, sondern nur Daten aus Kohortenstudien. „In wie weit man die von uns gefundene gute Übereinstimmung auch auf solche Fragen übertragen kann, ist offen“, so Schwingshackl. © hil/aerzteblatt.de

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