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Medizin

Studie: US-Bevölkerung verlor 9 Millionen Lebensjahre im 1. Pandemiejahr

Dienstag, 21. September 2021

/Kristin Gründler, stock.adobe.com

Los Angeles – Der Verlust an Lebensjahren durch COVID-19 ist größer als die Untersuchungen zur Exzess­mortalität vermuten lassen. US-Forscher ermitteln in den Annals of Internal Medicine (2021; DOI: 10.7326/M21-2239) für das 1. Pandemiejahr insgesamt 9,2 Millionen verlorene Lebensjahre, von denen die Hälfte auf Menschen unter 65 Jahren entfielen.

Ein verbreitetes Argument gegen die einschneidenden Maßnahmen zur Begrenzung der Epidemie war, dass an COVID-19 nur Menschen sterben, die ohnehin nur noch wenige Monate zu leben hatten und dies vermutlich mit Demenzen und anderen Krankheiten, die die Lebensqualität stark einschränken. Die Berechnungen, die ein Team um Darius Lakdawalla von der University of Southern California in Los Angeles jetzt vorstellt, ergeben ein anderes Bild.

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Die Forscher haben die von den Centers for Disease Control and Prevention (CDC) und anderen Quellen veröffentlichten Daten zur Sterberate mit der zu erwartenden Lebenserwartung der Betroffenen vergli­chen. Ihre Berechnungen umfassen den Zeitraum zwischen dem 22. März 2020 und dem 13. März 2021.

In dieser Zeit sind in den USA 740.247 zusätzliche Todesfälle aufgetreten, von denen 545.324 als COVID-19-bedingt und 194.923 als nicht-COVID-19-bedingt eingestuft wurden. In die letzte Gruppe entfallen Menschen, die infolge der Überlastung des Gesundheitswesens oder aus Angst vor einer Ansteckung keine medizinische Hilfe für andere Erkrankungen erhalten haben.

Bezogen auf die durchschnittliche Lebenserwartung gingen den Amerikanern 10,56 Mio. Lebensjahre verloren (YLL), davon entfielen 7,96 Mio. auf Lebensjahre in guter Lebensqualität (QALY). Diese Zahlen reduzieren sich auf 9,08 Mio. YLL und 6,62 Mio. QALY, wenn berücksichtigt wurde, dass viele COVID-19-Erkrankungen bei Menschen auftraten, die infolge von chronischen Erkrankungen eine verminderte Lebenserwartung hatten. Unter den Opfern waren jedoch auch viele Menschen mit einer überdurch­schnittlichen Lebenserwartung. Nach den Berechnungen von Lakdawalla beträgt der Anteil sogar 38 %.

Die Forscher vergleichen die 9,08 Mio. YLL, die durch COVID-19 verloren gingen, mit den 15,4 Mio. YLL, die durch Krebserkrankungen verloren gingen, und 14,7 Mio. YLL durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Der Anteil von COVID-19 lag damit im 1. Jahr bereits bei 1/3, wenn die beiden anderen Haupttodesursachen kombiniert werden.

Unterschätzt werden laut Lakdawalla auch die Einbußen bei den jüngeren Menschen. Ein 40-Jähriger der an COVID-19 stirbt, verliert im Durchschnitt 39 Jahre, bei einem 65-Jährigen sind es „nur“ 18 weitere Jahre. Dies erklärt, warum von den 9,08 Mio. YLL allein 4,7 Mio. auf die Altersgruppe der 25- bis 64-Jährigen entfällt.

Für die USA spezifisch ist die Benachteiligung der Afroamerikaner und der Lateinamerikaner. In diesen Bevölkerungsgruppen gingen bei den über 65-Jährigen doppelt so viele QALY durch COVID-19 verloren wie bei den Amerikanern mit europäischen Wurzeln. In der Altersgruppe der 25- bis 64-Jährigen waren es sogar 3-Mal so viele. © rme/aerzteblatt.de

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